28. Mai 2026

„Erde, Luft, Feuer, Wasser“: Die Lage ist hoffnungslos – fast

Arthur Snell versucht die Komplexität von Klimawandel und anderen Katastrophen zu erklären

Lesezeit: 3 min.

Man mag denken, dass der Klimawandel vor allem Auswirkungen eben auf das Klima hat, doch dem ist nicht so. Klar, auch einem Laien dürfte klar sein, dass heißere Sommer zu mehr Hitzetoten führen, dass stärkere Stürme zu größeren Schäden führen, dass die immer häufiger auftretenden Hochwasser oder Waldbrände Konsequenzen haben.

Doch das ist nicht die Komplexität, die der britische Autor, Historiker und ehemalige Diplomat Arthur Snell in seinem Buch „Erde, Luft“ Feuer, Wasser“ (im Shop) im Sinne hat. Snell beschreibt in seinem an Wissen enorm reichen, dadurch aber bisweilen oft auch überbordenden, kleinteiligen Buch, welche Folgen der Klimawandel auf geo- und sicherheitspolitische Fragen hat und schon heute zu Hungernöten und Bürgerkriegen führen kann.

Zumindest lassen sich klimatische Gründe als einer der Ursachen etwa für den syrischen Bürgerkrieg anführen, so Snell, denn bevor der Arabische Frühling im Jahr 2011 auch das seit langem vom Diktator Bashar Al-Assad beherrschte Land ergriff, sorgte eine extreme, von 2006 bis 2010 dauernde Dürreperiode dafür, dass Millionen Syrer aus ihren Dörfern in die Großstädte drängten, wo sie den Druck auf die ohnehin nicht allzu stabile öffentliche Ordnung, die Versorgung von Mittellosen, verstärkte und dadurch zu der Instabilität und Unzufriedenheit beitrug, die letztlich auch den Bürgerkrieg auslöste.

Auch der Krieg in der Ukraine hat extreme Auswirkungen auf die Versorgung vieler Staaten im Globalen Süden mit dem lebensnotwendigen Getreide. Denn die Ukraine, schon unter Stalin die Getreidekammer der Sowjetunion, ist einer der wichtigsten Exporteure des Grundnahrungsmittels, doch der Krieg verhindert den Export. Während westliche Nationen genügend finanzielle Mittel besitzen, um solche Ausfälle aus anderen Quellen zu ersetzen (wir erinnern uns, wie schnell sich Deutschland nach Kriegsbeginn von der Abhängigkeit von russischem Gas lösen konnte), ist dies für ärmere Länder des Globalen Süden nicht so einfach möglich.

Unzählige weitere Beispiele für die vielfältigen Folgen des Klimawandels beschreibt Arthur Snell auf rund 380 Seiten, als weitgereister Diplomat und Historiker schöpft er aus eigener Erfahrung, neigt jedoch immer wieder zu betont dramatischen Beschreibungen der aus seiner, aber auch objektiver Sicht, katastrophalen Lage, in die die Menschheit scheinbar unweigerlich abdriftet. Auch wenn man Snell nur in den seltensten Fällen widersprechen mag: Bisweilen hätte man sich gewünscht, der Fokus hätte nicht nur auf der Darstellung der Missstände gelegen, sondern noch mehr auf dem Aufzeigen von Lösungsmöglichkeiten.


Arthur Snell. Foto © privat

Die gibt es zwar auch, so ist es nicht, doch allzu viel Optimismus versprüht Snell nicht, wenn er schreibt: „Die Aufheizung unseres Planeten ist nicht zu stoppen und lässt sich noch viel weniger umkehren. Das bedeutet, dass sich unsere Welt tiefgreifend verändern wird, und zwar noch während der Lebenszeit vieler Leserinnen und Leser dieses Buches.“ Kriege um das Wasser wurden schon vor tausenden Jahren geführt, zukünftig dürfte dieses immer knapper werden, das immer mehr verbrauchte, verschwendete, lebenswichtige Gut, noch rarer werden. Wer die Quellen der Flüsse kontrolliert, kontrolliert auch das Schicksal sämtlicher Bewohner an ihren Ufern, auch einer der Gründe, weswegen China niemals von Tibet lassen wird, entspringen dort doch unter anderem der Gelbe Fluß und der Yangtze, zwei der Lebensadern Chinas.

Ambitionierte Vorschläge, wie die Menschheit den Folgen des Klimawandels entgegenwirken könnte, beschreibt Arthur Snell zwar nicht, wer eine komplexe Darstellung lesen möchte, um zu verstehen, dass die Folgen des Klimawandels noch viel komplexer und dramatischer sind, als den meisten bewusst sein dürfte, sollte dieses Buch lesen.

Arthur Snell: Erde, Luft, Feuer, Wasser. Wie der Klimawandel die geopolitischen Machtverhältnisse neu ordnet • Sachbuch • Aus dem Amerikanischen von Lotta Rüegger, Holger Wolandt • Goldmann, München 2026 • 384 Seiten • Erhältlich als Hardcover und eBook • Preis des Hardcovers: € 24,00 • im Shop

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