6. Januar 2020 2 Likes

Heimkino-Highlights im Januar

Neues und Altes jenseits des großen Saals

Lesezeit: 8 min.

Jeden Monat die gleiche quälende Frage angesichts eines Bergs von Neu-Veröffentlichungen: „Was lohnt sich?“ – regelmäßige Hinweise der Redaktion sollen das Leben zumindestens ein wenig leichter machen!

 

1. The Riffs III – Die Ratten von Manhattan (1984)

Bei wem? X-Cess Als was? Mediabook (BD & DVD) Wann? 13.01.2020

Worum geht’s? Erzählt wird von elf Pappaufstellern, die Bezeichnung „Charaktere“ wäre geschmeichelt, welche teilweise schon sehr sonderbare Namen wie Taurus, Video, Lucifer oder Chocolate (exakt, die Darstellerin ist schwarz) tragen. Die Truppe entdeckt während der Reise durch die total verwüstete Erde der Zukunft eine verlassene Ortschaft, in der sich doch tatsächlich der Salon aus Sergio Leones ebenfalls 1984 veröffentlichten „Es war einmal in Amerika“ befindet, der auf die Schnelle noch mal eben kurz für ein weiteres Epos genutzt wurde. Im Salon finden sich jedenfalls Betten, aber auch Ratten, denen anfänglich keine große Beachtung geschenkt wird. Großer Fehler …

Prognose: In „The Riffs III – Die Ratten von Manhattan“ tauchen zwar jede Menge Ratten auf, es handelt sich aber nicht um „The Riffs III“. Der Film hat aber auch rein gar nichts mit den in dieser Rubrik bereits vorgestellten Vorgängern zu zu tun. Stattdessen pegelt sich alles eine Abteilung weiter unten an. Die charismabefreiten Schauspieler lassen den viel gescholtenen Mark Gregory wie Al Pacino aussehen und der von den berühmt-berüchtigten wir-haben-kaum-Geld-aber-machen-einfach-mal-Regie-Superstars Bruno Mattei (im Vorspann als Vincent Dawn aufgeführt) und Claudio Fragasso grob ausgeführte Zusammenbau des Science-Fiction-Tierhorror-Crossovers unterstreicht nachträglich die Qualitäten von Enzo G. Castellari, dessen beide Pseudo-Vorgänger trotz vermutlich nur wenig höherem Budget im Vergleich regelrecht wie geschmeidiges Mainstream-Kino wirken. Die Angliederung an die „The Riffs“-Reihe ist jedenfalls einzig und allein auf dem Mist des damaligen deutschen Verleihs Alemannia gewachsen, der die beiden ersten Filme hierzulande erfolgreich in den Kinos ausgewertet hatte und nach dem Kassensturz wohl händeringend nach einem dritten Teil suchte. Da traf es sich bestens, dass am Anfang von – so der Originaltitel – „Rats – Notti di terrore“ (also „Ratten – Nacht des Terrors“) ein paar Rocker durch die Botanik fahren.


„The Riffs III – Die Ratten von Manhattan“

Dennoch: Man verzeiht den Etikettenschwindel schnell, denn der falsche Fünfziger macht verblüffend viel Spaß. Das liegt zum einen an der typisch unverblümten Vorschlaghammer -Attitüde der beiden Geschmacksterroristen, die es schaffen selbst einem Tierhorrorfilm noch Sexszenen mit männlichen wie weiblichen full-frontal-Köstlichkeiten unterzujubeln, zum anderen daran, dass in diesem Fall eine halbwegs talentierte Crew an Handwerkern zur Verfügung stand, was zur Folge hatte, dass sich das Ganze wenigstens (dennoch) halbwegs sehen (um die Kamera kümmerte sich immerhin der Pasolini-/Visconti-erprobte Franco Delli Colli, Cousin des berühmten Tonino) und hören lassen kann.

Dazu besticht das im Wesentlichen nur an einem Set spielende Rattenepos für selbst für Italo-Horror ziemlich krude, aber dennoch nicht gänzlich uncharmante Ekel-Effekte. Amüsant ist auch der Umstand, dass es sich um einen der wenigen, vielleicht sogar einzigen Tierhorrorfilme handeln, in dem die angeblich so bedrohlichen Tiere gelangweilt in der Gegend rumkrabbeln und bei Angriffen ganz offenbar auf die Darsteller geworfen werden! Außerdem handelt es sich bei den Ratten in einigen Szenen offenbar um angemalte Stunt-Meerschweinchen! Es sind aber gerade mir-doch-egal-Keckheiten dieser Art, die selbst die schundigsten Italo-Genreheuler der damaligen Zeit so enorm vergnüglich machen! Was diese Ausgeburt mediterraner Filmkunst allerdings endgültig zum seit Jahrzehnten immer wieder gerne besprochenen und neu aufgelegten Knaller gemacht hat, ist das absolut unpackbare Gaga-Finale (muss man erleben, kann man nicht beschreiben), bei dem die beiden Zelluloidmarodeure nicht nur dem Wahnwitz freien Laufen lassen, sondern sich endgültig in die Hirne aller Liebhaber des Besonderen bohren.

Eins kann man jedenfalls definitiv attestieren: „The Riffs III“ ist sicherlich alles andere als ein – im traditionellen Sinne – guter Film, aber er ist eben auch kein Film, den man so schnell wieder vergessen wird.

(Dem Mediabook liegt unter anderem ein Booklet-Text von mir bei)

The Riffs III – Die Ratten von Manhattan • Frankreich/Italien 1984 • Regie: Bruno Mattei, Claudio Fragasso • Darsteller: Ottaviano Dell’Acqua, Geretta Geretta, Massimo Vanni, Richard Cross, Ann-Gisel Glass, Jean-Christophe Brétigniere, Fausto Lombardi

 


„Cyber Bride – Bis dass der Tod euch scheidet“

2. Cyber Bride – Bis dass der Tod euch scheidet (2019)

Bei wem? M-Square/daredo Als was? Blu-ray, DVD Wann? 24.01.2020

Worum geht’s? Als seine Frau auf tragische Weise stirbt, bleibt Rick tieftraurig zurück, findet allerdings einen Weg seine Frau als Cyber-Replikat zurückzubringen. Aber wie wir aus einer gefühlten Quadrillionen Filme wissen, ist es grundsätzlich keine gute Idee, der Natur ins Handwerk zu pfuschen und so gibt’s bald auch bei seiner Cyberfrau wenig erfreuliche Fehlfunktionen …

Prognose: Ich tipp auf Müll. Hierbei handelt es sich um einen von insgesamt sieben (!) im Jahr 2019 fabrizierten Filmen einer Britin namens Louisa Warren und es ist bisher nichts, aber auch gar nichts Gutes über ihr Wirken zu lesen, die unterirdischen Trailer geben der Angst vor dem Kommenden dann so richtig Nahrung. Natürlich, aufmerksame Leser dieser Rubrik werden sich jetzt fragen, wieso ich einerseits Billig-Filme wie „The Riffs III“ ans Herz lege, vor Billig-Ergüssen wie diesem aber warne? Des Rätsels Lösung: Man kann über Leute wie Bruno Mattei oder Claudio Fragasso meckern, wie man will, aber beide waren immerhin Handwerker, die ihr Handwerk eben gelernt und noch ganz klassisch fürs Kino gedreht haben. Größere Ambitionen (Fragasso wollte zuerst als Kunstfilmer Karriere machen) wurden halt recht schnell dem schnellen, schnöden Mammon zur Liebe fallen gelassen, was umgekehrt aber halt auch nicht bedeutet, dass man in deren Werk nicht doch dann und wann das ein oder andere faszinierende Bild entdecken, tollen Melodien lauschen oder sich über die ein oder andere What-the-fuck-Idee freuen kann (Tipp: Wer „Riffs III“ mochte, sollte sich auch das Anfang der 1980er-Jahre gedrehte Doppel „Das süße Leben der Nonne von Monza“/“The Other Hell“ nicht entgehen lassen). Und so minimal die Budgets oft waren, man hatte immerhin eins. Als allerdings irgendwann Anfang der 1990er die Videokameras zusehends billiger wurden, ploppten auch Anwender wie Popcorn aus der Schüssel, die dachten, die man ohne alles (Know-how, Ideen, Geld, Hauch von Talent) Filme drehen kann. Das ist durchaus legitim, jeder soll allen Spaß der Welt haben und einer von einer Million hat’s dann tatsächlich auch zu einem tollen Regisseur geschafft. Der springende Punkt ist aber: Die restlichen 999.999 haben mit ihren Anfällen von Größenwahn vor allem Familie oder Freundeskreis belästigt, im schlimmsten Fall wurde die Resultate als eigenhändige kopierte VHS-Kleinstauflage verteilt. Als Anfang der 2000er-Jahre allerdings das weitaus günstiger als VHS zu produzierende DVD-Format allmählich salonfähig wurde, witterten immer mehr Vertriebe die Chance einen günstigen Reibach zu machen und immer mehr Ergüsse, die einstmals zu Recht unter dem Radar einer großen Öffentlichkeit durchgeflattert wären, bekamen eine unverdient große Plattform (nebenbei: hier spricht ein persönlich Betroffener, eine Schauspiel-Jugendsünde der 1990er-Jahre hat dieses Jahr überraschenderweise sogar eine Neuauflage erhalten) – die immer ausgereifteren Online-Vertriebsmöglichkeiten erledigten den Rest. Natürlich ist der Independent-Spirit im Kern lobenswert, nur gibt’s halt nun mal eben schon einen deutlichen Unterschied zwischen der Produktion eines Films und dem schlichten Abfilmen von herumkaspernden Freunden vor Ikea-Möbilar und dieser Differenz sind sich allzu viele nicht bewusst, was ein Übermaß von Veröffentlichungen zur Folge hat, die nun wirklich keiner braucht.

Cyber Bride – Bis dass der Tod euch scheidet • USA 2019 • Regie: Louisa Warren • Darsteller: Rebecca Finch, Andrew Hollingworth, Claudine-Helene Aumord, AJ Blackwell, Penelope Bosworth

 


„Infected – Tödlicher Virus“

3. Infected – Tödlicher Virus (2018)

Bei wem? Lighthouse Als was? Blu-ray, DVD Wann? 24.01.2020

Worum geht’s? Wegen einer globalen Epidemie steckte die US-Regierung vor langer Zeit fast alle Jugendlichen in Quarantäne. Der Kampf gegen die Seuche war zwar erfolgreich, es wurde aber nie herausgefunden, was der Auslöser war. Viele Jahre später wütet ein Serienkiller in der Kleinstadt Sugar Grove, die Polizei ermittelt erfolglos, weswegen die Journalistin Melissa Crawford sich um die Sache kümmern soll. Trotz emsiger Behinderungen der Behörden stößt die Journalistin auf das dunkle Geheimnis der Stadt….

Prognose: Debütfilm des französischen Regisseur Matt Beurois, der zuvor durch Kurzfilme, Dokumentationen oder als Produzent von so knalligen Action-Experimenten wie „Hardcore“ auf sich aufmerksam gemacht hat. Wirklich aussagekräftige Stimmen finden sich noch keine, ich bin allerdings gewillt einen Vertrauensvorschuss zu geben, denn offenbar wird hier das Zombie- mit dem Serienkillergenre verschmolzen, was ja kein uninteressanter Ansatz ist, zum anderen genießen Franzosen immer einen Vertrauensvorschuss bei mir, da in Frankreich der Stil meist schon mit der Muttermild verabreicht wird. Und ich mag Stil.

Infected – Tödlicher Virus • USA/Frankreich 2018 • Regie: Matt Beurois • Darsteller: Guillaume Faure, Ken Samuels, Auregan, Piper Lincoln, Yannick Mazzilli, Karen French, Hadrien Berthaut

 


„The 100“ Staffel 6

… und was gibt’s im TV & Internet?

• Young Sheldon, Staffel 3 – ab 06.01.2020, Pro 7: Die dritte Staffel der im Grunde überflüssigen Spin-off-Serie, die von den Jugendjahren des kultigen Oberexzentrikers Sheldon Cooper („The Big Bang Theory“) handelt.

• The Passage, Staffel 1 – ab 08.01.2020, Pro 7: Serien-Adaption der gleichnamigen Roman-Trilogie von Justin Cronin. Kann man sich allerdings sparen, da bereits wieder eingestellt. Dann lieber gleich die Romane lesen!

• Titans, Staffel 2 – ab 10.01.2020, Netflix: Fortführung der überraschend brutalen, aber leider auch zusehends konfuser werdenden Superheldenserie.

• Treadstone, Staffel 1 – ab 10.01.2020, Amazon Prime: Serienableger des „Bourne“-Franchise, der sich um das aus den Filmen bekannte Treadstone-Programm der CIA dreht, mit dem Agenten zu nahezu übermenschlichen Tötungsmaschinen umprogrammiert werden sollen. Ob man’s braucht? Na ja, die Kino-Reihe hatte mit dem letzten Film überdeutlich unter Beweis gestellt, dass die Luft draußen ist … aber vielleicht rettet ja Showrunner Tim Kring („Heroes“) den Tag?

• The Outsider – ab 13.01.2020, Sky Ticket: Eine weitere Stephen-King-Adaption, die nicht nur dank guter Besetzung (Ben Mendelsohn, Jason Bateman und Paddy Considine) Interesse weckt, sondern auch dank dem Umstand, dass wir es hier mit einer 10teiligen Mini-Serie zu tun haben und knapp ist bei Serien nie verkehrt.

• Rick and Morty, Staffel 4 – ab 15.01.2020, TNT Serie: Finden alle spitze. Wir auch. Pflichttermin.

• The 100, Staffel 6 – ab 16.01.2020, Sixx: … auch hier: Großer Redaktionsfavorit! Spannende, kompromisslose Young-Adult-Serie, die auf den Büchern von Kass Morgan basiert (im Shop), die übrigens von der Serie teilweise erheblich abweichen – ein Vergleich lohnt sich!

• Avenue 5, Staffel 1 – ab 20.01.2020, Sky Ticket: Science-Fiction-Comedy mit Dr. House Hugh Laurie. Könnte was werden, da als Showrunner der schottische Satiriker Amando Iannucci fungiert, der bereits in der Vergangenheit („The Death of Staline“) durch galligen Witz zu begeistern wusste.

• Star Trek: Picard, Staffel 1 – ab 24.01.2020, Amazon Prime: Sequel zu „Star Trek: Nemesis“ und … na ja, was brauch’s noch mehr? Guckmer eh alle.

Großes Bild ganz oben: „The Riffs III – Die Ratten von Manhattan“, X-Cess

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