6. Mai 2026

„The Boys – Staffel 5“ – Satire in einer absurden Welt

Die letzte Staffel der Erfolgsserie

Lesezeit: 3 min.

Manchmal entscheidet nicht einfach nur die Qualität einer Serie über ihren Erfolg, sondern schlicht und ergreifend das Timing. Als die erste Folge der Superhelden-Satire „The Boys“ im Juli 2019 veröffentlicht wurde, befand sich das MCU und mit ihm das Superhelden-Kino auf dem Höhepunkt, nicht unbedingt künstlerisch, aber definitiv kommerziell: Zwei Monate zuvor hatte „Avengers: Endgame“ Rekorde gebrochen, dazwischen lief auch „Spider-Man: Far from Home“ spektakulär, so sollte es weitergehen.

Da kam eine Serie, die sich mit den dunklen Aspekten des Superheldentums beschäftige gerade recht, eine Serie, in der die Helden Schurken waren, in denen der Kollateralschaden, den die gigantischen Schlachten der MCU und DC-Filme verursachten, nicht kurz erwähnt wurden, sondern im Mittelpunkt standen, in der die Helden nicht für das abstrakt Gute kämpften, sondern für einen Konzern – und vor allem für sich selbst. So wurde die Superhelden-Satire „The Boys“ zu einem überdrehten, blutigen Erfolg, der natürlich nach Fortsetzungen verlangte.

Sieben Jahre später, im Mai 2026 hat sich die Welt erneut verändert, was es für die finale fünfte Staffel von „The Boys“ umso schwieriger macht, zu einem durch und durch befriedigenden Ende zu finden. Was zwar auch an den üblichen Problemen einer lange laufenden Serie liegt, die weniger aus ästhetischen, den aus kommerziellen Gründen lieber eine Staffel zu lange, als zu kurz läuft, vor allem aber an der absurden Welt, in der wir inzwischen leben.

2019 sehnte Amerika (und die Welt) das Ende der ersten Amtszeit Donald Trumps herbei und hoffte, dass es danach ein wenig gesitteter und auch normaler weitergehen würde. Doch die Biden-Ära erwies sich nur als kurzes Durchschnaufen, bevor Trump im Januar 2025 erneut Präsident wurde und nun so freidrehend agiert, dass eine satirische Serie Mühe hat, die Absurdität der Realität zu toppen.

Wenn sich da in „The Boys“ etwa die an Superman angelehnte Figur Homelander mit Gott vergleicht, ist das zwar lustig. Doch die Veröffentlichung der Folge war zufällig zwei Tage nach dem sich Donald Trump in einem bizarren KI generierten Bild mit Jesus verglich, was dann selbst den Papst zu einer Reaktion provozierte.

In dieser absurden Welt eine Satire zu drehen, die die Absurdität der Realität noch toppt, ist also fast unmöglich. Auch deswegen fühlt sich die finale „The Boys“-Staffel dann auch fast wie eine Dokumentation an – nur etwas blutiger. Showrunner Eric Kripke lässt sich zu Beginn der Staffel zwar sehr viel Zeit, um die Konflikte auch für Neueinsteiger verständlich zu machen, spart dabei aber nicht an der brutalen, exzessiven Action, für die die Serie bekannt und berüchtigt ist.

Denn die Helden von „The Boys“ haben zwar die üblichen Superkräfte, verhalten sich aber alles andere als heldenhaft und vor allem nicht altruistisch. Der Vought-Konzern hat mit seinen Superhelden – darunter Homelander – die Macht über die Erde übernommen und einen Marionetten-Präsidenten installiert. Bekämpft werden sie von Billy Butcher (Karl Urban), der mit seinen Boys das Gute repräsentiert – mehr oder weniger. Mittels eines Superhelden tötenden Virus wollen sie die Ordnung wiederherstellen, was naturgemäß nicht ohne ein erhebliches Maß Chaos abläuft.

Dass das Gute einfach so siegen wird, steht jedoch nicht zu befürchten, das wäre dann doch ein bisschen zu viel Optimismus für eine Serie, der es über fünf Staffeln gelang, den Zeitgeist einzufangen, die zunehmende Absurdität unserer Welt satirisch zu überhöhen und die nun pünktlich dann endet, wenn selbst die Fiktion nicht mehr absurder sein kann als die Realität.

The Boys • USA 2026 • Showrunner: Eric Kripke • Darsteller: Karl Urban, Antony Starr, Jack Quaid, Erin Moriarty • Amazon, letzte Folge am 20. Mai • Abb: Amazon Prime

Kommentare

Zum Verfassen von Kommentaren bitte Anmelden oder Registrieren.
Sie benötigen einen Webbrowser mit aktiviertem JavaScript um alle Features dieser Seite nutzen zu können.