11. Mai 2017 2 Likes 3

Leicht entflammbare Endzeit

„Fireman“: Der neue Roman von Bestseller-Autor Joe Hill

Lesezeit: 3 min.

Die meisten wissen inzwischen, dass Joe Hill (im Shop) der Sprössling von Autorengott Stephen King (im Shop) ist. Wer das weiß, hat in der Regel aber auch mitbekommen, dass der 1972 geborene Sohn der Horror-Legende sich mit seinen in „Black Box“ gesammelten Kurzgeschichten, Romanen wie „Blind“ oder „Christmasland“ und der Comic-Serie „Locke & Key“ selbst einen Namen als Horror-Autor gemacht hat, der mit dem Bram Stoker Award, dem World Fantasy Award, dem Eisner Award, dem British Fantasy Award, dem Thriller Award und dem International Horror Guild Award ausgezeichnet wurde. Mit seinem neuesten Roman „Fireman“ (im Shop), der im englischen Original die Bestsellerliste der „New York Times“ anführte, bereits für eine Verfilmung vorgesehen ist und seit Anfang Mai auf Deutsch bei Heyne vorliegt, legt Hill nun seinen ersten endzeitlichen Science-Fiction-Roman vor – und setzt das Subgenre ideenreich in Flammen, während er die moderne Zivilisation abfackelt.

Aus Sicht der hilfsbereiten, willensstarken Krankenschwester Harper beschreibt Hill, wie die Menschheit von einer Sporenplage in die Knie gezwungen wird. Wer sich den Pilz einfängt, erkennt das erst an schwarz-goldenen Streifen auf der Haut, die immer auf ein bestimmtes Ende hinauslaufen: Patienten, die sich mit Draco Incendia Trychophyton angesteckt haben, verbrennen am Ende sich selbst und alles in ihrer Nähe. Durch die katastrophale pyromantische Flammenseuche, die Amerika heimsucht, verliert Harper ihre Ehe und ihr bisheriges Leben. Allerdings bewahrt sie der so genannte Fireman, der die Feuerkrankheit anscheinend zu beherrschen gelernt hat, vor Schlimmeren und bringt Harper in ein gut verborgenes Camp. Dort verstecken sich viele Infizierte vor ihren Häschern, die der Seuche mit Verfolgung und Auslöschung Einhalt gebieten wollen, wohingegen sie im Camp die Flammen regelrecht willkommen heißen und akzeptieren. Außerdem wird das Lager mit strenger Hand geführt, sodass es nicht lange dauert, bis es für Harper erneut heiß hergeht …

Letztlich bedient Joe Hill mit seinem bis dato dicksten Werk, an dem er vier Jahre gearbeitet hat, nicht nur das endzeitliche Genre, sondern gleich auch noch das dystopische. Gespeist ist sein üppiger Ausflug in diese rege besuchte Ecke der zeitgenössischen Science-Fiction-Literatur von großen, erfolgreichen Autoren wie Ray Bradbury, J. K. Rowling und, natürlich, Stephen King, der mit „The Stand“ einst ebenfalls ein umfangreiches Endzeit-Epos verfasst hat – Hill sagt mittlerweile, dass es für ihn nach all den Jahren angenehmer ist, die Fußspuren seines berühmten Vaters bewusst zu durchkreuzen, anstatt sie mühsam und verkrampft zu umgehen. Dazu kommt, dass „Fireman“ mehr noch als „Christmasland“ deutlich macht, zu welcher Generation Hill gehört. Jener Generation Autoren nämlich, um die herum das Geektum respektabel und salonfähig wurde, weshalb sie letztlich aus dem Herzen ihres eigenen Geek-Königreichs schreiben, das sie mit vielen anderen teilen, die Feuer und Flamme für dieselben Dinge sind. Im Fall von „Fireman“ sieht man das an jeder Menge Anspielungen und Referenzen auf Mary Poppins, Captain America, The Walking Dead (im Shop), die Transformers und vieles mehr.

Joe Hill verbrennt seit „Teufelszeug“ unterwegs eigentlich immer etwas zu viel Papier und dürfte gerne mal wieder einen etwas dünneren Roman schreiben – trotzdem bietet „Fireman“ das innovativste und fantastischste Endzeit-Szenario seit Langem. Wer die üblichen Beschränkungen und Bedingungen leid ist, wenn es um den Untergang der heutigen Zivilisation geht, und auf dicke Wälzer mit einem hitzigen Hauch von Dystopie steht, dürfte am Ende höchstwahrscheinlich zu den vielen Lesern gehören, deren Lesedurst Mr. Hill mit seinem „Fireman“ problemlos zu löschen vermag.

Joe Hill: Fireman • Aus dem Englischen von Ronald Gutberlet • Heyne, München 2017 • 958 Seiten • E-Book: 13,99 Euro (im Shop)

Kommentare

Wird seine bald erscheinende Kurzgeschichtensammlung "Strange Weather" denn auch bei Heyne veröffentlicht werden? Fand "Black Box" damals ziemlich gelungen.

Bild des Benutzers Die Redaktion

Der Heyne Verlag hat diese Storysammlung derzeit noch in Prüfung.

Okay, dann hoffe ich mal auf eine positive Entscheidung. Danke für die Antwort.

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