12. Mai 2021 3 Likes

Review: „Der Astronaut“ von Andy Weir

So und genauso gut wie „Der Marsianer“ – aber auch viel mehr und ganz anders

Lesezeit: 3 min.

Man sollte besser nicht zu viel über die Handlung von Andy Weirs neuem Roman „Project Hail Mary“ alias Der Astronaut“ (im Shop) sagen. Also, sollte man schon, bitte nicht falsch verstehen! Der neue Weir ist es mehr als wert, dass man ihn liest und anschließend begeistert über ihn spricht. Doch gibt man in einem Text wie diesem zu viel über die packende Geschichte und ihren verblüffenden Verlauf preis, würde man sich des Verrats am Buch, am Autor und an allen schuldig machen, die den Roman noch nicht gelesen haben.

Deshalb nur so viel: „Der Astronaut“ hat eine Menge von Der Marsianer“ (im Shop), Andy Weirs erstem Roman und Welterfolg, der von Ridley Scott mit Matt Damon in der Hauptrolle verfilmt wurde. Allen voran die Prämisse: Ein einzelner, sympathischer Wissenschaftler muss im Weltall überleben. So weit, so Weir und so gut. Allerdings geht es diesmal nicht bloß darum, dass ein Mensch – obendrein in einem Raumschiff – der Lebensfeindlichkeit des Alls zu trotzen hat. Dieser Mann ist außerdem die einzige Hoffnung der Menschheit, die ein Problem winzigen und nichtsdestotrotz gigantischen und apokalyptischen Ausmaßes bedroht. Nach und nach kehren die Erinnerungen unseres Raumfahrers darüber zurück, wie er ins All gelangt ist, wie sein Auftrag lautet und was davon abhängt. Weir legt in der Folge nicht einfach nur wieder eine super unterhaltsame, super spannende Space-Robinsonade vor. Nein, in „Der Astronaut“ bedient er noch eine andere beliebte Trope der Science-Fiction – und mehr wird nicht verraten.

Was kann man sonst noch über Weirs dritten Roman nach „Der Marsianer“ und Artemis“ (im Shop) sagen, ohne anderen den Spaß und die Überraschungen zu vermiesen? Natürlich, dass Andy Weir abermals unter Beweis stellt, dass er derzeit die beste und unterhaltsamste Hard-Science-Fiction schreibt. Man spürt permanent seine Begeisterung für die Wissenschaft, und obwohl der amerikanische Science-Nerd und Raumfahrt-Crack einem gelegentlich die fundierten Fakten, Formeln und Gesetze nur so um die Ohren haut, hängt er nicht mal Lesende ab, für die das Periodensystem bestenfalls die verschwommene Erinnerung an ein verblasstes Poster im Chemiesaal der Schule ist. Faszination, Unterhaltung und Spannung brauchen es nicht, dass man astrophysikalische Prinzipien griffbereit hat. Und sowieso liest man es 2021 gerne, dass die Wissenschaft am Ende oft eine gute Antwort findet.


Andy Weir. Foto © Aubrie Pick

Vermutlich hat Andy Weir den Richtungswechsel in „Artemis“ gebraucht, um jetzt einen wahren Nachfolger für seinen „Marsianer“ realisieren und vorlegen zu können. „Der Astronaut“, dessen Filmrechte lange vor Erscheinen verkauft waren und wohl einen SF-Blockbuster mit Ryan Gosling speisen wird, ist Andy Weir at his best: ein 550 Seiten langes Hard-SF-Vergnügen für alle, die den „Marsianer“ gelesen, gehört, gesehen und gefeiert haben. Die seitdem auf einen würdigen und ähnlichen, letztlich dennoch ganz anderen geistigen Nachkommen gewartet haben. Hut (oder Helm) ab, dass Mr. Weir diese Herausforderung gemeistert, dieses Kunststück und diesen Spagat hinbekommen hat.

Ein Highlight für Andy Weir-Fans, das mit seinen großen kosmischen Szenarien und Ideen zugleich die Anhänger von Cixin Liu (im Shop) und Ted Chiang begeistert. Kein SF-Spektakel, jedoch ein spektakulärer Science-Fiction-Roman.

Andy Weir: Der Astronaut • Roman • Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski • Wilhelm Heyne Verlag, München 2021 • 560 Seiten • als Paperback, Hörbuch und E-Book erhältlich • Preis des E-Books: € 13,99 • im Shop

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