28. Juni 2019 1 Likes

Eine Libelle auf dem Titan

Die NASA will 2026 eine fliegende Drohne auf den größten Saturnmond schicken

Lesezeit: 2 min.

Lange Zeit galt der Saturnmond Titan als der größte seiner Art im Sonnensystem. Dann kam 1980 die Raumsonde Voyager 1 vorbei. Ihre Daten zeigten, dass der Jupitermond Ganymed größer ist – Titans dichte Atmosphäre hatte die Forscher auf der Erde in die Irre geleitet. Egal, wie gut unsere Teleskope sind, sobald wir hinfliegen und nachsehen, und sei es „nur“ durch die Kameras und Sensoren von Sonden, lernen wir auf einen Schlag so viel mehr über die Planeten und Monde unseres Sonnensystems. Titan ist dabei von besonderem Interesse: Er ist der einzige Mond im Sonnensystem, der eine Atmosphäre hat. Die besteht zum größten Teil aus Stickstoff und bildet Wolken, aus denen Methan-Regen fällt, der Meere, Seen und Flüsse füllt, die inmitten von Sanddünen und bei durchschnittlich -179°C steinhart gefrorenem Wassereis liegen – und gleicht damit unserer Erde vor Milliarden von Jahren. Titan erscheint uns, so fasste es die Planetenwissenschaftlerin Elizabeth Turtle vom Johns Hopkins Applied Physics Laboratory zusammen, geradezu unheimlich vertraut für eine Welt, die so weit von der unsrigen entfernt ist.


Die Oberfläche des Titan, 2005 aufgenommen
von der Huygens-Sonde der ESA

Gerade wegen dieser Ähnlichkeiten bekam Turtles Projekt gestern von der NASA grünes Licht: Eine flugfähige Drohne namens Dragonfly soll 2026 zum Titan aufbrechen. Sobald die „Libelle“, die etwa so groß wie ein Rasenmäher ist, 2034 den Saturnmond erreicht hat, wird sie per Ballon abgesetzt. Danach kann sie sich auf vier Rotoren, angetrieben von einem Radioisotop-Generator, in einer Höhe von bis zu vier Kilometern fortbewegen und dabei nicht nur Atmosphäre und Klima untersuchen, sondern auch nach einem geeigneten Landeort Ausschau halten. Dank der geringen Schwerkraft, der dichten Atmosphäre und der relativ geringen Windgeschwindigkeiten herrschen auf dem Titan geradezu ideale Flugbedingungen. Sobald sie einen interessanten Platz erspäht hat, setzt Dragonfly auf, nimmt Bodenproben und analysiert sie. Dank eines Seismometers kann die Drohne auch ins Innere des Mondes lauschen, wo Wissenschaftler einen Ozean aus Wasser vermuten. Im Vordergrund steht jedoch die Suche nach Leben. Die Bausteine dazu finden sich auf dem Titan in Hülle und Fülle – wie einst auf der Ur-Erde. Die Chancen, dass Dragonfly tatsächlich auf Lebensformen stößt, stehen hier so gut wie auf keinem anderen Himmelskörper in unserem Sonnensystem. Wie gut, dass wir endlich hinfliegen, um nachzusehen!

Mehr Informationen rund um Dragonfly finden Sie auf dragonfly.jhuapl.edu.

Titelbild: Dragonfly Mission Overview © Johns Hopkins APL

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