25. Juni 2026

„Supergirl“ – Girl of the Galaxy

Chris Gillespie lässt seine Superhelden Saufen, Fluchen und Töten wie die Jungs …

Lesezeit: 3 min.

In Zeiten des Internets ist es immer schwieriger geworden, einen Film ohne allzu viel Vorwissen zu sehen: Trailers verraten meist zu viel, der Versuch, Aufmerksamkeit zu generieren sorgt für Vorberichte und News, die die gewünschte Richtung der Wahrnehmung vorzugeben versuchen, was durch gestreute Meinungsäußerungen nach Premieren und frühen Screenings noch verstärkt wird. Unweigerlich werden so die eigenen Erwartungen beeinflusst, was dann, wenn man den betreffenden Film schließlich selbst sieht, zu interessanten Überraschungen und Enttäuschungen führen kann.

So wie bei Craig GillespiesSupergirl“, dem zweiten Film im von James Gunn betreuten DC-Universum, das letztes Jahr mit Gunns eigenem, überraschend guten „Superman“-Film begann. Ganz am Ende hatte auch die australische Schauspielerin Milly Alcock als Supergirl einen kurzen Auftritt, nahm den kleinen Hund Krypto mit und stolperte angetrunken von dannen.

Ein Jahr später kommt nun ihr eigener Film in die Kinos, der meist nichts gutes verheißende Gerüchte von Nachdrehs, zahllosen Testvorführungen und diversen ausprobierten Enden vor sich herschiebt. In den letzten Tagen bemühte sich Regisseur Craig Gillespie darum, seinen ersten Ausflug ins Superheldengenre als düstere Story zu promoten, die mehr mit dem „Mad Max“-Kosmos gemein habe als mit dem typischen selbstironischen James Gunn-Superheldenkino voller heißer Needle Drops. Sogar von einer „True Grit“-Version im Weltraum war die Rede, in Anlehnung an den John Wayne-Film, in dem der Duke als alternder Held ein junges Mädchen bei ihrem Rachefeldzug gegen die Mörder ihres Vaters begleitet und beschützt.

Durchaus vielversprechende Referenzen, doch das Ergebnis ernüchtert und erweist sich als Superheldenfilm von der Stange, der so betont anders sein will, das er am Ende keine eigene Identität entwickelt. Dabei halten sich Gillespie und seine Drehbuchautorin Ana Nogueira recht genau an den erfolgreichen Comic „Supergirl: Woman of Tomorrow“ Tom King und Bilquis Evely. Auf einem Planeten mit roter Sonne, auf dem ihre Superkräfte nicht funktionieren, weswegen Alkohol Wirkung entfaltet, versucht Supergirl den Verlust ihrer Eltern in Whiskey zu ertrinken. Da taucht in der Bar ihrer Wahl das junge Mädchen Ruthye (Eve Ridley) auf, deren Eltern gerade vom finsteren Krem von den gelben Hügeln (Matthias Schoenaerts) ermordet wurden. Und nun hat Ruthye Rache geschworen und sucht einen Mitstreiter. Zunächst lehnt Supergirl zwar ab, doch nachdem Krem ihren Hund Krypto vergiftet hat und mit dem Gegengift verschwindet, willigt sie ein.

Dass Supergirl vom Wünsch, ihren Hund zu retten angetrieben wird, verrät schon einiges über einen Film, der sich selbst für das in den letzten Jahren ja nun nicht allzu hohe erzählerische Niveau des Superheldenkinos bemerkenswert flach entwickelt. Ein paar Rückblenden erzählen vom Ende Kryptons, dass sich Krem und seine Schergen als Sklavenhändler junger Mädchen erweisen hat ebenso seltsame, aber nicht weiter vertiefte Bezüge zur Realität wie sein markanter russischer Akzent, doch wo bleiben die „Mad Max“ oder „True Grit“-Bezüge? Nun, zumindest was das Design angeht scheinen George Millers legendäre Filme Pate gestanden haben, mit etwas Wohlwollen mag man in Supergirls Bestreben, Ruthye daran zu hindern, selbst Rache zu nehmen, auch Waynes Western erkennen, doch insgesamt wirkt Craig Gillespies Film wie James Gunn light.

Zwar nicht so zynisch wie die Filme des DC-Masterminds, aber mit ähnlich aufgesetzter Selbstironie, dazu die Action begleitende Pop- und Rock-Musik und eine Superheldin, die sich über weite Strecken so verhält, als wäre sie alles lieber als eine Superheldin. Was ja an sich kein ganz schlechter Ansatz wäre, hier aber zu einem wenig aufregenden Film führt, in dem die zwei, drei kurzen Auftritte von Superman persönlich herausragen. Vielleicht bildet er zusammen mit seiner Cousine dann im nächsten Jahr ein spannenderes Duo, wenn es zur „Superman“-Fortsetzung kommt, aus deutscher Sicht mit der besonders interessanten Besetzung von Lars Eidinger als Antagonist Brainiac.

Supergirl • USA 2026 • Regie: Craig Gillespie • Darsteller: Milly Alcock, Eve Ridley, Matthias Schoenaerts, Jason Momoa • im Kino

Kommentare

Zum Verfassen von Kommentaren bitte Anmelden oder Registrieren.
Sie benötigen einen Webbrowser mit aktiviertem JavaScript um alle Features dieser Seite nutzen zu können.