13. Mai 2014

Todesengel kommen ungelegen

James Corey: „Abbadons Tor“

Lesezeit: 3 min.

Arthur C. Clarkes drittes Gesetz stand beim dritten Teil der Expanse-Serie der Autoren Daniel Abraham und Ty Franck sicherlich Pate: Das Protomolekül hat auf der Venus still und heimlich sein Süppchen gekocht, während aller Augen auf das Monster aus „Calibans Krieg“ (im Shop) gerichtet waren. Es errichtet ein gigantisches, rundes Portal jenseits der Jupiter-Umlaufbahn, und Erde, Mars und der Asteroidengürtel entsenden schleunigst Kriegsschiffe zum Ring, um diejenigen zu „begrüßen“, die durch das Portal kommen könnten. Auch James Holden, Captain der Rosinante, ist mitten im Geschehen: er fliegt ein Fernsehteam zum Ring, nicht ahnend, dass er dadurch einer gefährlichen Gegnerin genau in die Hände spielt, die ihm eine von langer Hand geplante Falle gestellt hat. Doch der Plan geht nicht auf, denn Holden steuert die Rosinante geradewegs durch das Portal – und erlebt auf der anderen Seite mehr Clarksche Magie, als er sich je hätte träumen lassen …

James Corey: Abaddons TorDas ist, im Vergleich zu „Leviathan erwacht“ und „Calibans Krieg“, auch gleich die große Neuerung im Expanse-Universum: Der Schauplatz wird in den Raum außerhalb unseres Sonnensystems verlagert. Wohin genau bleibt dabei ein Geheimnis, ist aber zunächst nicht weiter relevant. Zwei, drei Fragen nach den Erzeugern des Protomoleküls werden an diesem Ort von einer verwaisten Alien-Station mit schier unvorstellbaren technischen Möglichkeiten beantwortet, aber mindestens ebenso viele neu gestellt. Auch in „Abbadons Tor“ greifen Abraham und Franck auf die bewährte Erzählstruktur zurück: Neben unserem alten Bekannten Jim Holden erzählen die Attentäterin Melba Koh, die Geistliche Anna und APO-Mann Bull. Interessant und auf den ersten Blick nicht passend erscheint die Geistliche, die sich allerdings nicht nur durchzusetzen vermag, sondern obendrein „Abbadons Tor“ um die ein oder andere interessante philosophische Idee rund um die Existenz von Aliens erweitert.

Neben der bei Corey üblichen Aufteilung der Handlung auf eine politische und eine Action-Ebene ist es hier gerade die Intrige Melba Kohs, die sich gegen Holden richtet, die die Spannung kontinuierlich aufrecht erhält – zumindest bis zu dem Punkt, an dem die vollautomatische außerirdische Station ins Spiel kommt. Als die beschließt, in den fremden Schiffen eine Gefahr zu sehen (und hier erklärt sich der Titel: Abbadon ist in der Offenbarung des Johannes der nicht ganz unproblematische Engel der Vernichtung), kommt es auf allen Raumern zur Katastrophe, und die Menschen müssen versuchen, entgegen aller politischer Überzeugungen zusammenzuarbeiten, um den Weg nach Hause anzutreten. Klar, dass das nicht jedem verbissenen Hardliner gefällt.

Das größte Problem ist also nicht das außerirdische Molekül, sondern – wie immer – die Menschheit selbst, die es gerade mal so schafft, zusammenzuhalten, wenn es ernst wird. Keine neue Botschaft, die Franck und Abraham hier verkünden, aber vorgebracht in einer Story, die dafür sorgt, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Und mehr will ich von einer Space Opera auch gar nicht!

James Corey: Abaddons Tor • Roman • Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski • Wilhelm Heyne Verlag, München, 2014 • 622 Seiten • € 11,99 (im Shop)

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