23. Januar 2026

„Lesbian Space Princess“: Beziehungsstress auf Clitopolis

Eine Zukunft in Regenbogenfarben

Lesezeit: 3 min.

Ein etwas zu spät kommender, nichtsdestotrotz charmanter Film. „Lesbian Space Princess“ klingt nach Porno, aber es handelt sich um einen der seltenen Animationsfilme, die Nicht-Heteronormativität thematisieren und die australische Produktion trägt die Regenbogenflagge mit Stolz vor sich her. Subtil geht definitiv anders. Nicht nur schimmert der Himmel des Planeten in den entsprechenden Farben, die beiden Mütter von Space Princess Saira sind die Königinnen des Planeten Clitopolis und auf diesem sind alle lesbisch oder schwul.

Außerhalb von Clitopolis lauern die Bösewichte, genannt Straight White Maliens, eine Anlehnung an den Begriff straight white males (zu dt. „heterosexuelle weiße Männer“). Die waren einst die mächtigsten Wesen im Universum und leiden jetzt unter ihrem Bedeutungsverlust. Die Maliens regen sich gerne auf, palavern über Marvel-Filme, Reddit-Threads und Fantasy-Sammelkarten und kapieren nicht, wieso es mit den Frauen nicht klappt. Leider mutet diese Art der Satire sechs Jahre nach dem Ende von „The Big Bang Theory“ und angesichts aktuellerer Internet-Phänomen wie Andrew Tate oder zahlreicher Auswürfe diverser Politikers des rechten Lagers nicht besonders frisch an (die besten Gags des Films haben dann auch nichts mit dessen geschlechtspolitischen Agenda zu tun).

Die gerade mal 600.000 teure Indie-Produktion ist nicht so progressiv, wie sie meint, „Nimona“ von Nick Bruno und Troy Quane hatte das Einweben von queeren Themen wesentlich eleganter hinbekommen, letztendlich sollte es ja um Normalisierung und nicht um Etikettierung gehen. Um wie viel subtiler sieht man daran, dass „Nimona“ 2023 von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft – obwohl wirklich kein bisschen weniger queer – mit einer Freigabe ab sechs Jahren durchgewunken wurde, „Lesbian Space Princess“ aber wahrscheinlich die Straight White Maliens im Gremium verschreckt hat, denn der darf nicht nur zur Überraschung des Verleihs absurderweise erst ab 16 Jahren gesichtet werden.

Prinzessin Saira gilt jedenfalls als völlige Langweilerin und ist deswegen umso glücklicher, dass sie mit der ultra-heißen Kopfgeldjägerin Kiki zusammengekommen ist. Doch die toughe Kopfgeldjägerin ist schon bald angenervt von der ständig flennenden Stubenhockerin, macht auf die ganz grobe Art und Weise Schluss, wird aber von den Straight White Maliens entführt und über ein Säurebecken gehängt. Sie wollen für Kikis Leben Sairas königliche Labrys. Hierbei handelt es sich um eine goldene Doppelaxt mit unglaublicher lesbischer Macht, die sie brauchen um einen Chick Magnet (dt. eigentlich „Frauenschwarm“, allerdings ist hier tatsächlich ein Magnet gemeint) zu betreiben, der extra aus Schweden geordert wurde, da von der Eigenentwicklung nur Hühnchen angezogen werden („chick“ kann sowohl eine junge bzw. attraktive Frau als auch ein Hühnchen bezeichnen, es wird spannend zu hören, wie die deutsche Synchronisation damit umgeht).

Für Saira die Gelegenheit sich zu behaupten! Sie verlässt in der Hoffnung ihre Freundin wieder zurückzugewinnen mit einem altbackenen, sarkastischen Raumschiff, ihren schwul-lesbischen Safe Space und gelangt in einen seltsamen, befremdlichen Kosmos, in dem sie unter anderen mit einem riesigen Mech in Penisform konfrontiert wird, der mit spermaartigen Salven um sich ballert. Es lauern aber nicht nur Gefahren: Willow, grünhaariges, non-binäres Ex-Mitglied einer Queer-Pop-Band, das jetzt auf einem einsamen Mond haust und auf Inspiration für neue Musik hofft, wird zu einem Weggefährten, verkompliziert aber die Lage. Wobei das Wiedersehen mit Kiki nicht gerade ausfällt, wie erhofft. Doch es geht eh weniger um Beziehungstamtam, sondern um die Reifung der Protagonistin.

Unter der schrillen Oberfläche erzählt „Lesbian Prince Princess“ eine klassische, temporeiche Coming-of-Age-Geschichte mit universellen Anschlussmöglichkeiten: Liebeskummer, Selbstzweifel, Suche nach Identität, Aufbruch – dürften die meisten kennen, zeitlos. Weswegen man dann auch hier wissen will, wie das enorm farbenfroh und liebevoll, im Adult-Swim-anno-2010-Stil gezeichnete, Abenteuer weitergeht, mit dieser sympathischen Prinzessin, die derart hinreißend weinen kann, dass man die Macken des Films gerne mit dem größtmöglich vorstellbaren Besen unter den imaginäre Teppich kehrt.

Lesbian Space Princess (Australien 2025) • Regie: Emma Hough Hobbs, Leela Varghese • Sprecher: Madeleine Sami, Richard Roxburgh • Im Kino

 

 

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