„Der Astronaut - Projekt Hail Mary“ – mit guter Laune dem Ende der Welt entgegen
Nach Matt Damon ist diesmal Ryan Gosling fast Alleinunterhalter in einer Andy Weir-Verfilmung
Wie schreibt man eine Fortsetzung, ohne eine Fortsetzung zu schreiben? Ganz einfach: Man variiert das Konzept seines Erfolgsromans. Das zumindest scheint der Ansatz von Andy Weir gewesen zu sein, der 2011 „Der Marsianer“ (im Shop) veröffentlichte, dessen Nachfolger „Artemis“ (im Shop) dann schon deutlich weniger gut wegkam. Anschließend besann sich Weir auf das Konzept seines Debüts, erdachte erneut einen einsamen Raumfahrer, der diesmal nicht auf dem Mars, sondern in den Weiten des Weltalls nicht nur sich selbst retten will, sondern gleich die gesamte Menschheit. „Der Astronaut“ (im Shop) hieß das Ergebnis, das nun verfilmt wurde, klar, denn schließlich hatte es die Verfilmung von „Der Marsianer“ vor einigen Jahren zu zahlreichen Oscar-Nominierungen gebracht.
Matt Damon hatte damals die Hauptrolle gespielt, der stets souveräne Ridley Scott Regie geführt, während das Drehbuch von Drew Goddard stammte. Der hat nun auch „Der Astronaut“ für die Leinwand adaptiert, Regie führt allerdings nicht der eher humorfreie Scott, sondern das für ihre Komödien bekannte Duo Phil Lord und Christopher Miller. Die hatten mit dem „21 Jump Street“-Remake und dem „Lego“-Film großen Erfolg, bevor sie die Möglichkeit bekamen, den „Star Wars“-Film „Solo“ zu drehen – doch während der Dreharbeiten wurden sie gefeuert, dem Vernehmen nach wegen Unstimmigkeiten über den Tonfall des Science-Fiction-Abenteuers.

Woran man im Verlauf der oft zähen zweieinhalb Stunden von „Der Astronaut“ immer wieder denken muss, denn genau hier hakt es immer wieder: Erstaunlich albern, um nicht zu sagen klamaukig läuft die Geschichte des unfreiwilligen Astronauten Ryland Grace (Ryan Gosling) lange Zeit ab, der unbeholfen durch sein Raumschiff stolpert, wo er zu Beginn aufwacht, ohne zu wissen, wie er dort hingekommen ist. Zum Glück ist Grace ein kluger Kopf, der zwar „nur“ Lehrer in einer High School war, aber einst wissenschaftliche Ambitionen hatte. Genau die waren es, die Grace für die Rettungsmission interessant machte, auf der er sich nun befindet, denn nicht weniger als das Überleben der Menschheit steht auf dem Spiel. Ein seltsames Phänomen ist dabei, die Sonne langsam zu verdunkeln, was unweigerlich zum Ende der Menschheit führen wird. Doch es gibt Hoffnung: Zwar sind fast alle Planeten im Universum ebenfalls von dem seltsamen Virus befallen, doch es gibt eine Ausnahme. Der 11,9 Lichtjahre von der Erde entfernte Stern Tau Ceti zeigt keinen Befall und so hat die ausnahmsweise einmal vereinte Erde ein Raumschiff gebaut, mit dem eine Crew zu Tau Ceti fliegen soll, um eine Lösung zu finden.
Doch Grace, der Vertreter der Menschen, ist nicht allein auf der Suche. Bei Tau Ceti trifft er auf ein außerirdisches Raumschiff, mit dem ein seltsames, einer Krabbe ähnelndes, aber versteinertes Wesen, ebenfalls nach Rettung sucht. Rocky tauft Grace seinen neuen Freund, mit dem er via Sprachcomputer bald auch kommunizieren kann.

Gemeinsam sucht das menschlich-außerirdische Duo nach einer Rettung für ihre jeweiligen Planeten, doch worum es eigentlich geht oder zumindest gehen soll, ist die sich entwickelnde Freundschaft zwischen den ungleichen Wesen. Bis sich das allerdings herauskristallisiert, vergeht sehr viel Zeit, in der immer wieder zur Erde gesprungen wird, in Rückblenden die Vorgeschichte erzählt wird, in der die Missionsleiterin Eva Stratt (Sandra Hüller in ihrem ersten großen Hollywood-Film) Grace engagiert und später ins All schickt.
Das ist alles nett anzusehen, aber lange Zeit auch erstaunlich unspannend. Zumal durch Lord und Millers Hang zu Albernheiten verhindert wird, dass sich das Pathos der an sich existenzialistischen Situation einstellt. Das es hier eigentlich um die Rettung der Menschheit geht, kann man angesichts des verspielten Tons schnell vergessen, und wenn dann die Lösung des Problems ganz beiläufig gefunden wird, wirkt das ein wenig verschenkt.
Erst ganz zum Ende gelingen den Regisseuren dann einige spektakuläre Bilder, vor allem aber berührende Momente zwischen den ungleichen Freunden, denen es nun nicht mehr nur um die Rettung ihrer Heimatplaneten geht, sondern um ihre Freundschaft.
Der Astronaut - Projekt Hail Mary • USA 2026 • Regie: Phil Lord & Christopher Miller • Darsteller: Ryan Gosling, Sandra Hüller • im Kino • Abb. © Sony Pictures Germany
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