15. Oktober 2017

Amerikas Venedig

Kim Stanley Robinsons neuer großer Roman „New York 2140“ erscheint im Januar 2018

Lesezeit: 2 min.

„Man kann sich nicht vorstellen, wie schlimm eine Katastrophe sein wird, bis sie eingetreten ist.“ Das ist das Motto des Weltuntergangs, der in Kim Stanley Robinsons neuem Roman „New York 2140“ schon vorbei ist: Zweimal ist der Meeresspiegel angestiegen, in den 2050er Jahren um drei Meter, knapp fünfzig Jahre später dann um 15 Meter. Alle Küsten dieser Welt sind verschwunden, Milliarden Menschen wurden zu Klimaflüchtlingen oder starben. Danach wusste man alles besser; danach glaubte man den Klimaforschern, die schon vor hundert Jahren vor dieser Katastrophe gewarnt hatten danach war es plötzlich gar kein Problem mehr, emissionsfreie Technologien zu entwickeln und zu nutzen. Denn der Weltuntergang war nur ein weiterer Anfang in der Geschichte der Menschheit. Denn die Menschen kehrten in die untergegangenen Städte wie New York zurück. Sie zogen wieder in die Wolkenkratzer ein, die noch standen, dichteten die unteren Stockwerke ab und machten sie zu Schiffsgaragen, die oberen Stockwerke wurden zu Gemeinschaftsgärten, in denen Nahrungsmittel für alle, die im Haus wohnen, angebaut wird. Jede Hausgemeinschaft ist buchstäblich eine Insel im „Venedig Amerikas“.

Eine dieser Inseln ist der Metropolitan Life Tower, der optisch ein wenig an den Campanile in Venedig erinnert. Hier finden im Jahr 2140 zwei arbeitslos gewordene Programmierer, Jeff und Mutt, Obdach in einem Zelt auf dem Dach. Als die beiden plötzlich verschwinden, wendet sich Charlotte Armstrong, die Verwalterin des MetLife Towers, an Inspector Gen Octaviasdottir, die ebenfalls im Gebäude wohnt. Was die beiden bei ihren Nachforschungen zutage fördern, wird die Welt noch einmal von Grund auf verändern …

Mit „New York 2140“ hat Kim Stanley Robinson einmal mehr einen großen Roman vorgelegt, den das Label „Öko-SF“ nur unzureichend beschreibt. Es geht um mehr als nur die Folgen der Globalen Erwärmung; es geht auch um deren Ursachen – und damit ist hier nicht einfach nur der CO2-Ausstoß gemeint. Robinson schaut hinter die Kulissen, zeigt uns das große Ganze verpackt in einer spannenden und unterhaltsamen Story, die brandaktueller nicht sein könnte. Vor allem aber ist „New York 2140“ eine Utopie, in der die Menschen, auf die es ankommt, endlich mal das Richtige tun. Damit macht dieser Roman all jenen Mut, die zwischen Börsencrash, Umweltverschmutzung und Rechtsruck zu verzweifeln drohen. 

Kim Stanley Robinson: New York 2140 • Roman • Aus dem Amerikanischen von Jakob Schmidt • Wilhelm Heyne Verlag, München 2018 • Paperback • 752 Seiten • € 16,99 • ab dem 9. Januar 2018 in unserem Shop • Unser großes Interview mit Kim Stanley Robinson finden Sie hier

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