26. März 2020

Aliens in Russland

Die Fortsetzung „Attraction 2: Invasion“

Lesezeit: 2 min.

Vor drei Jahren beeindruckte der russische Regisseur Fedor Bondarchuk mit seinem nicht nur bildgewaltigen, sondern auch inhaltlich ambitioniertem Science-Fiction-Film „Attraction.“ Ganz wie im großen Vorbild Hollywood legt er nun die Fortsetzung „Attraction 2: Invasion“ vor, die sich – leider – ganz den Mustern des Vorbilds anpasst: Mehr vom Selben, nur größer, lauter und ein bisschen langweiliger.

Erinnern wir uns: Ein riesiges Raumschiff mit seltsamen Tentakeln war plötzlich über Moskau aufgetaucht, eine Alien-Invasion offenbar, doch die Fremden erwiesen sich als durchaus freundlich. Besonders Hakon (Rinal Muchametow), für den das Erdenmädchen Julia (Irina Starschenbaum) ihren Freund Artjom (Alexander Petrow) verließ. Der Fremde erwies sich als sympathischer und friedlicher als der durchschnittliche, xenophobe Russe, was gerade angesichts der russischen Realität eine durchaus progressive Message war.

Am Ende des Films war Julia als einziger Mensch in Kontakt mit der außerirdischen Entität gekommen, eine Tatsache, die sie nun, ein paar Jahre später, zu einer ebenso wichtigen wie umstrittenen Person macht. Ihr Vater, ein hoher General in der Armee, nutzt seine Tochter zu Forschungen, die das Ziel haben, die außerirdischen Technologien für die Menschen nutzbar zu machen. Das hat jedoch Folgen, die eine neue, noch bedrohlichere Invasion von Außerirdischen hervorrufen, die diesmal wirklich das Ende der Menschheit bedeuten könnte.

Ein bisschen „T2“, ganz viel „Independance Day“, dazu lose angerissene Diskussionen über Künstliche Intelligenz, emotionale Maschinen und manch anderes mixt Fedor Bondarchuk zu einem etwas überfrachteten Science-Fiction-Drama. Ohne Kenntnis des ersten Teils fällt es dabei lange Zeit schwer, die Motivationen der Hauptfiguren zu durchschauen, allzu zerfahren entwickelt sich die Handlung.

Das ist umso bedauerlicher, als Bondarchuk enormen visuellen Aufwand betreibt und erstaunliche Bilder inszeniert. Doch auch hier erweist sich letztlich die allzu schematische Handlung hinderlich, lässt sie doch diesmal nicht vergessen, dass die Bilder von Raumschiffen, Zerstörungsorgien,visualisierten Computerwelten sich links und rechts bei bekannten Vorbildern bedienen.

Was bleibt ist dann vor allem das Vergnügen, einen routinierten Science-Fiction-Film zu sehen, der einmal nicht in den Metropolen der westlichen Welt spielt, sondern in Moskau, ein Drama zu sehen, bei dem die Bedrohung der Menschheit einmal nicht durch amerikanischen Einsatz und Militär verhindert wird, sondern durch russische Technologie. Und auch dieses Level an filmischer Qualität muss man ja erst einmal hinbekommen, das deutsche Kino ist dagegen weit entfernt davon, sich an Genrefilme dieser Größenordnung und auch dieser stilistischen Souveränität zu wagen.

„Attraction 2: Invasion“ ist bei Capelight Pictures als DVD, Blu-ray und VOD erschienen.

Attraction 2: Invasion • Russland 2019 • Regie: Fedor Bondarchuk • Darsteller: Irina Starschenbaum, Rinal Muchametow, Alexander Petrow

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