30. Januar 2026

„Elon Musk Uncovered: Das Tesla Experiment“ – Operation am offenen Fahrer

Ein Dokumentarfilm über die haarsträubende Fahrlässigkeit von Tesla und Elon Musk

Lesezeit: 3 min.

Lange Jahre galt „Move fast and break things“ als das Motto des Silicon Valley, bis dann auch die Tech-Götter merkten, dass es in der breiten Öffentlichkeit nicht ganz so gut ankam, dass hier einige selbsternannte Herrscher der Welt Dinge zerstörten, um mit ihren Unternehmen möglichst schnell zu wachsen. Aber bloß weil dieses Motto nicht mehr offensiv verwendet wird, heißt natürlich nicht, dass es nicht doch noch als Antrieb von Unternehmen von Meta über Alphabet bis Tesla gilt.

Gerade Elon Musk, der Chef letzterer Firma, geriert sich – womöglich auch durch etwas zu intensiven Konsum diverser Mittelchen angetrieben – gerne als Visionär und Messias, der besser als der Durchschnittsmensch zu wissen glaubt, was für uns alle das Beste ist.

Wenn er in diesem Sinne seine Milliarden in die Entwicklung von Raketen steckt, die die Menschheit demnächst zum Mars bringen soll, mag das als das sehr teure Hobby des reichsten Mann der Welt abtun. Ganz anders aber, wenn es um einen Autohersteller geht, der in erster Linie Gebrauchsgegenstände produziert, die jeden Tag von hunderttausenden Menschen benutzt werden. Das Problem dabei sind nicht die Tesla-Autos an sich (auch wenn man etwa über den ästhetischen Wert des Tesla-Cybertrucks gewiss streiten kann), sondern um das Versprechen des Autonomen Fahrens.

In der Autofahrnation Deutschland scheint zwar kaum jemand darauf zu hoffen, seine geliebten vier Räder bald nicht mehr selbst lenken zu dürfen, gerade in Amerika, wo lange Strecken und strenge Geschwindigkeitsbegrenzungen Autofahren oft zu einer ermüdend eintönigen Sache machen, hat dieses Versprechen jedoch viele Menschen dazu verleitet, sich einen Tesla zuzulegen – und sich dann auf Musk und die von ihm beworbene Technik zu verlassen.

Und das kann tödlich enden, wie sich in den letzten Jahren immer wieder gezeigt hat. Zwei solcher Todesfälle stellt auch der Dokumentarfilmregisseur Andreas Pichler in seinem Film „Elon Musk Uncovered: Das Tesla Experiment“ vor, einen in Florida, einen in Mecklenburg-Vorpommern. In beiden Fällen schob Tesla die Schuld auf einen angeblichen Fahrfehler, verhinderte aber dennoch die Herausgabe der Daten, die die Autos Millionenfach erheben und zur Entscheidungsfindung verwenden.

Trotz aller Widerstände und des Versuchs, ihr Schweigen zu erkaufen, kämpfen die Angehörigen um die Wahrheit, in den USA hat das in erste Instanz schon zu einem Gerichtsurteil geführt, das Tesla zur Zahlung eines Schadensersatz in Höhe von über 200 Millionen Dollar verurteilt hat. Und das sind Summen, die selbst Elon Musk und sein Unternehmen auf Dauer schmerzen. Dies ist auch eine Summe, die – zufälligerweise – ungefähr dem entspricht, was Musk für den Wahlkampf von Donald Trump ausgegeben hat, der Musk in die beneidenswerte, aber eigentlich natürlich völlig unhaltbare Position brachte, selbst die Menschen entlassen zu können, die innerhalb der amerikanischen Institutionen gegen Tesla ermittelten.

Genau das ist in den ersten Monaten von Trumps zweiter Amtszeit geschehen, genau das war, sagen wir mal vorsichtigerweise vermutlich das Ziel von Musks Einsatz für einen Präsidenten, der inzwischen zunehmend erratisch agiert. Denn die Schlinge um Tesla zieht sich enger zu, vor allem Dank der so genannten Tesla-Files, einem Konvolut von Millionen Datensätzen, mit der ein Whistleblower an die Öffentlichkeit ging, um vor der Fahrlässigkeit zu warnen, mit der Tesla und Musk offenbar ohne Rücksicht auf Verluste den Traum vom Autonomen Fahren vorantrieben.

Zahllose Experten hat Pichler für seinen Film vor die Kamera geholt, die ausführlich und überzeugend beschreiben, wie sehr Musk von seinem Ziel und sich selbst überzeugt agiert, Warnungen in den Wind schlägt und praktisch auf offener Straße, mit den Autos und den Leben von Tesla-Kunden, Experimente durchführt. Dass das erlaubt wird, liegt am laschen Verbraucherschutz in den USA, aber auch an der Rolle, in der sich Musk wohl fühlt: Als Visionär, der Regeln bricht und den Fortschritt vorantreibt. Wie fahrlässig Musk dabei agiert, wird in Pichlers Film auf haarsträubende Weise deutlich. Wer hiernach noch einen Tesla kauft ist selber Schuld.

Elon Musk Uncovered: Das Tesla Experiment • D 2026 • Regie: Andreas Pichler • Dokumentarfilm • ab 30. Januar bei Sky

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