25. Juli 2026

„Toy Story 5“ – Kampf gegen Monitore

Der neue Pixar-Film wirkt, als hätte Jaron Lanier am Drehbuch mitgeschrieben

Lesezeit: 3 min.

Widersprüche gab es in der Welt von Pixar schon immer: Auch wenn die Animationsfilme der längst zum globalen Disney-Konzern gehörenden Firma technisch immer aufwändiger wurden, enorme Mengen an Computer-Power verbrauchten, predigten die Filme inhaltlich doch stets ein einfaches Leben, ging es um kleine Gesten zwischen Menschen (oder Spielzeugen), fast schon um eine Rückkehr zur Natur.

Wenn nun der neue Pixar-Film „Toy Story 5“ eine technologiekritische Position einnimmt, wirkt die Ironie besonders frappierend, lässt den an sich etwas simplen Film dadurch aber auch so interessant und zeitgemäß werden. Denn es tut sich etwas, in der Wahrnehmung des Internets, der Smart Phone-Nutzung und besonders der Sozialen Medien, eine Skepsis gegenüber den Folgen dieser Technologien macht sich breit, die manchmal schon in beißenden Spott übergeht. So begann Gore Verbinskis „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ mit einer gut zehn minütigen Tirade gegen die exzessive Handy-Nutzung, gegen Jugendliche, die wie Zombies auf Monitore starten und nichts anderes mitbekamen.

Genau davor hatte Jaron Lanier, einer der Tech-Pioniere des Silicon Valleys, schon vor Jahren gewarnt und in seinem Pamphlet „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ vor den Kraken der Unternehmen gewarnt, die ohne Hemmungen Daten abgreifen und ihre Nutzer mit ausgefeilten Algorithmen süchtig machen und inzwischen erheblichen Einfluss auf die Gesellschaft nehmen.

Die Drehbuchautoren von „Toy Story 5“ scheinen die Worte Laniers (und anderer Autoren) verinnerlicht zu haben, denn die größte Gefahr für die Spielzeuge droht diesmal nicht durch das Älterwerden der Kinder, die bald keine Lust mehr haben mit ihnen zu spielen, sondern durch digitale Gadgets, die jede Aufmerksamkeit der Kinder auf sich ziehen, sie gar zu katatonischen, auf Bildschirme starrende Zombies verwandeln.

So geht es dem Cowgirl Jessie, das hier die eigentliche Hauptrolle übernimmt, während Woody und Buzz Lightyear Nebenrollen einnehmen, was „Toy Story 5“ eher wie ein Spinoff wirken lässt als eine richtige Fortsetzung, aber sei’s drum. Jessie gehört der kleinen Bonnie, die gerne mit ihren Spielsachen spielt, aber keine Freunde hat. Den Grund erkennt Jessie, als sie eines Abends aufs Dach klettert und in die umliegenden Häuser blickt: Nur vom Schein ihrer Monitore beleuchtet sitzen da die Kinder der Nachbarschaft auf den Sofas, nichts anderes im Sinn als ihre digitalen Gadgets. Wer davon – wie Bonnie – keins besitzt, ist sozial ausgeschlossen, eine allzu wahre Erkenntnis, die viele Eltern kennen dürften und auch hier zu einer schwierigen, folgenschweren Entscheidung führt: Bonnie bekommt ein Tablet, ganz in grün und mit Froschohren. Auf einmal ist sie Teil der Kinderclique, vergisst ihr anderes Spielzeug, aber auch sich selbst.

Natürlich wäre Pixar nicht Pixar, wenn nicht auch das digitale Gadget eine gute Seele hätte, denn ganz technologiefeindlich zu werden wäre dann doch etwas zu absurd, gerade in einen CGI animierten Film, der stilistisch makellos, aber auch etwas austauschbar wirkt. Scheinbar hat auch Pixar erkannt, dass ihr längst perfektionierter Stil eine Auffrischung gut vertragen könnte und arbeitet gerade an einem Film, der zwar nicht vollständig handanimiert sein wird, aber zumindest zum Teil auf klassische Weise produziert wird. Immerhin eine kleine Richtungsänderung im Pixar-Kosmos, denn auch wenn „Toy Story 5“ von Jaron Lanier & Co. inspiriert zu sein scheint, die 5 am Ende verrät dann doch, dass der technologie- und kapitalismuskritische Impuls seine Grenzen hat.

Toy Story 5 • USA 2026 • Regie: Andrew Stanton, McKenna Harris • im Kino

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