17. Mai 2017 2 Likes 1

Auf der Suche nach Gott

Ridley Scotts „Alien: Covenant“ ist halb „Alien“ und halb „Prometheus“ – und ziemlich gut

Lesezeit: 3 min.

Als Ridley Scott vor fünf Jahren mit „Prometheus“ zu der Filmreihe zurückkehrte – bzw. zurückzukehren schien –, die seinen Ruhm begründete, waren die Erwartungen vor dem Film ebenso hoch wie danach die Enttäuschung: Nicht genug Aliens, zu viel Philosophie hieß es oft, was am Ende natürlich reine Geschmackssache war. Mit einigen Jahren Abstand betrachtet mag „Prometheus“ zwar immer noch kein großartiger Film sein, aber doch ein sehr achtbarer, der mit dem von Michael Fassbender gespielten Androiden David zudem eine hochinteressante Figur einführte. Dieser David tat das, was Androiden, Cyborgs und andere künstliche Wesen in der Science-Fiction eben so zu tun pflegen: Sich Gedanken über das Wesen der Existenz machen, Fragen nach dem Sinn des Lesens und den Unterschieden zwischen Mensch und Android stellen.

Genau das macht David nun auch im brillanten Prolog von „Alien: Covenant“, nach dem „Prometheus“-Hasser vermutlich sofort das Kino verlassen werden: Zusammen mit seinem Vater, seinem Macher, dem nun etwas jüngeren Peter Weyland (Guy Pearce) sinniert er über seine Existenz nach und formuliert den entscheidenden Traum, der ihn und diesen Film antreibt: den Wunsch, etwas zu (er-)schaffen. Damit ist nicht unbedingt das bloße Fortpflanzen gemeint, sondern ganz allgemein der Schaffensprozess, sowohl der künstlerische, als auch der wissenschaftliche.

Auf einer Forschungsexpedition befindet sich die Covenant (nicht zufällig nach der „Ark of the Covenant“, der Bundeslade, benannt), deren Besatzung auf dem Weg zu einem fernen Planeten ist, wo mit Hilfe von gut 2000 Kolonisten und über 1000 Embryos, eine neue Kolonie gegründet werden soll. Während die Crew schläft, wacht allein der Androide Walter (ebenfalls Michael Fassbender) über das Schiff. Doch wie das im Alien-Kosmos so ist sorgt ein scheinbar zufälliges Ereignis für das Aufwachen der Crew, die fortan ziemlich treu der klassischen Alien-Erzählstruktur folgt: Ein Notsignal wird empfangen, ein fremder Planet angeflogen, eine Erkundungsmission losgeschickt, nun, den Rest kann man sich denken….

Natürlich ist das nichts weiter als die Variation des typischen, man könnte auch sagen klassischen Alien-Musters, doch das zu kritisieren wäre zum einen albern (beschwert sich jemand, das James Bond immer wieder die Welt rettet oder das sich in den Transformers Autos in Roboter verwandeln?) und geht zum anderen am Punkt des Films vorbei. Der ist zwar zum einen klassisches, straightes Spannungskino, mit einigen brillant gefilmten Actionmomenten, vor allem aber der Film eines Mann, der mit seinen 79 Jahren dem Ende seines Lebens immer näher kommt.

Ridley Scott war zwar nie ein Auteur im klassischen Sinne, war nie ein Regisseur, durch dessen Filme sich deutliche inhaltliche Linien ziehen. Scotts Filme schwankten stark mit der Qualität der Drehbücher, denn auch sein stets brillanter Stil konnte nicht immer inhaltliche Schwächen übertünchen. In den letzten Jahren hat Scott wohl nicht zufällig immer wieder zu Projekten ja gesagt, die zumindest unterschwellig von existenzialistischen Fragen durchzogen waren, „Prometheus“ natürlich, aber auch der Moses-Film „Exodus: Gods & Kings“ und nun eben „Alien: Covenant“, der sich auf die Bibel bezieht, auch Shelleys „Ozymandias“, auf den gerade in Amerika immer noch tobenden Streit zwischen Kreationismus und Evolutionstheorie und manches mehr. In Fassbenders Androiden-Doppel kristallisieren sich all die großen Fragen, die Scott hier anreißt: Der Wunsch nach Unsterblichkeit, aber damit einhergehend die Tragik einer Existenz ohne Tod, vor allem aber der Wunsch zu Schaffen, zu kreieren und dabei allerlei Opfer in Kauf zu nehmen.

Dass dieser „Alien“-Film 2104 spielt und damit 18 Jahre vor dem Original, er zudem auf eine Weise endet, die zwar rund ist, aber eine Fortsetzung mehr als erahnen lässt, deutet an, dass Scott mit der Alien-Reihe noch nicht abgeschlossen hat. Man darf gespannt sein, wie die Lücke zwischen den Filmen geschlossen wird und wie die Suche nach Gott für den oder die Androiden weitergeht und vielleicht gar zu einem Ende gebracht wird.

„Alien: Covenant“ startet am 18. Mai im Kino. Abb. © Twentieth Century Fox

Mehrere Alien-Romane gibt es im Shop.

Alien: Covenant • USA 2017 • Regie: Ridley Scott • Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bichir

Kommentare

Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich mir hier den Kinobesuch schenken könne. Jetzt bin ich mir nicht mehr ganz so sicher ...

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