6. Dezember 2017 6 Likes

Das Beste aus 2017

Ein Jahresrückblick und die Weihnachtsempfehlungen der Redaktion

Lesezeit: 14 min.

Bestimmt haben Sie auch gemerkt, dass die Quersumme aus 2017 ausgerechnet 10 ergibt – und das lässt selbstverständlich nur einen Schluss zu: 2017 war ein Jahr binärer Gegensätze. Was ist uns da nicht alles um die Ohren geflogen! Trump hier, Nordkorea da. G20 im deutschen Norden, Rechtsradikalismus im deutschen Osten. Science-Fiction aus China und Utopien aus Kanada … die Liste ist endlos. Damit wir alle nicht an zwistfördernden Gegensätzen verzweifeln, gibt es hier nun endlich einen Ort des Trostes und der Erbauung – die Weihnachtsempfehlungen und die Rückschau auf das Jahr von unseren Redakteurinnen und Redakteuren.

In diesem Sinne Ihnen allen ein paar eindeutig erholsame Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr!

Ihre diezukunft-Redaktion

 

  Elisabeth Bösl

 

 

Buch

Die Marsianer sind wieder da! In „Das Ende der Menschheit“, Stephen Baxters unterhaltsamer Fortsetzung von H. G. Wells’ „Krieg der Welten“, ist nachzulesen, wie der zweite Krieg gegen die fiesen Nachbarn in ihren dreibeinigen Kampfmaschinen ausgeht.
Stephen Baxter: „Das Ende der Menschheit“, Heyne (im Shop)

Klassiker

James P. Hogans „Das Erbe der Sterne“: Ein 50.000 Jahre alter Toter in einem Raumanzug auf dem Mond gibt Dr. Victor Hunt Rätsel auf – und beschert uns ein unterhaltsames Puzzlespiel, das zwei nicht minder spannende Fortsetzungen nach sich gezogen hat.
James P. Hogan: „Das Erbe der Sterne“, Heyne (im Shop) 
 

 

Film/TV-Serie

Außer Blade Runner 2049 habe ich 2017 nichts im Kino gesehen, also war mein Film-Highlight im TV: Bill Nye saves the World auf Netflix. Sehr amerikanisch, sehr grundsätzlich, und doch brauchten wir für eine Episode oft zwei Stunden, weil wir pausieren und diskutieren mussten.
Bill Nye saves the World, Netflix
 

Comic

„Introducing Marxism: A Graphic Guide“ von Rupert Woodfin (Text) und Oscar Zarante (Bilder). Icon Books, 2005 (derzeit nur gebraucht erhältlich, im Januar 2018 gibt es eine Neuauflage, die für € 14,49 zu haben sein wird). 
Rupert Woodfin, Oliver Zarante: „Introducing Marxism. A Graphic Guide”, Icon Books
 
 

Game

Seit wir die Saisonreisen entdeckt haben, spielen mein Mann und ich wieder verstärkt „Diablo III“. Falls Sie fragen: Ich spiele einen Hexendoktor, der seine Gegner in Hühner verwandelt und dann einen gigantischen Alligator beschwört, der sie frisst. Wie cool ist das denn?! 
Diablo III – Reaper of Souls – Ultimate Evil Edition (PS4), Blizzard Entertainment

Ding

Meine Haix XR1 Einsatzstiefel „Lady“ aus wasserdichtem, atmungsaktivem Leder mit Chemikalien- und Virenschutz, Penetrationsschutz gegen Blut und andere Körperflüssigkeiten sowie rutschfester, durchtrittsicherer Sohle, die öl- und benzinbeständig ist. Der perfekte Begleiter für Konzerte und Festivals! 
Haix Airpower XR1 Lady, Haix Webshop

Fail

2017 machte „ungläubiges Kopfschütteln“ den größten Teil meines Sportprogramms aus, aber unter all den Fails in diesem Jahr verstören mich die Nazis im Bundestag am meisten. 
 
 
 
 
 
 
 
 

Highlight

Im März habe ich Kim Stanley Robinson, einen meiner Lieblingsautoren, getroffen, ein Interview mit ihm geführt, war auf der Lesung von „New York 2140“ (im Shop) und hatte danach noch Gelegenheit, etwas mit ihm zu plaudern. Toll!
 
 
 
 
 
 
 

 

  Stefanie Brösigke

 

 

Buch

„Schwerelos“ von Katie Khan: Zwei Astronauten treiben schwerelos im All, ihr Raumschiff ist ihnen abhandengekommen, ihre Atemluft reicht noch für genau neunzig Minuten – und das ist erst der Anfang von „Schwerelos“, dem Debüt der jungen britischen Autorin Katie Khan. Für mich einer der spektakulärsten Romane des Jahres!
Katie Khan: „Schwerelos“, Heyne (im Shop)
 
 

Klassiker

„Zeitmaschinen gehen anders“ von David Gerrold: Gibt es etwas Spannenderes als die Vorstellung, die Vergangenheit und/oder die Zukunft live und in Farbe zu erleben? Dinge ungeschehen machen zu können? Oder sich vielleicht sogar selbst zu begegnen, wie Daniel Eakins in David Gerrolds wunderbarem Klassiker „Zeitmaschinen gehen anders“? 
David Gerrold: „Zeitmaschinen gehen anders“, Heyne Verlag (im Shop)

Film/TV-Serie

Wonder Woman von Patty Jenkins: Ordentlich Action, spektakuläre Bilder und eine, wie ich finde, großartige Gal Gadot in der Hauptrolle. Ob man nun einen feministischen Ansatz im Film zu entdecken vermeint oder nicht – Wonder Woman ist auf jeden Fall beste Popcornunterhaltung, die unglaublich viel Spaß macht. 
Wonder Woman, Warner Bros. Pictures 
 
 
 

Comic

„Asterix in Italien“: Im Oktober diesen Jahres war es endlich wieder soweit – ein neuer Asterix-Band erschien (der 37. inzwischen!). Dieses Mal gilt es für unsere gallischen Helden, ein Wettrennen quer durch den ganzen Stiefel zu bestreiten. Und da warten natürlich einige Abenteuer auf sie. 
Asterix in Italien, Egmont
 
 
 
 
 
 

Game

Eines der ersten Spiele, die Nintendo für den Game Boy entwickelte und mit dem ich viele spannende, lustige und manchmal auch frustrierende Stunden erlebt habe, ist „Super Mario Land“ – inzwischen ein absoluter Klassiker, der bis heute nichts von seinem Fun-Faktor eingebüßt hat.
Super Mario Land, Nintendo

Ding

Obwohl ich mit aller Kraft versucht habe, mich dagegen zu wehren, konnte ich mich dem dieses Jahr durchs Land rollenden Einhorn-Hype nicht verschließen. Absolutes Highlight ist diese hippe Einhorn-Tasse. Da kann man nämlich auch noch Kaffee einfüllen. 
Geburtstags-Tasse, MoonWorks
 

Fail

Gerade erst wurde der Bürgermeister der Stadt Altena wegen seiner Flüchtlingspolitik brutal angegriffen. Leider nur eines von vielen Beispielen in diesem Jahr, das uns zeigt, dass Gewalt und Hass versuchen, Mitmenschlichkeit und Respekt aus unserer Gesellschaft vertreiben.
 
 

Highlight

Die Schweizer Anti-Atomwaffen-Kampagne Ican bekommt für ihren weltweiten Einsatz zur nuklearen Abrüstung den Friedensnobelpreis verliehen. Gerade in der derzeit politisch aufgeheizten Stimmung auf der Welt ein wichtiges Zeichen für den Frieden.
 
 
 

 

  Christian Endres

 

 

Buch

Mit „Luna“ hat Genre-Veteran Ian McDonald mal wieder einen irre gehaltvollen und glaubhaften Zukunftsentwurf in einer ungewöhnlichen Umgebung abgeliefert – diesmal allerdings noch mit Intrigen wie aus Game of Thrones
Ian McDonald: „Luna“, Heyne (im Shop)
 
 

Klassiker

Nach einem Vierteljahrhundert darf man „Vaterland“ von Robert Harris mehr denn je als Alternativwelt-Klassiker bezeichnen. Aber der Roman überzeugt und begeistert auch noch immer als mustergültiger Hardboiled-Krimi.
Robert Harris: „Vaterland“, Heyne (im Shop)
 

Film/TV-Serie

Das Netflix-interne Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen „Defenders“ und „Mindhunter“ können die Serienkiller-Forscher des FBI für sich entscheiden. Tolle neue Serie: Hart und kalt, dennoch feinfühlig und warm – und mit schickem 70er-Setting.  
Mindhunter, Netflix
 
 
 

Comic

Wer von „Stranger Things“ schwärmt, wird „Paper Girls“ von Brian K. Vaughan und Cliff Chiang lieben. Die Zeitreise ihrer vier Protagonistinnen aus den 80ern ist jedoch viel mehr als eine Nostalgie-Nummer, die zudem in jedem Panel perfekt sitzt.
Vaughan / Chiang: „Paper Girls“, bisher 3 Bände, Cross Cult
 

Game

Es ist ja leider nicht mehr meine Welt, aber der Welpen-Trailer zu „Destiny 2“ war wirklich verdammt lustig und cool. 
Destiny 2, Activision
 
 
 
 
 
 
 
   

Ding

Hiermit erkläre ich den neuen „Atlas der Scheibenwelt“, der vorgibt, direkt von Sir Terrys Flachwelt zu stammen, zu einem sehr schön aufgemachten Ding. 
Terry Pratchett: Vollsthändiger und unentbehrlicher Atlas der Scheibenwelt, Goldmann 
 

Fail

Drei Jahre auf den neuen „Taltos“-Roman von Steven Brust gewartet, und dann war die Lektüre eher … mühsam. Fanboy-Pech. Passiert. Und sollte niemanden davon abhalten, sich die ersten zwölf Bücher zu holen. Die sind nach wie vor der Hammer. 
Steven Brust: Vallista, Tor Books
 

Highlight

Die US-Hefte seit „Secret Empire“ haben mich und „Amazing Spider-Man“ von Autor Dan Slott endlich wieder miteinander versöhnt. Der Dank dafür gebührt nicht zuletzt Frau Mockingbird … 
Slott, Immonen: Amazing Spider-Man #29–32 & #789 ff., Marvel
 
 

 

  Bernd Kronsbein

 

 

Buch

Dass Wasser der wichtigste Rohstoff des Planeten Erde ist, dürfte inzwischen jeder wissen. Paolo Bacigalupi zeigt in seinem spektakulären Roman „Water“, warum das so ist. Und wieso in der nahen Zukunft mit ganz harten Bandagen darum gekämpft wird. Ein würdiger Nachfolger von „Biokrieg“ (im Shop).
Paolo Bacigalupi: „Water“, Heyne (im Shop)
 
 
 

Klassiker

Einer der unterschätzten Großen des Genres. In Clifford D. Simaks „Heimat Erde“ aus dem Jahr 1973 ist die Erde ein riesiger Friedhof geworden, nicht bildlich, sondern buchstäblich. Und dieser Friedhof birgt viele Geheimnisse, die die beiden schillernden Hauptdarsteller nach und nach lüften.
Clifford D. Simak: „Heimat Erde“, Heyne (im Shop)
 
 

Film/TV-Serie

Perfekt ist Blade Runner 2049 vielleicht nicht, aber es ist dennoch der beeindruckendste SF-Film des Jahres. Auch weil er sich gehörig von Ridley Scotts Original unterscheidet. In so ziemlich allem. Atmosphäre, Optik, Pacing. Denis Villeneuve macht jetzt Dune, die Freude könnte nicht größer sein. 
Blade Runner 2049, Sony Pictures
 
 

Comic

Eine Lovecraft-Hommage, die Lovecraft auf ein ganz anderes Level hebt. Alan Moore und Jacen Burrows holen in „Providence“ den ganz großen Meta-Hammer heraus. Und dennoch bleibt das umfangreiche Werk jederzeit lesbar und hochspannend. Was für die ganz finsteren Wintertage. 
Alan Moore & Jacen Burrows: „Providence 3“, Panini
 

Game

Mir fehlen wohl die neuronalen Verbindungen zwischen Kopf und Händen, um einen PS4-Controler angemessen zu bedienen, daher muss ich mich auch in diesem Jahr wieder mit etwas begnügen, das ohne Cyber-Implantate im Hirn funktioniert: „Monument Valley 2“. Yaaay.
Monument Valley 2, ustwo Games
 
 

Ding

Neulich durch einen großen Technikmarkt gestrolcht. Mein (sehr minderjähriger) Sohn deutet mit wissendem Grinsen auf ein Plastik-Replika der Baseballkeule, die Negan in The Walking Dead schwingt. Muss dringend die Interneteinstellung an seinem PC ändern. (Nützt nichts, ich weiß.)
 
 
 
 

Fail

Bitte im Plural! Dostojewski hat einen Roman mit dem unschlagbaren Titel „Der Idiot“ geschrieben. Aber angesichts dessen, was man so um sich herum wahrnimmt, wäre es dringend angezeigt, dass der nächste Dostojewski den Plural benutzt. „Die Blöden“ wäre als Variation doch nicht schlecht. (Sonst käme noch jemand auf die Idee, dass es ein Sequel ist.)

Highlight

Mein ganz persönliches Highlight ist, dass ich mir etliche Dinge nicht angetan habe. Keine Star-Wars-, Marvel- und DC-Filme. Kein Spotify. Kein Amazon Prime, kein Netflix. Kein neues Handy. Noch halte ich durch. Noch halte ich durch. Noch halte ich durch. Noch halte ich durch. Noch halte ich durch.
 
 
 

 

  Sascha Mamczak

 

 

Buch

Jürgen Kaube: „Die Anfänge von allem“. Jegliches Menschenwerk hat irgendwann einmal begonnen: das Kochen, die Musik, die Sprache, die Religion, die Kunst, die Politik, you name it. Wir sind die fernen Echos dieser Anfänge, wir sind ihre – Zukunft. Jürgen Kaube hat sich der Aufgabe gestellt, das, was aus dem Dunkel der Geschichte rekonstruierbar ist, zu rekonstruieren. Und er hat diese Aufgabe bravourös gemeistert.
Jürgen Kaube: „Die Anfänge von allem“, Rowohlt Berlin
 
 
 

Klassiker

Hat Karl Marx mit seiner vor hundertfünfzig Jahren erschienenen Globalökonomie „Das Kapital“ die Lunte für den vor hundert Jahren explodierten Furor der Bolschewiki gelegt? Die Lektüre ergibt: Diktatorisches lässt sich in seinen spärlichen und leicht naiv anmutenden Bemerkungen zur Gesellschaft der Zukunft nicht erkennen. Dafür ist der ganze Rest die immer noch brillanteste Analyse des gegenwärtigen Menschheitszustands.
Karl Marx: „Das Kapital“, diverse Ausgaben
 
 
 
 
 

Film/TV-Serie

Anderswo habe ich geschrieben, dass es mir lieber wäre, es würde diesen Film nicht geben. Das stimmt immer noch, steht aber nicht im Widerspruch zu dieser Empfehlung. Denn eine Meinung, die auf Nostalgie gründet, hat oft mit der Sache selbst nichts zu tun. Und die Sache selbst – Denis Villeneuves Scott-und-Dick-Weiterführung – ist: großartig. Allein schon die Antwort Deckards auf die Frage, ob sein Hund künstlich ist, hat mich fast zu Tränen gerührt.
Blade Runner 2049, Sony Pictures
 
 
 

Comic

Dem Guardian-Cartoonisten Tom Gauld wird nachgesagt, dass er seine Fans vor allem aus den Reihen derer rekrutiert, die „auf der Geek- und Genre-Seite des Lebens zu Hause sind“. Ich weiß ja nicht, ob ich mich dazu zählen soll. Fest steht aber: Wer beruflich mit dem Phantastischen zu tun hat – wer also tagtäglich gezwungen ist, das Phantastische zu profanisieren –, der braucht immer mal wieder eine ironische Schocklüftung. Thanks, Tom!
Tom Gauld: „Baking with Kafka“, Canongate Books
 
 
 

Game

Schafkopf. Zum einen muss ich ja weiterhin meinem Klischee gerecht werden und hier Spiele empfehlen, die das Gehirn nicht nach und nach in einen digitalen Brei verwandeln. Zum anderen: Ich war in diesem Frühjahr auf einer Hütte in den bayerischen Bergen und wurde ganz spontan zu einer Schafkopfrunde eingeladen (für Experten: Schafkopf ist die weißblaue Variante des Fizzbin). Und was soll ich sagen: Es war ein saumäßiger Spaß.
 
 
 

Ding

Der öffentliche Bücherschrank. Zugegeben: Ganz neu sind sie nicht, man sieht sie hier und da und nimmt sie eigentlich gar nicht richtig wahr. Aber seit auf dem etwas traurigen Platz bei mir um die Ecke ein für alle zugänglicher Bücherschrank steht und sich die Menschen zuweilen darum versammeln wie um den Clarke’schen Monolithen, weiß ich wieder, dass gedruckte Bücher mehr sind als nur gedruckte Bücher. Haben Sie bei sich um die Ecke vielleicht auch einen etwas traurigen Platz?
 

Fail

Das Insektensterben. Im Oktober erreichte uns die Meldung, dass in Deutschland (aber nicht nur dort) die Insektenpopulationen um über siebzig Prozent geschrumpft sind. Ja, genau: über siebzig Prozent. Weil wir eine Intensivlandwirtschaft gutheißen, die die Natur nachgerade ausräumt. Die Folgen dieser Meldung? Keine. Es interessiert uns einfach nicht. Und das Schlimmste ist: Wir wissen gar nicht mehr, was wir da eigentlich verlieren. Wir sind die Dummen.
 
 

Highlight

Der Münchner Bürgerentscheid über ein Heizkraftwerk. Bin ich dieses Jahr allzu bescheiden? Vielleicht. Jedenfalls hat Anfang November eine klare Mehrheit der Abstimmenden in meiner Heimatstadt dafür votiert, das Steinkohlekraftwerk im Münchner Norden bis 2022 stillzulegen. Natürlich wird das an der Kohlendioxidbilanz des Landes nicht viel ändern. Und vermutlich findet die Stadtregierung auch irgendeine Möglichkeit, das Abstimmungsergebnis zu ignorieren. Aber trotzdem. Trotzdem.
 

 

  Sebastian Pirling

 

 

Buch

Wie schafft man das, auf etwas mehr als einhundert Seiten nicht nur ein Panorama der chinesischen Gegenwart zu entwerfen, sondern auch noch in die Tiefen der Quantenphysik hinabzusteigen und von dort ein packendes Porträt des Menschen unserer Zeit hervorzuholen? Fragen Sie nicht mich, fragen Sie Cixin Liu. Seine Novelle „Spiegel“ ist ein Meisterwerk.
Cixin Liu: „Spiegel“, Heyne (im Shop) 

Klassiker

Am nachhaltigsten beeindruckt hat mich dieses Jahr Andrej Platonows „Die Baugrube“ in der Neuübersetzung von Gabriele Leupold. In dem utopischen Entwurf, der aber am Stalinismus scheitert, werden die Menschen und die Sprache gebrochen wie Erdschollen am Rand einer Baugrube. Meisterhaft.
Andrej Platonow: „Die Baugrube“, Suhrkamp
 
 

Film/TV-Serie

Zugegeben, ich habe Neil Gaimans „American Gods“ nicht gelesen. Die TV-Verfilmung, die momentan auf Amazon Prime läuft, geht aber mit einer derart brachialen, mythografischen Wucht zu Werke, dass ich nach jeder Folge erst einmal zur Beruhigung einhundert Seiten Claude-Lévi Strauss lesen muss. Grandios!
American Gods, Amazon Prime
 
 

 

Comic

Es gibt nett gemeinte Mash-ups, die für eine Instagram-Sekunde im Netz zirkulieren und ein anerkennendes Nerd-Nasenschnauben hervorrufen. Und dann gibt es die kunstvolle Pastiche wie etwa Brian K. Singers Star-Wars-trifft-Calvin-und-Hobbes-Cartoons, die durch den Mix zweier scheinbarer Gegensätze eine in beiden versteckte Wahrheit zutage fördert. Lil’Kylo!
 
 

Game

Als heimlicher Programmiernerd ist man ja immer wieder verblüfft, womit man seine Kinder doch alles anfixen kann. Und siehe da, mit „Swift Playgrounds“ ist das iPad auf einmal nicht mehr nur das Serienkuckding, sondern ein Spielvehikel, mit dem If-then-Schleifen und geschachtelte Befehle erlernt werden.
Swift Playgrounds, Apple
 
 
 
 
 

Ding

Der Drang, mit einem kohlenstoffhaltigen Schreibgerät einen Gedanken schriftlich festzuhalten, ist mindestens 370.000 Jahre alt. In diese Tradition reihe ich mich gern ein, allerdings mit dem Turbo unter den Bleistiften: dem Faber-Castell-Druckbleistift. Mit einem Stift schreibt man nämlich so, wie man sich generell öfter äußern sollte – mit Bedacht. Faber-Castell Druckbleistift TK-Fine Vario
 

Fail

In der Lacan’schen Psychoanalyse werden Probleme nicht nur als ein Symptom, sondern als eine Lösung aufgefasst – im Sinne eines Lösungsversuchs für das unbewusste, tieferliegende Problem. Der Wahlerfolg der AfD ist ein Mega-Fail, aber es ist doch klar, dass jetzt doppelte Arbeit auf uns wartet: an dieser Fehl-Lösung und am eigentlichen Problem.
 
 
 
 

Highlight

Meine Tour zum WorldCon 2017 in Helsinki war eindeutig ein Highlight! Ich habe jede Menge Autoren und Büchermenschen getroffen, konnte Cixin Liu interviewen (und ihm nach einer Hundeattacke beistehen), und ich habe eine großartige Stadt am Meer kennengelernt.
 
 
 
 
 
 
 
 

 

  Alexander Schlicker

 

 

Buch

Trotz entfachter Liebe für Cixin Lius Werk möchte ich doch J. Patrick Blacks furiosem Erzählfeuerwerk „Die Neunte Stadt“ an dieser Stelle den Vorzug geben. Man stelle sich vor: Aliens, die am Valentinstag die Erde angreifen. Nicht die einzige Idee, die dieses Epos mitreißend durchexerziert.
J. Patrick Black: „Die Neunte Stadt“, Heyne (im Shop)
 

Klassiker

Okay, jetzt ist auch dieses Geheimnis endlich raus: Ich habe „Der Wüstenplanet“ tatsächlich erst in diesem Jahr gelesen. Da gebietet es der Anstand, einfach nichts Inhaltliches mehr zu diesem Meisterwerk zu sagen. Außer: Lohnt sich tatsächlich … nicht nur, weil das SciFiologen immer behaupten.
Frank Herbert: „Der Wüstenplanet“, Heyne (im Shop)
 

Film/TV-Serie

Im Kino letztlich doch Wonder Woman, weil mich seit langem keine DC-Figur so überzeugt und dann auch noch ein echtes Statement gesetzt hat. Im TV ganz klar Legion: visuell atemberaubend, erzählerisch mutig und im seriellen Superhelden-Einheitsbrei durchaus in Ansätzen eine echte Innovation.
„Wonder Woman“, Warner Bros. Pictures
„Legion“, Twentieth Century Fox

Comic

Dank Kollege Bücheles unermüdlichen Tipps durfte ich dieses Jahr viele Comics für mich entdecken und habe dabei vor allem das spannend durchdachte, sehr erwachsene und grafisch stimmig umgesetzte Konzept zum Thema Unsterblichkeit in der „A.D.: After Death“-Reihe sofort ins Herz geschlossen.
Scott Snyder (Autor) / Jeff Lemire (Art): „A.D.: After Death“, Image

Game

Wenn Androiden weinen: Objektiv betrachtet, ist dieses Sci-Fi-RPG wirklich alles andere als perfekt, doch mit seinem zutiefst melancholischen, wendungsreichen und konsequent nihilistischen Ausrichtung, ist „Nier: Automata“ eine der besten japanischen Rollenspiel-Dystopien aller Zeiten gelungen.
Platinum Games / Square-Enix: Nier: Automata
 
 
 
 
 

Ding

Nintendo Super NES mini: Okay, der Retro-Hype hält vielleicht schon etwas zu lange an und die Preistreiberei mit Uralt-Titeln nervt trotz komfortablen „Neu-Konsolen“. Aber all die vielen Nintendo-Klassiker wieder genießen zu können, holt genau die Magie wieder ein, die ja viele etwa an Stranger Things so lieben.
Nintendo: Super NES mini 
 
 
 
 
 

Fail

Wir am Beispiel Football-Leaks. Kaum zu fassen, wie ignorant die Menschheit gerade im Bereich der Ökonomie immer wieder sein kann. Mustergültig abzulesen an den zahllosen Enthüllungen rund um den Fußball. Nach einer Phase der Empörung reichen schon ein paar Tore aus, um alles auf Verdrängung zu stellen. Traurig und schlimm.
Rafael Buschmann/Michael Wulzinger: „Football Leaks. Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball“, DVA

Highlight

Luca. Wieder etwas Persönliches, denn endlich haben wir Nachwuchs: ein großer, süßer Kater ist es geworden, der uns mit jedem Schnurrer mehr als glücklich macht. Da sieht man auch über die eine oder andere Kratzspur an der Couch und den hohen Spielzeugverschleiß sehr gerne hinweg.
 
 
 
 
 
 
 

 

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