15. April 2016 1 Likes

Leben auf dem Mars

Kim Stanley Robinsons „Roter Mars“ entfaltet das menschliche Drama auf der Bühne unseres Nachbarplaneten

Lesezeit: 2 min.

1976 landeten die amerikanischen Viking-Sonden auf dem Mars und begannen, Bilder zur Erde zu schicken. Kim Stanley Robinson, Jungautor und begeisterter Wanderer, war sofort von unserem roten Nachbarn fasziniert, der ihn an die heimische Sierra Nevada erinnerte. Durch die Mariner-Gräben bis zum Olympus Mons zu wandern, das wär’s! Allerdings wäre das nur auf einem terrageformten Mars möglich – und das wiederum erschien Robinson als eine hervorragende Idee für einen Roman. Nach jahrzehntelanger Recherche begann er 1989 mit dem Schreiben von „Roter Mars“, dem ersten Roman der Marstrilogie, die ihn weltberühmt machte. 

Im Jahr 2026 brechen die ersten hundert Kolonisten, fünfzig Männer und fünfzig Frauen aus unterschiedlichen Ländern, zum Mars auf. Ihr Schiff, die Ares, ist zwar riesig, aber die neunmonatige Reise ist dennoch eine Herausforderung, von Gefahren wie Sonnenstürmen, die die Besatzung bedrohen, ganz zu schweigen. Auf dem Mars angekommen, beginnen die sogenannten Ersten Hundert mit dem Aufbau einer Siedlung auf dem absolut lebensfeindlichen Planeten.

Doch die Hundert sind keineswegs eine homogene Gruppe. Die einen, angeführt vom Physikgenie Sax Russell, wollen den Mars so schnell wie möglich terraformen, die Fraktion um die Geologin Ann Clayborne spricht sich dafür aus, ihn so zu lassen, wie er ist. Der Revoluzzer Arkady Bogdanov will die Befehle von der Erde nicht mehr befolgen und auf dem Mars die erste wirklich freie und gleiche Gesellschaft errichten – notfalls mit Gewalt. Ihm gegenüber stehen Frank Chalmers und Maya Toitovna, die beiden Anführer. Sie haben es sich in ihren Machtpositionen gut eingerichtet und wollen sie natürlich behalten. Der „All American Hero“ John Boone versucht, die unterschiedlichsten Positionen in einer Art „marsianischen Synthese“ zu vereinen. Damit wird er jedoch seinem Freund und zugleich härtesten Konkurrenten Chalmers gefährlich – mit fatalen Folgen. Und Hiroko Ai, die eigenwillige Biologin der Mission, ist mit ihren Anhängern bereits in der Frühphase der Kolonisierung verschwunden, um ihre Vision einer spirituellen Verbindung mit dem roten Planeten zu verwirklichen. Über alledem wacht nach wie vor die Erde, die die Rohstoffe auf dem Mars rücksichtslos ausbeutet. Nach wenigen Jahrzehnten hat sich der Mars in ein Pulverfass verwandelt, das nur noch einen einzigen Funken braucht, um hochzugehen.

Kim Stanley Robinsons „Roter Mars“ hat einfach alles: Abenteuer im Weltraum und die Mühen der Kolonisten ebenso wie Debatten über das Terraforming, soziale Gleichheit und Ökologie. Er ist Politthriller und Space Opera, sozialkritisches Manifest und Zukunftsgeschichte in einem – und gehört damit zu den Romanen, die das eigene Weltbild gehörig durcheinanderwirbeln und erweitern. So muss Science-Fiction sein!

Kim Stanley Robinson: Roter Mars · Roman · aus dem Amerikanischen von Wolfgang Petri · 816 S. · Wilhelm Heyne Verlag · E-Book: 11,99 € (im Shop)

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