5. Februar 2026

„Return to Silent Hill“ – Das Grauen im Kopf

Christoph Gans kehrt zu seinem Lieblingscomputerspiel zurück

Lesezeit: 3 min.

Auch an dieser Stelle haben wir schon oft über die Versuche Hollywoods geschrieben, Computerspiele für die große Leinwand zu adaptieren, wobei es meist beim Versuch blieb und vor allem das Einspielergebnis weit hinter den Erwartungen zurückblieb. In den letzten Jahren gab es allerdings einige Filme, die kommerziell erfolgreich waren, vor allem „A Minecraft Movie“ und „The Super Mario Movie“ kommen hier in den Sinn, die sicher nicht zufällig auf Spielen mit eher dünner Handlung basieren. Im umgekehrten Fall, also Rollen- oder Shooter-Spielen, die am Computer mit einer ausgefeilten, oft sogar komplexen Handlung überzeugten, fiel die filmische Adaption meist eher durchwachsen aus.

Zu diesen Filmen wurde vor 20 Jahren auch die Adaption des Horror-Thriller-Spiels „Silent Hill“ gezählt, das damals vom französischen Genre-Spezialisten Christophe Gans adaptiert wurde, in einem Film, für den sogar der „Pulp Fiction“-Co-Autor Roger Avary das Drehbuch schrieb. Inzwischen hat diese Adaption, die bei ihrer Premiere eher schlecht wegkam, einen gewissen Kultstatus errungen und gilt als gelungene, die Atmosphäre des Spiels überzeugend auf die Leinwand übersetzende Adaption. Insofern passt es, dass genau dieser Christophe Gans sich nach einer Pause von über einen Jahrzehnt wieder auf den Regiestuhl setzt und eine Art Fortsetzung/Reboot der Gamesreihe inszeniert, die – logischerweise – „Return to Silent Hill“ heißt.

Lose basiert die Story auf der Spielefortsetzung „Silent Hill 2“, die zum ersten Mal 2001 erschien und selbst 2024 als Remake veröffentlicht wurde. Erzählt wird vom Künstler James Sunderland (Jeremy Irvine), der vor einiger Zeit zufällig auf Mary Crane (Hannah Emily Anderson) traf, als diese gerade dabei war, ihre Heimatstadt Silent Hill zu verlassen. Eins kommt zum anderen, James nimmt Mary in seinem Auto mit, bald zieht das Paar zusammen und lebt in Silent Hill. Doch das Glück ist nicht von Dauer, was genau passierte bleibt jedoch lange offen. In der Gegenwart ist James ein schwerer Alkoholiker, der von der Psychologin M (Nicola Alexis) betreut wird. Etwas zieht ihn nach Silent Hill zurück, ein Ort, der inzwischen verwaist scheint, von einer Staubschicht bedeckt, von bizarren Kreaturen bewohnt scheint.

Das in einem Kino Adrian Lynes „Jacob’s Ladder – In der Gewalt des Jenseits“ gespielt wird, darf als hübscher Hinweis auf eine Interpretaionsmöglichkeit des Geschehens verstanden werden, bezog sich Lyne doch auf Ambrose Bierces berühmte Kurzgeschichte „An Occurrence at Owl Creek Bridge“, deren Struktur gern verwendete Inspiration für zahllose Filme war. Doch auch an Hitchcocks „Psycho“ daf man angesichts von Mary Crane denken, ein Name der deutlich an Marion Crane erinnert.

Reich gespickt mit Verweisen an Film- und Kulturgeschichte ist Christophe Gans Return to Silent Hill“ also, dazu passt, dass das Design der Kreaturen von den Bildern des polnischen Künstlers Zdzisław Beksiński inspiriert sind, der selbst ein filmreifes Leben führte.

Erneut werden die vielfältigen Kreaturen, die direkt aus James’ Unterbewusstsein zu stammen scheinen, von Tänzern in bizarren Kostümen gespielt, während so viel wie möglich auf Computereffekte verzichtet wurde. Sehr ansprechend sieht das aus, schafft es dabei vor allem, die Atmosphäre der Spiele überzeugend auf die Leinwand zu bringen. Das sich Christophe Gans für ein ganz bestimmtes der diversen Enden des Spiels entschied, ist nicht zu vermeiden, doch in seinem Versuch, bis zum Ende zahlreiche Interpretationsmöglichkeit offen zu lassen, kommt er der Videospiel-Vorlage näher, als die meisten anderen Adaptionen.

Return to Silent Hill • USA/ F 2025 • Regie: Christophe Gans • Darsteller: Jeremy Irvine, Hannah Emily Anderson, Nicola Alexis • Im Kino

Kommentare

Zum Verfassen von Kommentaren bitte Anmelden oder Registrieren.
Sie benötigen einen Webbrowser mit aktiviertem JavaScript um alle Features dieser Seite nutzen zu können.