30. Januar 2026

„Primate“ – Der Affe ist los

Ein schnörkelloser, sehr reduzierter Horrorschocker im Stile Stephen Kings

Lesezeit: 3 min.

Ein Schimpanse hat Tollwut. So lautet die reduzierte Beschreibung eines durch und durch reduzierten Horrorfilms, der in weniger als 90 Minuten nur das allernötigste an Kontext andeutet, sich statt dessen auf das konzentriert, was einen Horrorfilm auszeichnet: Schockmomente. In diesem Sinne lässt sich Johannes Roberts„Primate“ als gelungener Tier-Horror beschreiben, nicht mehr und nicht weniger.

Auf Hawaii gibt es keine Tollwut schreibt der Autor Adam (Troy Kuster), als er gefragt wird, warum sich sein Schimpanse seltsam verhält. Gibt es natürlich doch, wie wir wissen, denn zum einen befinden wir uns in einem typischen Horrorfilm, zum anderen lieferte eine Texttafel ganz zu Beginn von „Primate“ eine wichtige Information: Hydrophobia ist die Angst vor Wasser, eine Phobie, die seit tausenden Jahren bekannt sei und heutzutage als Rabies, also Tollwut, bezeichnet wird.

Das ist wissenschaftlich zwar nur bedingt korrekt, spielt aber keine Rolle, denn der Punkt ist: Der bald tollwütige Affe hat Angst vor Wasser. Ben heißt das an sich süße Tier, das einst von Adams Frau, einer inzwischen verstorbenen Sprachwissenschaftlerin, ins Haus der Familie geholt wurde, um Theorien über die Lernfähigkeit unserer tierischen Verwandten zu testen.

Wie ein Familienmitglied wirkt Ben also, die jüngere Tochter Erin (Gia Hunter) liebt ihn sehr, auch die ältere, Lucy (Johnny Sequoyah), die über die Ferien zu Besuch ist, hängt an ihm. Ein paar Freundinnen und ein Freund sind auch zu Gast in der ausladenden Villa auf Hawaii, praktischerweise abgelegen, fern der Zivilisation – und mit einem Pool ausgestattet. Dort hinein flüchten sich die Teenager vor Ben, der in seinem Käfig im Garten durch einen Biss mit Tollwut infiziert wurde und nun langsam durchdreht.

Schnörkellos spult Johannes Roberts nun das Programm ab, variiert dabei seine in den Hai-Horror-Filmen „47 Meters Down“ und seiner Fortsetzung erworbenen Fähigkeiten. Von Haien hat er nun auf Affen umgesattelt, wobei im Drehbuch anfangs ein Hund mit Tollwut infiziert war, aber das war dann vielleicht doch ein wenig zu nah an Roberts Inspiration: Stephen Kings „Cujo“ (Im Shop!), bzw. dessen Filmversion (!) zählt dem Vernehmen nach zu den Favoriten des Regisseur. Dass nicht Buch sondern Film Roberts inspirierte merkt man „Primate“ durchaus an. Roberts beschränkt die Figurenzeichnung in den weniger als 90 Minuten seines Films auf das absolut notwendige, kümmert sich statt dessen auf effektive Schockmomente, mit denen er die Gruppe Teenager langsam das Zeitliche segnen lässt.

Auf einer Luftmatratze im Pool haben sich die Teenager zurückgezogen, stets beobachtet vom meist fast apathisch wirkenden Ben, der jedoch empfindlich auf Lärm reagiert. Was sich mit schöner Regelmäßigkeit bei Versuchen zeigt, sich an ihm vorbei zu schleichen: Mal ist es ein Telefon, das im unpassenden Moment klingelt, mal der Fernseher, der wie aus dem Nichts anspringt und mit seinem Lärm den Affen in den Wahnsinn treibt.

Subtexte darf man hier nicht erwarten, ob dieser Affe in seinen Verhaltensweisen irgendwie seinen menschlichen Verwandten ähnelt oder die Menschen, die bald zu brutalen Verteidigungsmethoden greifen, sich zunehmend animalisch verhalten, sind Fragen, die kaum mehr als angerissen werden. Auch der an sich hübsche Drehbucheinfall, eines gehörlosen Vaters (gespielt vom für „Coda“ mit dem Oscar ausgezeichneten Troy Kuster, der tatsächlich Gehörlos ist), der in Gebärdensprache mit dem Schimpansen kommuniziert, wird nur am Rande erwähnt und nicht weiter genutzt.

So begnügt sich Johannes Roberts damit, einen ganz auf das wesentliche reduzierten Horror-Schocker zu inszenieren, der nicht mehr sein will als kurze, kurzweilige Unterhaltung.

Primate • USA 2026 • Regie: Johannes Roberts • Darsteller: Johnny Sequoyah, Jessica Alexander, Troy Kotsur • Im Kino

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