20. März 2012

Haariges Remake

„Planet der Affen: Prevolution“ – Wiederbelebung gelungen

Lesezeit: 3 min.

Es war dann doch eine Überraschung, dass unter all den Sequels, Prequels, Remakes und Franchiseneustarts dieser eine Film dabei war, der nicht doof war. Zumal die letzte Wiederbelebung des Planeten der Affen, Tim Burtons Film aus dem Jahr 2001, ein ziemlicher Schlockbuster war. Aber Hollywood ist ja schließlich schon lange mehr kein Garant für frische und innovative Filmideen. Doch dann kam alles ganz anders: Zunächst mal bediente sich der britische Regisseur Rupert Wyatt sehr respektvoll bei den alten Filmen und der TV-Serie und stopfte seinen Film voll mit sympathischen Zitaten. Und dann stellte er die allerneueste Computertechnik vollkommen unter die Fuchtel der Story. Heraus kam kein Remake, sondern ein locker mit den alten Motiven spielender Neustart der alten Serie.

Der junge Wissenschaftler Will Rodman arbeitet für ein Pharma­unternehmen an der Entwicklung von ALZ-112, ein Wirkstoff auf Virusbasis, der gegen Alzheimer helfen soll. Das ist nicht ganz uneigennützig, leidet doch Wills Vater Charles unter der tückischen Krankheit und Will muss zusehen, wie der alte Mann zusehends verfällt. Dazu macht er auch Experimente an Menschenaffen. Als die Schimpansin Bright Eyes (so wurde Charlton Heston im Ur-Film von der Affen-Wissenschaftlerin Zita genannt) unter dem Einfluss des Medikaments während einer Demonstration durchdreht und erschossen wird, adoptiert Will ihr Junges und nennt den Affen Caesar. Und der hat, so merkt zumindest der Zuschauer schnell, die Intelligenz seiner Mutter geerbt. Vom Erfolg des Medikaments überzeugt testet Will ALZ-112 an Charles und der Zustand des alten Mannes verbessert sich zusehends. Gleichzeitig wird jedoch Caesar klar, dass er zeit seines Lebens immer nur ein Haustier bleiben wird.

Bei einem Streit zwischen Wills Vater und einem Nachbarn greift Caesar ein und wird daraufhin in ein Tierheim gebracht, wo er einem Tierquäler in die Hände fällt. Als Charles’ Zustand sich trotz eines stärkeren Medikaments verschlechtert und er schließlich stirbt, soll Caesar wieder zu Will kommen. Doch er stiehlt das neue ALZ-113, impft seine mitgefangenen Menschenaffen und entkommt. Mitten auf der Golden-Gate-Brücke kommt es zum Showdown zwischen den intelligenten Affen und der Ordnungsmacht.

In den Siebzigerjahren galten die Affenmasken der Filmserie als nahezu perfekt. Und auch Rick Bakers Arbeit am Tim-Burton-Film wurde überall gelobt. Aber das neue Performance-Capture-Verfahren, bei dem zuerst die Bewegungen und Mimik der Schauspieler aufgenommen werden und später am Computer ein Affenkostüm darüber gelegt wird, zeitigt schlicht viel bessere Ergebnisse. Das wird klar, wenn man etwa in Caesars Augen blickt und den Schmerz sieht, den Schauspieler Andy »Gollum« Serkis perfekt darstellt. Dass Serkis’ Arbeit mal wieder von der Oscar-Akademie ignoriert wurde, spricht eher gegen dieses vollkommen versteinerte und unbewegliche Gremium.

Zu all den schönen Zitaten und der neuesten Technik kommt noch ein überzeugendes Schauspielerensemble: Tom Felton etwa, der ja nach seiner Darstellung des Draco Malfoy in den Harry-Potter-Filmen endlich mal »jemand Nettes« spielen wollte, ist ein unfassbar gemeiner Tierpfleger. Und Wyatt versieht seinen Film mit einer klugen Botschaft, die er dem Zuschauer jedoch nicht um die Ohren haut. So kann man über Planet der Affen: Prevolution ohne zu übertreiben sagen: einer der besten Science-Fiction-Filme der letzten Jahre. Selbst der etwas bemühte deutsche Titel macht Sinn.

Planet der Affen: Prevolution • USA 2011 · Regie: Rupert Wyatt · Darsteller: James Franco, Andy Serkis, Freida Pinto, John Lithgow, Brian Cox, Tom Felton, Tyler Labine

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