15. September 2026

„Katzenwiege“ von Kurt Vonnegut

Ein weiterer Klassiker des „Schlachthof 5“-Autors in neuer Übersetzung

Lesezeit: 2 min.

Der amerikanische Schriftsteller Kurt Vonnegut (im Shop) gehört zu jenen Autoren aus dem spekulativen Bereich, die als Brücke zwischen Hochliteratur und Genre fungieren (und an dieser Stelle bitte einfach die Anführungszeichen denken, danke). Vonneguts hochliterarisches Renommee begründet sich natürlich auf seinem bekanntesten und wichtigsten Roman „Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug“ aus dem Jahr 1969, worin er seine persönlichen Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg, dem bombardierten Dresden verarbeitet hat.

Doch auch Vonneguts Romane um „Galapagos“ (über Evolution und Weltuntergang) (im Shop), „Player Piano“ (eine satirische Anti-Utopie) (im Shop) oder „Die Sirenen des Titan“ (über Superreiche, private Raumfahrt und Prophezeiungen) (im Shop) genießen weit über Genre-Grenzen hinaus einen gewissen, einen guten Ruf. Als extrem stilsicherer Satiriker hat Vonnegut eben immer mehr als nur die Genre-Fans abgeholt, erreicht, auf angenehme Weise verwirrt, und auf noch angenehmere Weise begeistert.

Zuletzt sind einige dieser weiteren Vonnegut-Werke als Neuausgaben oder gar Neuübersetzungen bei Heyne erschienen, und dank einheitlichem Cover-Design und einheitlicher Aufmachung, kann man inzwischen eigentlich schon von einer kleinen, feinen Edition sprechen. Jetzt gesellt sich auch noch Peter Torbergs Neuübersetzung von Katzenwiege“ (im Shop) hinzu, das man wiederum als den anderen großen Vonnegut-Klassiker neben „Schlachthof 5“ bezeichnen darf.

Mr. Vonnegut (1922–2007) veröffentlichte „Katzenwiege“, im Original „Cat’s Cradle“, allerdings bereits im Jahre 1963 und damit vor seinem bekanntesten Überwerk um Krieg und Zeitreise. Anno 1964 war „Katzenwiege“ dann sogar als bester Roman für einen Hugo Award nominiert, musste sich allerdings Clifford D. Simaks Buch „Raumstation auf der Erde“ (im Shop) geschlagen geben (was Kurt Vonnegut in jenem Jahr in der äußerst prominenten Gesellschaft von Frank Herbert (im Shop), Robert A. Heinlein (im Shop) und Andre Norton tat).

„Katzenwiege“ handelt von einem Schriftsteller, der über einen der (fiktiven) Väter der Atombombe recherchiert. In kurzen Kapiteln lässt Vonnegut ihn auf Wegbegleiter und Kinder treffen – außerdem erfährt unser Ich-Erzähler von der Substanz Eis IX, welche der Wissenschaftler vor seinem Tod ebenfalls erfunden hat, und die Flüsse, Seen, Moore und Sümpfe sofort trocken legen könnte. Nach diesen äußerst unterhaltsamen Sprüngen durch viele Szenen, Gespräche, Gedanken und Themen, landen wir und der Erzähler auf einer (fiktiven) tropischen Insel, wo sich Nachforschungen und Nachfahren vor der klischeehaften bananrenrepublikanischen Kulisse weiter verstricken, und auch noch eine (ausgedachte) Religion ins Spiel kommt …

Der Roman, übrigens nach der mehrfach im Buch genannten Fadenspiel-Figur betitelt, ist in seinem schrägen Humor, seinem plot-technischen Schneeballeffekt und seiner launigen Erzählweise typisch Kurt Vonnegut, und noch heute sehr vergnüglich – wobei und obwohl die zeitlosen Recherche-Kapitel des Romans vor dem nicht immer ganz so zeitlosen Inseltrip als besonders gelungen bestehen.

Kurt Vonnegut: Katzenwiege • Roman • Aus dem Amerikanischen von Peter Torberg • Heyne, 2026 • 256 Seiten • Erhältlich als Paperback und eBook • Preis des Paperbacks: € 17,00 • im Shop

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Christian Endres berichtet seit 2014 als Teil des Teams von diezukunft.de über Science-Fiction. Er schreibt sie aber auch selbst – 2024 ist bei Heyne sein SF-Roman „Wolfszone“ erschienen.

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