„Stranger Things: Tales from '85“ – In Hawkins kehrt keine Ruhe ein
Ein animierter Spin Off der Erfolgsserie
„It’s called showbusiness, not showshow“ lautet ein berühmtes Zitat über Hollywood, das gut auf den Punkt bringt, worum es am Ende bei Filmen und Serien geht: Geld. Insofern kann man es den großen, mächtigen Spielern in Hollywood kaum verdenken, dass sie einmal erfolgreiche Stoffe melken bis zum geht nicht mehr, auch wenn dabei irgendwann die Marke Schaden nehmen kann. Bestes Beispiel ist Disney, das es mit einem Exzess an Filmen und TV-Spinoffs geschafft hat, selbst einer so scheinbar unverwüstlichen Marke wie „Star Wars“ die Originalität zu nehmen. Ob da nach Jahren des Rumwurschteln noch etwas zu retten ist, wird man in ein paar Wochen sehen, wenn mit „The Mandalorian and Grogu“ zum ersten Mal seit Jahren wieder ein Star Wars-Film im Kino läuft.
Vielleicht hat Netflix ja ein wenig von den Problemen der Konkurrenz gelernt, wenn es darum geht, beliebte, erfolgreiche Stoffe mit Fortsetzungen und Spin Offs am Leben zu erhalten, der erste TV-Ableger aus dem übererfolgreichen „Stranger Things“-Kosmos ist zumindest ordentlich und schafft es Fandienst und Variation unter einen Hut zu bringen, nicht zuletzt weil die kindlichen Helden diesmal animiert sind.

Wie der Titel schon sagt beginnt „Stranger Things: Tales from ‚85“ Mitte der 80er, genauer gesagt zwischen Staffel zwei und drei der Serie, exakt am 10. Januar 1985. Ein paar Wochen sind erst vergangen, seit Elfie das Tor zum Upside Down verschlossen hat. Doch die erhoffte Ruhe ist nur kurz, denn seltsame, unter der Erdoberfläche kriechende Wesen machen jagt auf Schüler. Statt sich zu einer entspannten Dungeons-&-Dragons-Session treffen zu können, müssen Elfie, Mike, Dustin und die Anderen nun also den Kampf gegen die Kreaturen aufnehmen.
Der läuft deutlich zahmer ab, als man es aus der Original-Serie kennt, denn „Stranger Things: Tales from ‚85“ richtet sich an ein jüngeres Publikum. Die Monster aus dem Upside Down wirken weniger gruselig als im Original, wenn überhaupt wird im Off gestorben und auch das düster und bedrohlich wummernde Sound Design wurde zurückgefahren.
Wie ein typischer 80er Jahre Cartoon wirkt die Serie, die animierten Versionen der bekannten Figuren sind gut getroffen, ein wenig überzeichnet vielleicht, aber jederzeit deutlich zu erkennen. (Gesprochen werden sie im Original allerdings nicht von den Original-Schauspielern und – umstrittenerweise – auf Deutsch auch nicht von den Original Synchronsprechern, ein Streit um die Nutzung der Stimmen für die Ausbildung von KI hat manche Sprecher zum Boykott von Netflix veranlasst.)

Der cartoonhafte Look ist ohnehin die größte Qualität der Serie, grelle Farben bestimmen die Palette, leuchtende Himmel, pulsierende Monster, ästhetisch durften die Macher aus dem Vollen schöpfen. Und auch für Musikrechte stand offenbar ein nettes Budget bereit, diverse 80er Jahre Hits von Billy Idol bis Cyndi Lauper sind zu hören, die der Serie das bekannte Retro-Feeling verleihen. Im Gegensatz zu den letzten Staffeln der Originalserie wirkt dieser Spin-Off jedoch angenehm klein, wirken die Bedrohung nicht gleich überwältigend, die Figuren menschlich und vor allem die Länge überschaubar: Brutto knapp unter 300 Minuten dauern die zehn Folgen, zieht man Vor- und Abspann ab, bleiben gerade einmal gut 250 Minuten, eine angenehme Länge, bei der es wieder Spaß macht, sich nach Hawkins zu begeben.
„Stranger Things: Tales from ’85“ macht also vieles richtig, abwarten ob Netflix auch bei den diversen anderen angekündigten Fortsetzungen und Spin Offs die richtigen Lektionen aus den Problemen der Konkurrenz gezogen hat.
Stranger Things: Tales from ’85 • USA 2026 • Showrunner: Eric Robles • zehn Folgen, jetzt bei Netflix
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