1. Oktober 2017 1 Likes

Heimkino-Highlights im Oktober

Neues und Altes jenseits des großen Saals

Lesezeit: 8 min.

Jeden Monat die gleiche quälende Frage angesichts eines Bergs von Neu-Veröffentlichungen: „Was lohnt sich?“ – regelmäßige Hinweise der Redaktion sollen das Leben zumindestens ein wenig leichter machen!

1. Die Insel der Krebse (1975)

Bei wem? Studio Hamburg Enterprises Als was? DVD Wann? 13.10.2017

Worum geht’s? Der kontroverse Futurologe Tourenne hat reproduktionsfähige Kleinroboter entwickelt, die auf mechanisch elektronische Basis darwinistische Überlebenskämpfe bestreiten sollen, weil in einem Experiment herausgefunden werden soll, welche genetischen Eigenschaften es benötigt, um im Zukunft eine neuen Menschenrasse zu züchten, deren Handlung allein von Vernunft gesteuert wird. Allerdings fehlt es dem Projekt an Budget, weswegen sich die nach außen hin friedfertige Organisation „Atlantis International“ mit ihm in Verbindung setzt. „Atlantis International“ steckt aber insgeheim mit dem Militär unter einer Decke, denn sich selbstständig fortbewegende, orientierende und fortpflanzende Metallmaschinen, die sich zudem noch von Metall ernähren, sind natürlich ideale, praktisch unzerstörbare Waffen. Doch als sich Tourenne, die Wissenschaftsjournalistin Dr. Patricia Miles und ihr Assistentin Jim zwecks Feldforschung auf einer Insel aussetzen lassen, laufen die Dinge aus den Ruder: Die unersättliche Gier der kleinen Maschinen nach Metall wird zur Bedrohung, schon ein Ring am Finger kann Lebensgefahr bedeuten…

Prognose:  Der 1975 vom ZDF produzierte Fernsehfilm „Insel der Krebse“ basiert auf der gleichnamigen Vorlage des russischen Physikers und Science-Fiction-Autoren Anatolij Dnjeprow, der in den letzten Jahrzehnten trotz visionärer Inhalte ein Schattendasein in der öffentlichen Wahrnehmung fristete. Die prominent besetzte Verfilmung hat daran auch nichts geändert, denn die Adaption wurde nach der damaligen Ausstrahlung im Entstehungsjahr nie wieder gesendet. Die Frage lautet jetzt natürlich: Lohnt sich denn heute noch Fernsehkram von vorvorgestern? Aber klar! Natürlich kann’s eine über 40 Jahre alte TV-Produktion in Sachen production values nicht mit heutigen Filmen aufnehmen und wird wahrscheinlich vor allem auf jüngere Zuschauer „billig“ oder gar „trashig“ wirken, wer aber ähnliche Titel aus dieser Zeit wie z.B. „Das Millionenspiel“ (1970) oder „Welt am Draht“ (1973) kennt, weiß, dass diese dafür in inhaltlicher Hinsicht vor allem viele der künstlich hoch gezüchteten Blubberblasen aus Hollywood wirklich uralt dastehen lassen. Effekte sind nun mal eben nicht alles. Schade ist aber, dass Studio Hamburg mal wieder den absoluten Sparkurs fährt, zumindestens ein Booklet mit Hintergrund-Info wäre fein gewesen.       

Die Insel der Krebse • Deutschland 1975 • Regie: Gerhard Schmidt • Darsteller: Gert Baltus, Nicolaus Dutsch, Hans Korte, Wolfgang Preiss, Guenter Boehnert, Curt Faber

 


It Stains the Sands Red

2. It Stains the Sands Red (2016)

Bei wem? EuroVideo Als was? DVD, Blu-ray Wann?: 06.10.

Worum geht’s? Stripperin Molly und ihr zwielichtiger Begleiter Nick wollen vor der in Las Vegas  ausgebrochenen Zombie-Apokalypse durch die Wüste von Nevada zu einem abgelegenen Flugplatz fliehen, als plötzlich der Wagen den Geist aufgibt. Blöd, dass gerade in diesem Augenblick ein Zombie naht. Nick muss dran glauben, Molly bleibt nichts anders übrig als durch die Wüste zu fliehen, lediglich mit Wodka, Kippen, Koks und Tampons ausgestattet….

Prognose: Immer wieder schön, wenn ein Regisseur die Kühnheit besitzt, ein völlig erstarrtes Genre mal ein bisschen durch den Mixer zu ziehen. „It Stains The Sands Red“ knabbert die billiardenfach durchgenudelte Zombie-Apokalypse (nahezu) komplett runter: Den größten Teil des Films wird genau EINE Frau von genau EINEM Zombie verfolgt. Das ist dank schöner Landschaftsbilder, einer, bisher vor allem durch eine Seifenoper bekannte, toll aufspielenden Hauptdarstellerin und schrägen Humor ein Heidenspaß, da blickt man dann auch gerne drüber hinweg, dass die Idee bedauerlicherweise nicht konsequent bis zum Schluss durchgezogen wird und die letzten 20 Minuten dann doch in Beliebigkeit versumpfen. Wer schon immer mal sehen wollte, wie eine atemberaubend geschmacklos gekleidete Stripperin von einem Untoten durch die Wüste verfolgt wird, der wiederum in einem um den Hals gebundenen Schlauchboot ihr Hab und Gut hinter sich her zieht: Herzlich willkommen!

It Stains the Sands Red • USA 2016 • Regie: Colin Minihan • Darsteller: Brittany Allen, Juan Riedinger, Merwin Mondesir, Kristopher Higgins, Andrew Supanz, Michael Filipowich

 


Maschinenland – Mankind Down

3. Maschinenland – Mankind Down (2017)

Bei wem? Koch Media Als was? DVD, Blu-ray, VOD Wann?: 26.10.

Worum geht’s? Schon wieder Apokalypse: Aliens haben die Erde zerstört, nichts hat mehr eine Bedeutung, Grenzen, Gesetze, Sozialstatus, alles hat sich in Luft aufgelöst. Diese Erfahrung muss auch der in Südafrika stationierte US-Soldat Bo machen, der zusammen mit der französischen Entwicklungshelferin Nadia nur noch ein Ziel erkennt: Zu überleben und für sich und für den Teil der Bevölkerung, der noch nicht von den Invasoren ausgelöscht wurde, eine Zuflucht zu finden…

Prognose: Hierbei handelt es sich um das, komplett in Südafrikas Townships entstandene, Debüt des Allrounders Joe Miale, der in der Vergangenheit unter anderem mit Kurzfilmen zu „Half-Life“ oder „Assassin’s Creed“ auf sich Aufmerksam gemacht hat. Der Trailer schaut, vor allem, wenn man in Betracht zieht, dass gerade mal vier Millionen Dollar verbraten worden sind, ziemlich beeindruckend aus und erste Stimmen sprechen von einem harten, dreckigen, packenden und überraschend glaubwürdigen Sci-Fi-Actioner – für uns heißt das natürlich: Rauf auf die Liste! (um Verwirrung zu vermeiden: Wer am Ende der Rubrik nach dem Trailer sucht, sollte auf „Revolt“ klicken – „Maschinenland – Mankind Down“ ist mal wieder eine dieser abenteuerlichen Erfindungen des deutschen Vertriebs!)

Maschinenland – Mankind Down • Revolt; Großbritannien/Südafrika 2017 • Regie: Joe Miale  • Darsteller: Lee Pace, Bérénice Marlohe, Kenneth Fok, Tom Fairfoot, Alan Santini, Edwin Jay

 


Virtual Revolution

4. Virtual Revolution (2016)

Bei wem? EuroVideo Als was? DVD, Blu-ray Wann? 06.10.

Worum geht’s? Wir schreiben das Jahr 2049: Die Regierung zahlt der Bevölkerung die Grundversorgung und muss deswegen keinen Machtwechsel befürchten. Neben Miete und Nahrungsmittel, wird auch der Zugang zu virtuellen Welten staatlich subventioniert, was natürlich eine Veränderung der Gesellschaft zur Folge hat. Die Dauer-Onliner, die keine Lust mehr auf das echte Leben haben und lieber in virtuellen Welten daddeln, nennt man connected; die, die auch noch in der realen Welt aktiv sind, hybrid. Nachdem Synternis, einer der großen Cyberkonzerne mehrfach Ziel von Terroristen wurde, engagieren sie den hybriden Nash, der die Böswatze On- und Offline jagen soll. Allerdings hat sich auch Interpol an deren Spuren geheftet, was der Firma nicht passt, denn natürlich soll niemand herausfinden, dass ihre Systeme gehackt worden sind, da sonst die User abwandern. Nash sieht sich nun zwei Gegnern gegenüber und hat zudem noch eine alte Rechnung offen…

Prognose: Hinter dem etwas Werbeslogan-mäßigen Titel verbirgt sich das Spielfilm-Debüt des Soundtrack-Komponisten Guy-Roger Duvert und es ist bestimmt kein Zufall, dass EuroVideo den Titel passend zum Kinostart von „Blade Runner 2049“ veröffentlicht, denn bei Ansicht des Trailer klingeln natürlich gleich die Runner-Glocken. Warum trotzdem einen Blick riskieren? Duverts Science-Fiction-Thriller hat auf diversen Festivals mittlerweile rund 50 Preise abgeräumt, kann also nicht ganz schlecht sein, zudem: Es ist ja irgendwie nicht ohne Reiz, dass passend zum Hollywood-Platzhirschen auch ein kleiner Bruder im Geiste angeboten wird – dass der Große die Siegerlinie tatsächlich durchquert ist gar nicht mal so sicher und wie heißt es eh so schön: size doesn’t matter.

Virtual Revolution • Frankreich/USA 2016 • Regie: Guy-Roger Duvert • Darsteller: Mike Dopud, Jochen Hägele, Maximilien Poullein, Kaya Blocksage, Jane Badler

 


COPS

5. COPS – Volume 1 (1988)

Bei wem? Pidax Als was? DVD Wann? 27.10.

Worum geht’s? Empire-City, 2020: Die Einwohner leben in ständiger Angst vor Brandon „Big Boss“ Babel und seiner Gangsterbande, aber eine Gruppe von Spezialisten, genannte COPS (was für „Central Organisation of Police Specialists“ steht) tritt der Bedrohung wacker entgegen… 

Prognose: Ja, genau, bei „COPS“ handelt es sich um eine dieser auf Spielzeug basierenden80er-Jahre-Cartoon-Serien für Kids, die zur Zielgruppenbindung beitragen sollten (in diesem Fall ist „Transformers“-Fabrikant Hasbro der Übeltäter). Und ja, ebenso richtig, in formaler Hinsicht kann die Show nicht ansatzweise mit den heutigen CGI-Epen von Pixar & Co. mithalten. Dennoch: Nur ganz böse, extrem verbitterte Menschen gewinnen der so typischen, gezeichneten 80’s-2D-Ästhetik wirklich gar keinen Reiz ab, charmant ist das durchaus. In Hinblick auf die inhaltliche Seite hat der Cartoon – besonders im Vergleich zu aktuelleren Hasbro-Verwurstungen, wie natürlich den „Transformers“-Kinofilmen – eh die Nase vorne: Was heutzutage auf fast drei Stunden ausgebreitet wird, wird in 20 Minuten abgehandelt, mit Baldwin P. „Bulletproof“ Vess steht, leider auch heute nicht unbedingt selbstverständlich, ein schwarzer Charakter im Mittelpunkt, zudem macht sich gelegentlich ein sanfter, sozialkritischer Ton bemerkbar und generell sind diese ganzen Oldschool-Trickfilmserien nicht ansatzweise so militaristisch und zynisch wie die Kinofilm-Pendants, sondern schicken das Publikum sogar noch mit dem ein oder anderen guten Ratschlag wieder ins echte Leben zurück und das ist keine schlechte Sache. Natürlich, streng genommen, trotzdem alles nur Werbemittel, aber dann lieber so.

COPS • USA 1988 • Regie: Kevin Altieri • Sprecher (deutsche Fassung): Christian Rode, Pierre Peters-Arnolds, Uwe Paulsen, Till Hagen

 


The Last Man On Earth

… und was gibt’s im TV & Internet?

• The Last Man On Earth, Staffel 1 – ab 04.10.2017, ProSiebenMAXX: Postapokalyptische Comedy (!) über den (nur anfänglich) letzten Mann auf der Erde. Basiert auf eine Idee von Phil Miller und Christopher Lord (genau, die beiden, die neulich von Lucasfilm/Disney gefeuert wurden, weil die Bosse schreckliche Angst hatten, dass die „Star Wars“-Franchise womöglich um einen originellen Film erweitert werden könnte!) und mauserte sich zum Kritiker- wie Publikumsliebling (Staffel vier ist bereits in der Mache).

• The Handmaid’s Tale, Staffel 1 – ab 04.10.2017, EntertainTV: Die Telekom präsentiert die Adaption des Romans von Margaret Atwood exklusiv für die Kunden des Entertain-Angebots. 

• Humans, Staffel 2 – ab 09.10.2017, Vox: Die zweite Stafffel des amerikanisch- britischen Remakes der schwedischen Serie „Real Humans“, Thema: menschenähnliche Androiden.

• Colony, Staffel 1 – ab 11.10.2017, TNT Serie: Dystopie, die zwei „Lost“-Kollegen wieder vereint: Co-Showrunner ist Carlton Cuse und die Hauptrolle wird vom charismatischen Josh Holloway gespielt. Das gibt natürlich eine dicke Notiz im Kalender, eh klar.

• The Tick, Staffel 1 – ab 13.10.2017, Amazon Prime: Etwas verschwafelte Superhelden-Comedy.

• The Walking Dead, Staffel 7 – ab 13.10.2017, RTL2: Die siebte Staffel der Zombieapokalypse als Free-TV-Premiere. Die Romane zur Serie gibt’s im Shop.

• The Strain, Staffel 2 – ab 16.10.2017, ProSieben MAXX: Die Vampir-Apokalypse geht weiter – nach den Romanen von Guillermo del Toro und Chuck Hogan (im Shop)

iZombie, Staffel 3 – 19.10.2017, Sixx: Die charmante Krimiserie mit einer etwas anderen Heldin geht in die nächste Runde.

• The Walking Dead, Staffel 8 – 23.10.2017, Fox: Muss man echt nix zu sagen. Die Romane zur Serie gibt’s im Shop.

Stranger Things, Season 2 – 27.10.2017, Netflix: Wir sind sehr gespannt, ob der letztjährige Megahype aufrechterhalten werden kann!

Mr. Robot, Staffel 1 – 31.10.2017, RTL Nitro: Die wundervolle und sehr schick gefilmte Hackerserie feiert ihre Free-TV-Premiere!

Großes Bild ganz oben: „Virtual Revolution“

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