Reingeschaut: „Agents of Mystery“ – Dschungelcamp mit UFOs
Eine seltsame südkoreanische Reality–Show geht in die 2. Staffel
Einer der großen Serienhits der letzten Jahre war „Squid Game“ eine fiktive koreanische Serie, in der Teilnehmer zunehmend manipulative Spiele spielten, die sie nach und nach eliminierten. Nicht ganz so lebensgefährlich geht es bei den auch in deutschen Städten immer beliebter werdenden Escape Rooms zu, bei dem eine Gruppe von Freunden oder Fremden Aufgaben lösen müssen, um aus einem Raum zu entkommen. Kooperation ist hier angesagt, miteinander eine Aufgabe lösen, unter Zeitdruck und dem zumindest suggerierten Gefühl, dass das eigene Leben davon abhängt.
Aus diesen Zutaten hat Netflix eine Reality–Show namens „Agents of Mystery“ gebastelt, die nun in ihre zweite Staffel geht. Sechs koreanische Social Media-Persönlichkeiten finden sich in einem Raum zusammen und werden mit einer globalen Katastrophe konfrontiert: Ein Asteroid ist auf der Erde eingeschlagen und hat ungeahnte Katastrophen verursacht, doch wie sich herausstellt, handelt es sich bei dem Asteroiden um ein UFO. Dessen hoch entwickelte Technologie bringt globale Akteure auf den Plan, die gerne Zugang zur UFO–Technologie hätten, doch die befindet sich unter Verschluss.

Für einen kurzen Zeitraum sind die Rechner jedoch zugänglich und genau dann sollen die Kandidaten zuschlagen, doch bevor es richtig losgeht, kracht ein Auto durch die Wand. Damit auch jedem Zuschauer klar wird, dass gerade ein Fahrzeug durch die Wand gefahren ist, blendet die Regie in diesem Moment den Hinweis ein: „Unbekanntes Fahrzeug kracht ins Hauptquartier“. Mit diesem aus Sozialen Medien wie You Tube Shorts oder Tik Tok bekannten Prinzip arbeitet auch diese Serie: Alles was halbwegs wichtig ist, wird nicht einfach nur gezeigt, sondern auch auf das Display geschrieben, könnte ja sein, dass jemand ohne Ton schaut.
Auch visuell wird viel Wert auf Redundanzen gelegt und mehr oder weniger spektakuläre Momente lieber dreimal gezeigt als nur einmal. Wenn da etwa die neue Mitspielerin Gabee vorgestellt wird, die ein Hollywood mäßiges ultra weißes Gebiss vorzuweisen hat, dann wird dieses Gebiss nicht nur erwähnt, sondern zusätzlich mit Standbildern und Display-Texten veranschaulicht.
Aber wer ist überhaupt Gabee? In ihrem Fall handelt es sich um eine südkoreanische Tänzerin und Choreographin, von der in Deutschland vermutlich noch nie jemand gehört hat. Ähnliches darf man wohl über die anderen Teilnehmer wie Lee Yong-jin sagen, ein Komiker und Sänger, oder auch Karina, Sängerin bei der K-Pop-Gruppe Aespa. Etwas bekannter könnte John Park sein, ein US-Koreaner, der einst bei „American Idol“ (wie „Deutschland sucht den Superstar“ eine Lizenz-Variante des britischen „Pop Idol“) das Halbfinale erreichte.

Ein nicht unerheblicher Teil der Sehmotivation dürfte durch die hierzulande unbekannten Teilnehmer daher wegfallen: Es mag ja Menschen geben, die sich das „Dschungelcamp“, „Sommerhaus der Stars“ oder andere Reality-Formate tatsächlich aus unironischdm Interesse an diesem oder jenem „Star“ anschauen, die allermeisten Zuschauer dürften jedoch eher deswegen einschalten, um zu sehen, wie sich C-Promis zum Affen machen.
Dieser etwas zynische Spaß-Faktor fällt bei „Agents of Mystery“ weg, außer man ist tatsächlich ein Spezialist in koreanischer Popkultur. Dann macht es sicherlich noch mehr Spaß zuzusehen, wie sich koreanische Online-Sternchen streiten, Witze reißen und eher banale Aufgaben lösen, die auf paranormale Phänomene verweisen, am Ende aber die üblichen Escape Room-Denkrätsel sind.
Viel Aufwand wurde zwar betrieben, um die Show größer erscheinen zu lassen, als sie eigentlich ist. Nicht nur an einem räumlich reduzierten Ort wurde gedreht, sondern an vielfältigen Locations, am Ende ist „Agents of Mystery“ jedoch genau das, was es sein will: Ein schnell geschnittenes, oberflächliches Reality-Format, das vor allem für K-Culture-Experten von Interesse sein dürfte.
Agents of Mystery • Südkorea 2026 • Teilnehmer: Lee Hye Ri, Lee Yong Jin, John Park, Kim Do Hoon, Karina, Gabee • 9 Folgen, jetzt bei Netflix
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