4. Dezember 2017 3 Likes 1

Heimkino-Highlights im Dezember

Neues und Altes jenseits des großen Saals

Lesezeit: 7 min.

Jeden Monat die gleiche quälende Frage angesichts eines Bergs von Neu-Veröffentlichungen: „Was lohnt sich?“ – regelmäßige Hinweise der Redaktion sollen das Leben zumindestens ein wenig leichter machen!

 

1. Orbiter 9 – Das letzte Experiment (2017)

Bei wem? Koch Media Als was? DVD, Blu-ray, Digital Wann? 07.12.2017

Worum geht’s? Helena lebt mutterseelenallein auf einem Raumschiff, dass sich auf einem jahrelangen Flug zum neu entdeckten Planeten Celeste befindet. Ihre Eltern sind tot, da durch einen technischen Vorfall die Sauerstoffzufuhr für drei Personen nicht gereicht hätte, sie konnten kurz vor ihrem Ableben allerdings ein Notsignal starten. Helenas einziger Freund ist die Stimme des Bordcomputers Rebecca, allerdings ist Rettung in Sicht: Das Notsignal wurde abgefangen und Ingenieur Alex befindet sich auf dem Weg zu ihr, ihr erster menschliche Kontakt seit Ewigkeiten. Doch den jungen, gut aussehenden, Mann, der in wenigen Stunden wieder gehen muss, scheint ein Geheimnis zu umgeben…

Prognose: Was sich ein wenig liest und auch ein wenig aussieht wie der kleine Bruder von „Passengers“ (2016) soll bisherigen Stimmen nach ein ziemlich eigenständiges, sehr ruhiges Science-Fiction-Drama fernab jeder hollywoodscher Überbietungslogik sein und man ist auch gewillt dem zu glauben, denn Regisseur Hatem Khraiche, dessen erster Spielfilm das ist, hat bereits 2013 mit dem Drehbuch zu „The Returned – Weder Zombies noch Menschen“ gezeigt, dass er Akzente setzten kann. Auf jeden Fall mal auf die „will sehen“-Liste schieben, könnt’ was werden!   

Orbiter 9 – Das letzte Experiment • Spanien/Kolumbien 2017• Regie: Hatem Khraiche • Darsteller: Clara Lago, Bélen Rueda, Álex González, Andrés Parra, Kristina Lilley


Orbiter 9

2. Resident Evil (1-6) (2002 - 2016)

Bei wem? Constantin Film Als was? Blu-ray (Limited Digipack Edition), Blu-ray (Limited Edition inkl. Büste) Wann? 07.12.

Worum geht’s? Eine junge Frau mit Namen Alice kämpft in einer postapokalyptischen Welt gegen die verbrecherische „Umbrella Corporation“. „Resident Evil“ entpuppt sich dabei als präzise durchdachte, extrem komplexe, sechsteilige Actionthrillerserie mit rasiermesserscharfen Dialogen, einem beachtlichen, preisgekrönten Darsteller-Ensemble und einer gehörigen Portion Sozialkritik. Weltkino vom Allerfeinsten, dem dank falscher Vermarktung leider die breitflächige Anerkennung in Kritikerkreisen unverdientermaßen verweigert wurde, da der schnöselige Feuilleton-Mob einfach nicht in der Lage war, die subtile, extrem feingeistige Konstruktion des vom britischen Volker-Schlöndorff-Thronerben Paul W.S. Anderson in verschiedenen Positionen betreute Kunstwerks zu erkennen….

Prognose:

… okay, das war natürlich Blödsinn, trotzdem hat die Serie einfach nicht die Prügel verdient, die sie im Laufe der Jahre bekommen hat. Natürlich sind die Darsteller reine Mittel zum Zweck, natürlich wussten die Macher allerspätestens ab Teil 4 wirklich überhaupt nicht mehr, was eigentlich noch erzählt werden soll, aber „Resident Evil“ hat zwei Trumpfe im Gepäck, die andere Franchisen nun mal nicht haben: Zum einen die überirdische Milla Jovovich, die mit schlafwandlerischer Selbstsicherheit über allem thront und deren Frisur auch nach 43 abgeschlachteten Zombies noch perfekt sitzt, und deren Ehemann Paul W. Anderson, dessen tägliches Mantra „Style, Style und nochmals Style!“ ist und der dabei durch eine entwaffnende Ehrlichkeit besticht: Während andere Reihen im Big-Budget-Bereich (allerschönstes Beispiel natürlich der „Transformers“-Murks) durch wirre, bis zum Platzen aufgeblasene Plots krampfhaft versuchen ein Null an Inhalt zu kaschieren, was immer zu gnadenloser Überlänge führt, mutet die mit je knapp 90 Minuten pro Folge fast durch die Bank angenehm schlank gehaltene „Resident Evil“-Reihe wie eine Abfolge an bildgewaltig verfilmten Jump’n’Run-Spielen an, bei denen die immer gleichen Bausteine (Milla, Umbrella-Bösewichte, Zombies, unterirdische Gebäude) immer und immer wieder auf reizvolle Weise neu zusammengesetzt werden (absolutes Highlight: „Resident Evil: Retribution“) und so was wie „Dialoge“ nur noch pflichtgemäß abgearbeitet werden, weil es das Publikum halt erwartet, was wiederum zu herrlich lustigen Highlights führt, weil Anderson sich nicht schämt die komplette Nichtigkeit des Gesagten auf dem Silbertablett zu servieren (aus Teil 6: „Da ist was hinter uns“, „Da ist was vor uns“, „Was isn das?“).

Im Prinzip handelt es sich bei der Franchise um Spiele-Adaptionen, die sich zwar ein gutes Stück weit von der Vorlage entfernen, gleichzeitig aber mit ihren Hang zu Bewegung, Geschwindigkeit und den levelmäßig aufgebauten, streng funktionalen Plots (Person X muss von A nach B kommen) eigentlich die nahezu optimale Verschmelzung von Videospielen und Spielfilmen darstellen; würde man sich in zukünftigen Beiträgen auch noch von den allerletzten erzählerischen Zwängen des Films freimachen, hätte man die optimale Symbiose, Spiel-Filme, sozusagen.

Jedenfalls ist die „Resident Evil“-Reihe durchgängig ein großer Spaß, der die Karten offen auf den Tisch legt und dabei besonders in den von Anderson selbst inszenierten Teilen durch eine herrlich, phasenweise regelrecht überquellende Inszenierungsfreude besticht. Sicherlich keine cineastischen Meisterwerke, aber halt schwer sympathisch und… schaut einfach gut aus!  

Mittlerweile ist ein Reboot angekündigt, an dem das Dreamteam Jovovich/Anderson nicht beteiligt sein wird, nach letzten Meldungen wird sich Horror-Papst James Wan als Produzent drum kümmern, eigentlich nicht der schlechteste Mann, aber noch mehr ultra-seriöse, super-finstere Streifen mit lauter mega-überraschenden Twists brauch’s echt nicht. Die Erhabenheit der Jovovich und die quirlige Verspieltheit von Anderson werden der Reihe schwer abgehen. Jede Wette! Deswegen: Blu-ray-Box holen oder zu Weihnachten schenken lassen und abfeiern!  

Resident Evil (1-6) • Deutschland/Frankreich/Großbritannien/USA/etc. (2002 – 2016) • Regie: Paul W.S. Anderson (1, 4-6), Alexander Witt (2), Russel Mulcahey (3) • Darsteller: Milla Jovovich und irgendwelche Menschen, die rund um Milla Jovovich drapiert wurden. 


Resident Evil

3. Starship Troopers (1997)

Bei wem? Buena Vista Home Entertainment Als was? DVD, Blu-ray, Blu-ray (Limited Steelbook Edition) Wann? 07.12.

Worum geht’s? In ferner Zukunft herrscht endlich Frieden auf der Erde, nur die Einteilung in Soldaten und Zivilisten unterscheidet die Menschen. Und Soldaten sind leider immer noch nötig, denn in einer anderen Galaxy lauern Killer-Insekten, die der Erde den Krieg erklärt haben….

Prognose: Bei „Starship Troopers“ handelt es sich wohl um einen der besten, mitreißendsten, lustigsten, subversivsten und schlausten Big-Budget-Filme aller Zeiten. Laut Regisseur Paul Verhoeven war sein Film nur möglich, da während der Produktionszeit die Führungsetage seines Studios mit personellen Änderungen zu kämpfen hatte und er nahezu unbeaufsichtigt agieren konnte. Natürlich nutzte der geniale Regie-Punk diese Gelegenheit für einen 105 Millionen Dollar teuren Film, der sowohl auf knallige Splatter-Action setzt, sich aber gleichfalls hemmungslos in bis zum Anschlag überspitzter Form über Hurra-Patriotismus, Militarismus-Glorifizierung und Faschismus lustig machte. Das war natürlich für manchen Zeitgenossen viel zu viel, es hagelte eine Reihe beklopptester Kritiken (so meinte etwa das Lexikon des internationalen Films: „Ein mit technischer Perfektion im effektvollen Hochglanzstil von Werbespots und Magazin-Covers inszenierter Science-Fiction-Film, der nicht nur äußerst gewalttätig ist, sondern auch der Glorifizierung des Militarismus und der Verbreitung faschistischen Gedankenguts Vorschub leistet.“) und natürlich war hierzulande die BPjS mal wieder völlig überfordert und indizierte im Jahr 1999 Verhoevens Meisterstück. Mittlerweile schämt man sich aber offenbar für viele Entscheidungen von damals und auch „Starship Troopers“ wurde aktuell ungekürzt mit einer FSK16 durchgewunken und darf ein Tag nach dem Besuch vom Nikolaus völlig frei im Handel verkauft werden. Wer ihn immer noch nicht kennt: KAUFEN! (Englischkundige sollten sich übrigens unbedingt mal die Originaltonspur zu Gemüte führen, denn die deutsche Synchronisation verharmlost so einiges!).

Starship Troopers • USA 1997 • Regie: Paul Verhoeven  • Darsteller: Casper von Dien, Dina Meyer, Denise Richards, Jake Busey, Neil Patrick Harris, Clancy Brown, Seth Gilliam


Starship Troopers

4. Jason X (2001)

Bei wem? Warner Als was? Mediabook (Blu-ray + DVD) Wann? 15.12.

Worum geht’s? Kann man kurz und bündig rüberfaxen: Der ikonische Kino-Killer Jason Voorhees meuchelt sich im Jahr 2455 durch die Besetzung eines Raumschiffs. That’s all, folks!

Prognose: Tja. „Freitag der 13“. Die einen lieben die Reihe, die anderen halten’s für den letzten Scheiß. Beide Parteien haben Recht. Natürlich ist die extrem langlebige Franchise (10 Teile, ein Remake und ein Crossover seit 1980) ganz schön stumpfsinnig, aber angesichts moderner Horror-Franchisen wie „SAW“ – und hier verhält es sich ein wenig ähnlich wie bei „Resident Evil“ und der Konkurrenz – die die Blutwurst mit wirren, endlos langweiligen Schwachsinnsplots ummanteln, mutet die Schlichtheit der „Freitag“-Folgen schon wieder charmant an, zumal ein Teil der Filme – ja, wirklich! – auch besser gemacht sind und man in den späteren Folgen ebenso vor eine ordentliche Portion Witz nicht zurückschreckt. „Jason X“ ist trotz fetter Science-Fiction-Breitseite (Jason mutiert gegen Ende sogar zum gepanzerten Cyborg!) natürlich alles andere als originell, das blutige, dieses Mal ziemlich comichafte Treiben weiß allerdings dank hohem Tempo und dem ein oder anderen gelungenen Gag seine Zuschauer ganz gut über die Ziellinie zu tragen. Wer Filme dieser Art mag, wird halbwegs zufrieden sein (als Bonus schaut Sci-Fi-Horror-Papst David Cronenberg in einem Gastauftritt vorbei). „Jason X“ gab’s 2013 bereits als Double-Feature zusammen mit „Jason Goes To Hell“ auf Blu-ray, das Mediabook ist im Prinzip überflüssig, hat aber das attraktivere Cover – wer also echt so gar nicht weiß, wohin mit dem Weihnachtsgeld…

Jason X • USA/Kanada 2001 • Regie: James Isaac • Darsteller: Kane Hooder, Jeff Geddis, Lexa Doig, David Cronenberg, Marlus Parilo, Jonathan Potts, Lisa Ryder, Dov Tiefenbach


Jason X

… und was gibt’s im TV & Internet?

• Dr. Who, Staffel 10 – ab 06.12.2017, Fox: Muss man nix zu sagen. Oberkult.

• Star Wars Rebels, Staffel 4 – ab 10.12.2017, Disney XD: Muss man auch nix zu sagen. Fans gucken’s eh, der Rest verdreht die Augen.

• Travelers, Staffel 2 – ab 26.12.2017, Netflix: Die zweiten Season der angenehm ruhigen kanadischen Science-Fiction-Mystery-Serie.

The Frankenstein Chronicles, Staffel 2 – ab 27.12.2017, TNT Serie: Die zweite Season der superfinsteren, britischen Serie, die Motive von Mary Shelleys Science-Fiction-Klassiker „Frankenstein“ auf ganze eigene Weise nutzt.

Kommentare

Oooh, ich habe gar nicht mitbekommen, dass eine zweite Staffel Frankenstein Chronicles existiert - Danke! Die Serie ist klasse!

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