13. Juli 2017

Zwischen John Hughes und Tony Stark

In „Spider-Man: Homecoming“ geht der Superheld zur Schule

Lesezeit: 2 min.

Nicht schon wieder, mag man sich gedacht haben, als Sony ankündigte, den letzten Spider-Man-Reboot nach zwei Folgen einer geplanten Trilogie abzubrechen und einen Neuanfang zu nehmen. Auch dass man sich Marvel andiente mag manchen Puristen, der gern sich unabhängig voneinander entwickelnde Superhelden-Franchises sehen würde, irritiert haben, doch am Ende von Jon Watts „Spider-Man: Homecoming“ muss man sagen: Praktisch alles richtig gemacht.

Es hilft natürlich, dass dieser erste Spider-Man mit neuem Hauptdarsteller Tom Holland keine Origin-Story erzählt, denn die wurde quasi nebenbei im letzten „Captain America“-Film abgehakt. Auch dass man hier auf weite Teile der typischen Spider-Man-Motive verzichtet hat hilft. Ja, es gibt hier tatsächlich keine Mary Jane und auch keinen Onkel Ben, der immer wieder betont, dass aus großer Kraft große Verantwortung folgt. Statt dessen spielen weite Teile dieses Superheldenfilms an einer ganz normalen Highschool. Hier verbringt der junge Peter Parker seine Zeit, ein wenig notgedrungen, denn nachdem er einmal bei den Großen mitspielen durfte und den Avengers bei der Arbeit zugesehen hat, sieht sich Peter zu höherem berufen, als nur der freundliche Nachbarschafts-Spider-Man zu sein. Tony Stark hat ihm zwar einen coolen Anzug spendiert, aber viel kann Peter damit noch nicht anfangen und wird von seinem Mentor an einer sehr kurzen Leine gehalten.

Selbst als er entdeckt, dass ein unzufriedener Schrottsammler namens Adrian Toomes (Michael Keaton) aus Überbleibseln des Kampfes der Avengers gegen Ultron Superwaffen bastelt und als Vulture durch die New Yorker Nacht segelt, will ihm niemand glauben. Tagsüber drückt Peter also die Schulbank, Nachts versucht er Vulture auf die Spur zu kommen, dazwischen steht seine liebreizende Mitschülerin Liz (Laura Harrier), die er anhimmelt, dann jedoch auf dem Homecoming-Schultanz stehen lässt, als die Superheldenpflicht ruft.

Für einen Superhelden-Film der neuen Generation ist das ungewohnt leise erzählt, der Konflikt zwischen Spider-Mans übernatürlichen Fähigkeiten und seinem Wunsch, mit den Avengers mitzumischen einerseits, andererseits aber auch ein ganz normaler 15jähriger sein zu wollen, der mit seinem besten Freund Legomodelle baut und ein Mädchen anhimmelt, verleiht „Spider-Man: Homecoming“ eine Bodenhaftung, die überaus angenehme Abwechslung ist. Nicht um die Rettung der Erde oder gleich des Universums geht es hier, sondern um ganz banale, aber doch essentielle Dinge wie das Aufwachsen und die Entscheidung, was man mit seinem Leben anfangen soll.

Man darf gespannt sein, wie es mit diesem Spider-Man weitergeht, wie die Macher in der Fortsetzung, die spätestens nach dem überaus erfolgreichen Startwochenende fraglos geplant wird, mit ihrem Superhelden umgehen: Als interessanten Charakter oder als austauschbaren Actionheld.

„Spider-Man: Homecoming“ startet am 13.7. im Kino.

Spider-Man: Homecoming • Regie: Jon Watts • Darsteller: Tom Holland, Michael Keaton, Marisa Tomei, Robert Downej Jr.

Kommentare

Zum Verfassen von Kommentaren bitte Anmelden oder Registrieren.
Sie benötigen einen Webbrowser mit aktiviertem JavaScript um alle Features dieser Seite nutzen zu können.