15. November 2016 2 Likes

Das „Moonatics“-Starterpaket

Acht kuriose Fakten über unseren Mond, die Sie unbedingt wissen sollten

Lesezeit: 4 min.

Er ist der einzige Mond im Sonnensystem, den man mit bloßem Auge sehen kann: Luna, der Erdtrabant. In der nahen Zukunft, wie Arne Ahlert sie sich in seinem Debütroman Moonatics (im Shophier geht’s zur Leseprobe) vorstellt, ist er touristisch bestens erschlossen. Und warum auch nicht? Der Mond gilt als sicher; es liegen weder eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vor, noch gibt es Berichte über Kriminalität. Trotzdem sollten Sie das ein oder andere über Ihr Reiseziel wissen, ehe Sie ins Shuttle steigen. Ich meine damit nicht die trockenen Fakten, die Jahrhunderte der lunaren Forschung geliefert haben. Wer wissen will, wie groß der Mond ist (38 Mio. Quadratkilometer – größer als Afrika, kleiner als Asien) oder wie weit er von der Erde entfernt ist (zwischen 363.300 km und 405.500 km), soll seinen Reiseführer bemühen. Mir geht es um die Dinge, die Sie wahrscheinlich noch nicht gewusst haben …

1. Unser Mond ist der fünftgrößte im Sonnensystem.

Nur Ganymed, Titan, Callisto und Io, die um Jupiter beziehungsweise den Saturn kreisen, sind größer als Luna. Der sonnennächste Planet Merkur ist nur ein Viertel größer, und Nicht-mehr-Planet Pluto um einiges kleiner. Der Mond hat einen Durchmesser von 3474 Kilometern, das entspricht der Entfernung zwischen London und Kairo (und ist kürzer als die Strecke, die man bei der Durchquerung Australiens von Ost nach West zurücklegen müsste). Damit hat der Mond ein Viertel der Größe der Erde, und deswegen bezeichnen manche Wissenschaftler das Erde-Mond-System auch als Doppelplanetensystem. Klingt cool, oder?

2. Es gibt keine „dunkle Seite des Mondes“.

(Pink-Floyd-Fans überspringen diesen Punkt besser!) Das, was wir als „dunkle Seite des Mondes“ bezeichnen, bekommt in Wirklichkeit genauso viel Sonnenlicht ab wie die der Erde zugewandte „Vorderseite“. Der Mond braucht fast genauso lange für eine Drehung um die eigene Achse wie für einen Umlauf um die Erde, deswegen ist unserem Planeten immer dieselbe Mondseite zugewandt. Tatsächlich erreichen alle Gebiete auf dem Mond gleichmäßig Sonnenlicht. Ein Tag auf dem Mond dauert etwa 14 Erdentage 18 Stunden 22 Minuten, eine Mondnacht ist genauso lang. Wegen der geringen Größe des Mondes und der fehlenden Atmosphäre versinkt die Sonne jedoch nicht malerisch und farbenfroh im Mare Imbrium, sondern geht schlagartig auf und unter.

3. Der Mond hat Zeitzonen.

1970 bat die Firma Helbros Watches Kenneth L. Franklin, den Chefastronom des New Yorker Hayden-Planetariums, eine Uhr zu entwerfen, die die lunare Zeit genau messen kann. Franklin entwickelte dafür die Zeiteinheit „Lunation“, das ist die Zeitspanne, die der Mond braucht, um einmal um seine eigene Achse zu drehen. Eine Lunation beträgt genau 29,530589 Erdentage. Außerdem führte Franklin die „mittellunare Zeit“ (mit LT für „Lunar Time“ abgekürzt) sowie Lunare Zeitzonen, die denen auf der Erde ähneln, sich aber nach den nur 12° breiten Meridianen richten, ein. Diese würden, so Franklin, irgendwann vielleicht Namen wie „Kopernikanische Zeitzone“ oder „West-Tranquility-Zeit“ tragen. Die Mondstunde bekam den Namen „Lonour“, entsprechend gibt es auch „Decilunour“, „Centilunour“ und „Millilunour“. Helbros baute die Uhren und schickte eine an den damaligen US-Präsidenten Nixon (sehr zur Verwunderung vieler seiner Zeitgenossen, die es als politische Botschaft interpretierten); ein zweites Exemplar wurde lange im Hayden Planetarium ausgestellt. Allerdings erwies sich ein Instrument, das nur auf dem Mond richtig funktionierte, als Ladenhüter.

4. Auf dem Mond ist es nicht immer kalt.

Tatsächlich können während eines Mondtags am Äquator Spitzentemperaturen von bis zu 127° C erreicht werden. In einer Mondnacht fällt das Thermometer allerdings auf -173°C. Es gibt keine Atmosphäre, die die die Sonnenhitze abfängt und verteilt. Deswegen können in einigen tiefen Kratern an den Mond-Polen, die kaum von der Sonne erreicht werden, Temperaturen von -240° C erreicht werden. Schiebt sich die Erde vom Mond aus gesehen vor die Sonne, kann die Temperatur binnen 90 Minuten um rund 300°C fallen. Raumanzüge mit Heizungs- und Kühlelementen sind also Pflicht.

5. 390 110 Vollmonde würden genauso viel Licht auf der Erde erzeugen wie die Sonne.

Die Sonne scheint mit einer Magnitude, also einer scheinbaren Helligkeit, von -26,7, der Vollmond erreicht gerade einmal -12,7, hat also 14 Magnituden weniger Helligkeit. Das Verhältnis zwischen der scheinbaren Helligkeit der Sonne und der scheinbaren Helligkeit des Vollmonds beträgt 398 110 zu 1 – so viele Vollmonde bräuchten wir, um es auf der Erde ebenso hell zu haben wie an einem Sommertag. Allerdings würden so viele Vollmonde nicht an den Himmel passen. Es gibt über 41 200 Quadrat-Grad am Himmel (der die Erde ja zu 360 Grad umgibt), und der Mond füllt 0,2 Quadratgrad davon aus. Könnte man den gesamten Himmel mit Monden anfüllen, hätten wir nur Platz für 206 264 Monde – und es damit nicht hell genug.

6. Der Mond entfernt sich von der Erde.

Während Sie das lesen, bewegt sich der Mond von Ihnen weg. Er nutzt die Rotationskraft der Erde, um sich 3,8 cm pro Jahr von ihr zu entfernen. Wissenschaftler vermuten, dass der Mond kurz nach seiner Entstehung in nur 22 530 Kilometern Entfernung die Erde umkreist hat.

7. Der Mond ist nicht rund.

Ich weiß, er sieht rund aus, aber in Wirklichkeit ist der Mond geformt wie ein Ei, dessen Spitze auf die Erde zeigt. Der Mondkern – der ähnlich aufgebaut ist wie der Erdkern – liegt auch nicht direkt im geometrischen Zentrum des Mondes, sondern gut 2 Kilometer davon entfernt.

8. Golfspielen auf dem Mond ist möglich.

Vielleicht finden Sie auf dem Green Grau sogar einen der Bälle, die Alan Shepard 1971 bei der Apollo-14-Mission der NASA einige hundert Meter weit abgeschlagen hat – einhändig und mit einem Sechser Eisen.

 

 

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