8. Oktober 2016

TV-Tipp - Sonntag 9. Oktober

„Ultraviolet“ und „Die vierte Art“ auf Sixx

Lesezeit: 2 min.

Die verbreitete und akzeptierte Meinung ist, dass „Ultraviolet“ (2006) von Kurt Wimmer und „Die vierte Art“ (2009) von Olatunde Osunsanmi ziemlich miese Filme sind. Das kann man so stehen lassen und den Sonntagabend für andere Dinge reservieren.

ABER. Stimmt das?

„Ultraviolet“ ist ein Torso. Wimmer hatte eine 120-minütige Version angefertigt, die den Produzenten nicht gefiel und auf unter 90 Minuten zusammengeschnitten wurde. Die lange Fassung war ihnen für ein Milla Jovovich-Action-Vehikel zu „emotional“. Mag sein.

Was ist geblieben? Ein Film, der am Rande der Avantgarde vorbeischrammt. Den Plot (im Genlabor erzeugte Vampire kämpfen im späten 21. Jahrhundert gegen Menschen) ahnt man nur, alles ist reduziert auf Bewegung, auf Farben und Form und Musik. Sind die FX unfertig oder bewusst reduziert? Ist das wichtig? Das Ergebnis, egal wie es zustande kam, ist dennoch beeindruckend. Mehr eine Installation als ein Film. Wer eine Story, ein gelungenes Narrativ, tolle Dialoge u.ä. möchte, wird enttäuscht sein und braucht nicht einzuschalten. Aber wer „Ultraviolet“ einfach mal unvoreingekommen betrachtet, könnte ein angenehme Überraschung erleben. Mainstream ist das jedenfalls nicht.

„Die vierte Art“ ist ein Mix aus Spielfilm und Fake-Doku, es geht um Entführungen durch Aliens und im Grunde kam der Film zu einem Zeitpunkt heraus, als der X-Files-Zug schon am Horizont verschwunden war. Und eigentlich dürfte der Film auch gar nicht funktionieren. Milla Jovovich (erstaunlich uneitel) gibt die Psychologin, die durch die Umstände gezwungen wird, an die Entführungen zu glauben, Elias Koteas spielt den skeptischen Kollegen, der zwar Zeuge wird, aber dennoch den Mund hält, und Will Patton ist der halsstarrige Cop, der von dem ganzen Schwachsinn niemals nie etwas wissen will. Osunsanmi manipuliert die Zuschauer aber mit grober, sicherer Hand durch das Szenario und serviert drei, vier saftige Schocks, die wirklich unter die Haut gehen. Die Atmosphäre wird zunehmend bedrohlich und in den letzten zehn Minuten verliert man sogar ein wenig den Boden unter den Füßen, weil aus dem reinen Genrefilm plötzlich (nein, eigentlich wird es vorbereitet, aber man achtet nicht unbedingt darauf) etwas anderes wird. Auch das ist nicht originell, aber effektiv.

Wie überhaupt Osunsanmis Film bemerkenswert effektiv ist. Er jagt einem tatsächlich Schauer über den Rücken und verhindert gesunde Nachtruhe. Die Angst vor dem Unbekannten, die Angst vor dem Abgrund, wird auf die Spitze getrieben, und wenn man dann Nachts im Bett wach liegt, weiß man gar nicht mehr, was eigentlich schlimmer ist, die Augen zuzumachen oder offen zu lassen. Und das hat eigentlich nichts mit Aliens zu tun, sondern mit dem Grauen an sich. Und auf das wirft man in Osunsanmis Film einen kurzen, schrecklichen Blick.

Beide Filme laufen am Sonntag nacheinander auf Sixx. „Ultraviolet“ um 20.15 Uhr (Wiederholung in der Nacht um 23.50 Uhr), „Die vierte Art“ um 22.00 Uhr (Wiederholung in der Nacht um 1.20 Uhr).

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