3. Januar 2019

Roter Mond

Die chinesische Raumsonde Chang’e 4 ist auf der „dunklen Seite“ des Mondes gelandet!

Lesezeit: 2 min.

Das neue Jahr ist noch keine Woche alt, schon haben wir ein zweites Weltraum-Highlight zu feiern: Die Landung der chinesischen Raumsonde Chang’e 4 auf der erdabgewandten Seite des Mondes! Nach langem Warten verkündete das chinesische Staatsfernsehen heute Morgen gegen 5 Uhr unserer Zeit, dass das gewagte Manöver geglückt sei und Chang’e 4 im Von-Kármán-Krater in der lunaren Südpol-Region.

Der Mond dreht sich in rund 27 Tagen einmal um seine eigene Achse, und er braucht auch fast genauso lange für einen Umlauf um die Erde. Darum bekommen wir immer nur eine Seite unseres Satelliten zu sehen. Während auf dieser Seite bereits Menschen gelandet sind, ist die erdabgewandte Seite für jede Form der Erforschung eine schwer zu knackende Nuss: Der Mond selbst blockiert den Funkkontakt zwischen uns und unseren Rovern, Raumsonden oder –schiffen (es ist also weniger die dunkle Seite des Mondes denn vielmehr die stille Seite). Zur Missionsvorbereitung hat China deswegen im Mai 2018 den Kommunikationssatelliten Queqiao (zu Deutsch etwa „Elstern-Brücke“) zum Erde-Mond-Lagrangepunkt 2 geschossen, von wo aus er sowohl die abgewandte Mondseite als auch die Erde „im Blick“ behalten kann.


Der Von-Kármán-Krater (Bild: Lunar Reconnaissance Orbiter, NASA)

Chang’e wird jetzt damit beginnen, die wissenschaftlichen Instrumente startklar zu machen, Experimente durchführen und die Daten dann über Queqiao nach Hause zu schicken. Neben vier Instrumenten auf der Sonde (zwei Kameras, ein Niederfrequenzspektrometer und das „Lunar Lander Neutrons and Dosimetry“ zur Suche nach Neutronen von der Uni Kiel) hat Chang’e auch einen Rover im Gepäck, der wiederum eine Panoramakamera, ein Bodenradar, ein Infrarot-Spektrometer sowie den „Advanced Small Analyzer for Neutrals“, der die Auswirkungen des Sonnenwindes messen soll, aus Schweden an Bord hat. Damit kann sich Chang’e 4 seine Umgebung ganz genau ansehen, Bodenproben analysieren und nachsehen, was sich unter seinen Füßen befindet. Unter anderem wollen die Wissenschaftler erfahren, warum die beiden Mondseiten so unterschiedlich sind: Auf der erdzugewandten Seite beherrschen vor allem die großen „Maria“, die Mond-Meere, die offenbar vulkanischen Ursprungs sind, das Bild, die auf der abgewandten Seite nicht vorkommen.

Darüber hinaus hat Chang’e 4 auch biologische Experimente an Bord: Seidenwürmer, Tomaten und Kresse. Ob und wie sie unter lunaren Bedingungen gedeihen, könnte einer der Grundsteine für eine permanente Mondbasis werden. Und wir dürfen uns hoffentlich bald über spektakuläre Bilder freuen: der Von-Kármán-Krater liegt inmitten des Südpol-Aitken-Beckens, einem der größten Einschlagkrater in unserem Sonnensystem, das einen Durchmesser von unglaublichen 2.500 Kilometern hat und rund 12 Kilometer tief ist.


Das erste Bild von der Landestelle (CNSA)

Chang’e 4 war für China der nächste Schritt bei seiner robotischen Erforschung des Mondes. Der nächste wird Chang’e 5 sein, dessen Lander mit einer Bodenprobe wieder zur Erde zurückkehren soll. Momentan sieht es allerdings nicht so aus, als würde die Volksrepublik in Bälde einen Menschen auf dem Mond landen lassen: stattdessen will man sich darauf konzentrieren, bis 2020 eine funktionierende Raumstation im niedrigen Erdorbit zu bauen.

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