1. März 2026

„Pandora“ und „Dance Macabre“

Oldschool Zombie-Horror aus dem Land der Tulpen

Lesezeit: 2 min.

Vor einiger Zeit musste ich während der Arbeit an einem Essay über den niederländischen Horrorfilm feststellen, dass es in den Niederlanden anders als zum Beispiel in den USA oder in Großbritannien keine Horrorfilmgeschichte gibt. Es wurden über die Jahrzehnte lediglich hier und da mal (an den heimischen Kinokassen meist erfolglose) Filme produziert, dafür hat das Land der Tulpen aber über eine rege Amateurfilmszene, die vor allem Kurz- und Mittellangfilme produziert.

Den Stein in Rollen brachte Wim Vink, über den selbst künstliche Intelligenzen nicht viel ausspucken. Soviel ist sicher: Der Mann stammt aus Tiel, war hauptberuflich als Fotograf tätig und der erste, der, noch ein paar Jahre bevor in Deutschland Andreas Schnaas & Co. auf den Plan traten, anfing, No-Budget-Horror auf Super-8 und später dann auf Video zu drehen. Vink kümmerte sich dabei um praktisch alles, ebenso um den Vertrieb. Er vertickerte seine auf VHS-Kassetten gezogenen Filme eigenhändig auch weit über die Landesgrenzen hinaus und das angeblich mit großem Erfolg – meint er zumindest im einzig auffindbaren Interview. Überprüfen lässt sich die Aussage nicht, im Gegenteil, über einen Teil seiner Filmographie wie zum Beispiel der Star-Wars-Hommage „Luke Skywalker Meets the Horror of Darth Vader“ (1989) findet sich absolut gar nichts.

Dank Uploads auf Youtube und anderen Portalen sind aber ein paar Filme zugänglich, weswegen sich Vink in Horrorhausen zum besonders geheimen Geheimtipp gemausert hat. Wie ich finde, nicht zu Unrecht. Natürlich sind das DIY-Produktionen mit 2,99-Gulden-Budget und hemmungslos zusammengeklaubter Musik, die in keinem Moment einen Hehl draus machen, von welchen Regisseuren der Macher zur Entstehungszeit schwer begeistert war, man kann aber kaum leugnen, dass hier jemand am Werk war, der ein gewisses Talent für das filmische Handwerk hat, sich drauf versteht Atmosphäre zu erzeugen und einen gewissen Stilwillen mitbringt, was sich unter anderem dadurch zeigt, dass Vink Dialoge meist nur sehr sparsam einsetzt und eine eigentümliche Faszination an profanen Alltagsmomenten hat.

Kann schon sein, dass ich in der Betrachtung etwas gnädiger bin, da ich mich vor allem in meiner Jugend durch Tonnen an „Fan-Horror“ aus Deutschland oder den USA gequält hab, aber ich würde schon sagen, dass sich ein Angucken der unter diesem Text verlinkten Kurzfilme „Pandora“ (1984) und „Dance Macabre“ (1986) lohnt – es ist halt auch ein herrlich steiler Kontrast zu den Big-Budget-Zombie-Heulern der letzten Jahren. („Pandora“ kommt in der niederländischen Sprachfassung daher, aber die Handlung besticht nicht gerade durch Komplexität, „Dance Macabre“ wurde auf Englisch gedreht.)

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