8. März 2017 2 Likes

Teenage Social Demon Hunters

Ein erster Blick auf das von Fans frenetisch herbeigesehnte Japano-Rollenspiel „Persona 5“

Lesezeit: 3 min.

Klassische Rollenspiele, die sich besonders an der japanischen Manga- und Animetradition orientieren (sogenannte JRPGs), erscheinen in Fernost nach wie vor wie Sand am Meer. Viel zu selten schaffen es allerdings selbst bekanntere Marken, hierzulande richtig Fuß zu fassen und kommerziell Erfolg zu verbuchen. Das hat zur Folge, dass Genre-Fans bei jeder Ankündigung froh sein müssen, wenn es der jeweilige Titel dann tatsächlich auch in Europa in den Verkauf schafft oder im schlimmsten Fall nur über schwierigere Import- und Kompatibilitätswege erreichbar ist.

Die Persona-Reihe gehört zu den JRPGs, die auch bei uns eine gewisse Bekanntheit außerhalb einschlägiger Fanzirkel genießen. Dennoch ist die bevorstehende Veröffentlichung des fünften Teils durch Publisher Deep Silver eben keine Selbstverständlichkeit gewesen, da die Verkaufszahlen sicherlich schon aufgrund des japanophilen Gesamtdesigns nicht unbedingt den Geschmack eines breiteren westlichen Publikums adressiert. 

Doch Persona steht vor allem für etwas, das vielen Produktionen zwischen east und west häufig fehlt, nämlich einer Symbiose aus einer tiefgehenden, melancholisch-heiteren Story, die perfekt mit den Rollenspiel-Elementen harmoniert. Das mag für Neulinge auf den ersten Blick vielleicht befremdlich klingen, doch jeder Teil der Reihe verstand es bisher grandios, speziell mit offenem Visier zu den nicht gerade wenigen Klischees japanischer Rollenspiele zu stehen und aus dem eigenen Konzept trotz so manchem Augenzwinkern eben kein flaches Abfeuern eher befremdlicher bis peinlich berührender Standards werden zu lassen.

Das gilt ebenso für Teil 5, der im Kern seiner Erzählung von den inneren und äußeren Konflikten einer Gruppe Teenager handelt, deren Alltag von einem Doppelleben geprägt ist. Tagsüber führen sie ein normales Leben in Tokio, was vor allem heißt, den Schulunterricht zu besuchen, Freizeit zu gestalten und Nebenjobs auszuüben. Um einer für das Genre konstitutiven japanophilen Fantastik Genüge zu leisten, erleben sie bei Nacht höchst übernatürliche bis magische Abenteuer, indem die Teenager mithilfe ihrer Persona (und natürlich mit guten Absichten) in die Herzen von Menschen eindringen und diese von Dämonen säubern.

Tokio zeichnet sich in Persona als Gesellschaft aus, die Menschen in jedem Bereich ihres Lebens dazu zwingt, Masken zu tragen, um ihre inneren Verletzlichkeiten zu verstecken. Wie der Titel schon andeutet, geht es in der Reihe um Konzepte persönlicher wie sozial konstruierter Identität, die im Wechselspiel Interaktion und Kommunikation jederzeit prägen. Letztlich zielt die Gruppe darauf ab, die vielen situativen Masken der modernen Gesellschaft zu durchblicken und im Sinne einer Coming-of-Age-Entwicklung selbst einen Platz in dieser zu finden. Ein Themenkonzept, das viele Meta-Ebenen eröffnet und gerade damit Persona aus der Masse an JRPGs hervorhebt. Ein weiterer, besonders spielerisch wichtiger Qualitätsmarker in diesem Zusammenhang: speziell der Alltag der Figuren abseits der nächtlichen Kämpfe (inklusive üblicher Genre-Facetten wie Skill-Verwaltung oder Charakter-Entwicklung) wird ebenfalls zum Teil des Gameplays.

Das bedeutet, dass wir beispielsweise im Schulunterricht ebenso aktiv aufpassen müssen, um Prüfungen zu bestehen und die Interaktionen mit anderen Charakteren unser Liebes- und Sozialleben ebenso maßgeblich beeinflussen. Wer Persona spielt, muss sich die Zeit für die jeweiligen Aktivitäten genau einteilen, da das Leben im wahrsten Sinne nicht still steht. Prioritäten bei der Freizeitgestaltung oder der Wahl der Freunde zu setzen, gehört daher genau so zur Story wie wir unsere gesamte Party für die taktisch fordernden Schlachtzüge bei der Eroberung eines Herzens entsprechend präparieren und weiterentwickeln müssen. Deshalb ist Persona kaum etwa mit einem RPG wie Final Fantasy 15 vergleichbar, sondern integriert zu einem wesentlichen Bestandteil Aspekte einer ausgereiften Sozial-Simulation, die wiederum Auswirkungen auf unser nächtliches Treiben haben. 

Ob Teil 5 die bisher schon famosen Ersteindrücke in der finalen Version bestätigen kann, zeigt sich spätestens ab dem 4. April, wenn Persona 5 für PS4 (und sogar die PS3) erscheint. Die unten eingebetteten Trailer vermitteln in aller Kompaktheit schon sehr gut, wohin die Reise gehen wird.

Persona 5 • Atlus/Deep Silver • JRPG

Abb. © Atlus/Deep Silver

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