21. Februar 2026

Genre auf der Berlinale

Auch die Berlinale kommt nicht am elevated horror vorbei

Lesezeit: 3 min.

Als besonders Genre-affines Festival ist die Berlinale schon seit längerem nicht mehr bekannt. Vor allem ältere Semester erinnern sich noch gerne an die Zeiten zurück, als in einer Nebensektion Hongkong-Actionspektakel gezeigt wurden, meist in Spätvorstellungen im alten Westen der Stadt, Vorführungen, zu denen dann gerne die Angestellten der zahlreichen China-Restaurants am Kudamm kamen.

Saccharine © Charlie Sarroff
Saccharine © Charlie Sarroff

Doch diese Zeiten sind vorbei, wenn sich ein Genrefilm auf die Berlinale verirrt, dann meist einer, der dem modernen Konzept des elevated horrors folgt, also quasi Horror mit Botschaft. So ein Exemplar ist zum Beispiel der australische Film „Saccharine“, in dem die junge, nur ein bisschen pummelige Hana alles daran setzt, dünn zu werden. Eine Freundin empfiehlt ihr eine neue Abnehmpille namens The Grey, die allerdings arg teuer ist. Wie sich herausstellt besteht die Pille aus menschlicher Asche, was Hana, praktischerweise eine Medizinstudentin, dazu verleitet, sich die Mixtur selbst zu besorgen, im Obduktionskurs hantiert sie ja ohnehin an Leichen rum.

Das Ergebnis ist allerdings natürlich zwiespältig: Einerseits wird Hana tatsächlich dünner und damit auch selbstbewusster und beliebter, andererseits plagen sie zunehmend drastische Visionen, die als hübsche Dorian Gray-Variation funktionieren. Nur dass das zunehmend hässlich werdende Gemälde nicht auf einem Dachboden versteckt wird, sondern ein zunehmend fülliger werdendes Wesen Hana auch in der Realität verfolgt. Ein wenig erinnert das an „The Substance“ und funktioniert als Body Horror-Variante ziemlich gut.

Yön Lapsi/Nightborn © Pietari Peltola
Yön Lapsi/Nightborn © Pietari Peltola

Deutlich besser jedenfalls als der finnische Film Yön Lapsi/Nightborn, was sich als „Kind der Nacht“ übersetzen lässt. Seltsamerweise verirrte sich dieser schlichte Horrorfilm in den Wettbewerb, vermutlich weil sich die Story eines Paars – gespielt von Harry Potters bestem Freund Rupert Grint, und Seidi Haarla – das in die finnische Wildnis zieht, dort ein Kind bekommt, das vielleicht ein Troll ist, leicht als Allegorie über eine Mutter verstehen lässt, die sich nicht wie eine typische Mutter verhalten mag.

Monster Pabrik Rambut/Sleep No More © Akiko Ashizawa
Monster Pabrik Rambut/Sleep No More © Akiko Ashizawa

Ähnlich allegorisch will auch der indonesische Film Monster Pabrik Rambut/ Sleep No More“ verstanden werden, der in einem Sweatshop spielt, in dem Perücken hergestellt werden. So übermüdet und ausgebeutet sind die Angestellten, das ihnen im Zustand der völligen Erschöpfung ein ausgesprochen haariges Monster erscheint, quasi die fleischgewordene kapitalistische Gier. Allein schon das für westliche Sehgewohnheiten ungewöhnliche Setting macht diesen Film speziell und sehenswert.

A New Dawn © Yoshitoshi Shinomiya
A New Dawn © Yoshitoshi Shinomiya

Sehenswert im wahrsten Sinn des Wortes ist ohne Frage auch der Animationsfilm „A New Dawn“, des japanischen Regisseurs Yoshitoshi Shinomiya, der in atemberaubenden Bildern eine etwas schlichte Geschichte erzählt. Eine Fabrik für Feuerwerk soll der Gentrifizierung weichen, die Kinder des ehemaligen Besitzers verschanzen sich in dem zum Abriss freigegebenen Gebäude und am Ende explodiert ein Feuerwerk in allerschönsten Farben. Nur 75 Minuten kurz ist dieser Film, aber praktisch jedes Bild wirkt wie ein Gemälde, leuchtet und strahlt und vermischt in einem spektakulären Moment klassische Animation mit Stop Motion-Technik.


Good Luck, Have Fun, Don’t Die © Constantin Film Verleih

Schließlich sei noch auf Gore Verbinskis „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ hingewiesen, eine durchgedrehte, überdrehte KI-Satire, in der die Verdummung der Gesellschaft Anlass für einen Zeitreisenden ist, die Menschheit zu retten. Im Gegensatz zu den anderen erwähnten Filmen kommt dieses Spektakel schon bald ins Kino, dann mehr dazu an dieser Stelle.

Auf einen Film, bzw. gleich eine ganze Trilogie, darf man sich schließlich in einigen Jahren freuen: Die Macher der durchgeknallten „Iron Sky“-Filme haben angekündigt sich nun dem Mars zu widmen, dem roten Planeten, der in „Deep Red“ die Heimat von Weltraum- Kommunisten sein wird….

Kommentare

Zum Verfassen von Kommentaren bitte Anmelden oder Registrieren.
Sie benötigen einen Webbrowser mit aktiviertem JavaScript um alle Features dieser Seite nutzen zu können.