9. April 2026

„Arco – Eine fantastische Reise durch die Zeiten“ - Mit Optimismus voran!

Zukunft trifft Zukunft

Lesezeit: 3 min.

Sie rollen weiter munter vom Fließband, aber so wirklich hat keiner mehr Bock auf Dystopien – letztendlich leben wir längst in einer. „Arco“, der Debütfilm von Hugo Bienvenu, weiß das. Zwar wird auch hier eine pechschwarze Zukunft aufgefächert, aber es wird eben auch eine Utopie draufgesattelt – der Film erzählt von einer Zukunft, die mit einer Zukunft konfrontiert wird.

Jahr 2075 fühlt sich im Prinzip an wie das Jahr 2026, die Regler wurden nur etwas weiter aufgedreht: Die Umweltkatastrophe beherrscht nun den Alltag, riesige Glocken schützen die Städte gegen Feuerbrünste, Überschwemmungen und Stürme, und um die Kinder kümmern sich nun Roboter, die vermeintlich schwer beschäftigten Eltern schauen in Form von Hologrammen ab und zu mal rein.

Im Jahr 2932 haben die Menschen doch tatsächlich dazugelernt und sich von der Erde zurückgezogen, um ihr eine Chance zur Erholung zu geben. Die Häuser befinden sich auf Stelzen, die bis in den Himmel ragen, Selbstversorgung wird großgeschrieben, man lebt im Einklang mit der Natur und hat die Fähigkeit entwickelt, mit Hilfe von regenbogenfarbenen Capes- und Anzügen und dazugehörigen Kristallen durch die Zeit zu reisen.

Auf Zeitreisen darf Arco nicht gehen, er ist mit 10 Jahren noch zu jung. Doch auch Jungs in der Zukunft sind nach wie vor schwer von Dinosauriern fasziniert, und wenn man die Chance hat, echte Dinosaurier zu sehen, gibt’s natürlich keinen Halt mehr und so klaut sich Arco die Reiseutensilien seiner Schwester. Der Junge landet allerdings nicht in prähistorischer Vorzeit, sondern versehentlich im Jahr 2075 und trifft dort auf das Mädchen Iris, das mit ihrem kleinen Bruder und einem Haushaltsroboter zusammenlebt und auf ein besseres Morgen hofft. Eine Freundschaft entsteht, in deren Verlauf Arco hilft, die Zukunft zu sichern, in die er wieder zurück will. Nicht ganz einfach, denn er hat seinen Kristall verloren, zudem sind ihm drei schräge Gestalten auf den Fersen…

Nicht, dass die ganzen Filmpreise irgendwas zu bedeuten hätten, aber das „Arco“ bis jetzt unter anderem Nominierungen für den Oscar und den Golden Globe eintüten konnte, ist durchaus bemerkenswert, denn Bienvenus Debüt ist im Grunde alles andere als originell, in regelmäßigen Abständen winken die raffinierter erzählten Produktionen des Studio Ghibli aus dem Hintergrund: Es handelt sich um eine kindgerecht aufbereitete, schlichte Öko-Fabel, die – von leicht konservativen Untertönen durchsetzt – sämtliche Stationen abklappert und sämtliche Botschaften formuliert, die man erwartet.

Dennoch: dem regelrecht von der Leinwand quellenden Optimismus, den die in strahlenden, satten Farben getunkten, handgezeichneten Bilder versprühen, kann man sich kaum entziehen – zumal der Film, mit Recht, ehrlich und aufrichtig glaubt, dass in der unendlichen Fantasie der Kinder die einzige Rettung liegt.

Es darf bezweifelt werden, dass „Arco“ in weniger wahnsinnigen Zeiten so große Wellen geschlagen hätte, aber aktuell wirkt die französische Produktion wie ein in LSD getunkter Wohlfühl-Joint zum richtigen Moment.

„Arco – Eine fantastische Reise durch die Zeiten“ • Frankreich 2025 • Regie: Ugo Bienvenu • Sprecher (im Original): Alma Jodorowsky, Louis Garrel, Natalie Portman, Swann Arlaud • im Kino • Abb. © Wild Bunch

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