Tipp: Catherine Chidgeys „Das Buch der Schuld“
Eine fiese, literarische Dystopie
Catherine Chidgeys „Das Buch der Schuld“ (im Shop) spielt in einem abgelegenen Kinderheim, wo die 13-jährigen eineiigen Zwillinge Vincent, William und Lawrence leben. Sie leiden an einer rätselhaften Krankheit, machen ihre Übungen, nehmen ihre Medizin, möchten gesund werden und das Heim verlassen, wie viele andere Kinder vor ihnen.
Schluss. Das ist das große Puzzleteil in der Mitte, das auch im Klappentext beschrieben wird, mehr sollte man gar nicht verraten.
Man könnte jetzt sehr viele Titel und/oder Themen nennen, die Chidgey (vielleicht) beeinflusst haben, und ja, Kazuo Ishiguros „Alles, was wir geben mussten“ (im Shop) drängt sich als Vergleich schon allein wegen des ähnlichen Ausgangssettings auf, aber es wäre tragisch, wenn man den Roman deshalb ignorieren würde. Denn jenseits davon hat „Das Buch der Schuld“ eher wenig mit Ishiguro zu tun, steht in vielerlei Hinsicht klassischen britischen Dystopien wie Orwells „1984“ und vor allem Alan Moores und David Lloyds „V for Vendetta“ weit näher.
Und da es ein Puzzle ist, dessen Gesamtbild eben erst nach und nach entsteht, sollte man wirklich früh die Klappe halten und jeden selbst erforschen lassen, was es mit dem Heim und den Kindern auf sich hat. Von „Spaß“ würde ich hier nicht sprechen, aber von Spannung und Lust an Entdeckung. Dass da ein paar Schocks lauern, darf man ruhig sagen, auch, dass es einiges zum Nachdenken gibt. Es gibt keinen „Twist“, sondern ein großes Ganzes, das Sinn ergibt und nachhallt. Eben wie man es von großen Dystopien kennt.
Catherine Chidgey: Das Buch der Schuld • Roman • Aus dem Englischen von Dietlind Falk • Heyne, München 2026 • 480 Seiten • Erhältlich als Hardcover, eBook, Hörbuch Download und Hörbuch Download (gekürzt) • Preis des Hardcovers: 24,00 € • im Shop
Kommentare