2. August 2026

„Legion – Die vielen Leben des Stephen Leeds“ von Brandon Sanderson

Ein genialer Privatdetektiv mit vielen halluzinierten Persönlichkeiten

Lesezeit: 3 min.

Von allen gegenwärtigen Superstars der fantastischen Literatur dürfte US-Bestsellerautor Brandon Sanderson (im Shop) wohl der fleißigste sein, um nicht zu sagen: der zuverlässigste. Schreibblockaden oder ewig ausstehende Fortsetzungen kennt der 1975 geborene Vielschreiber und Fanliebling nicht. Neben seinen eigenen Reihen und Einzelromanen hat er ja sogar noch „Das Rad der Zeit“ für den verstorbenen Robert Jordan beendet – und quasi nebenbei verfasst Sanderson immer mal wieder ein paar Buch-Geheimprojekte, oder er veröffentlicht hier eine Novelle, da eine Kurzgeschichte.


Brandon Sanderson. Foto © Howard Lyon

Drei seiner längeren Erzählungen liegen nun gesammelt in Buchform vor: Der Band Legion – Die vielen Leben des Stephen Leeds“ (im Shop) enthält eine Novellen-Trilogie über den titelgebenden Privatdetektiv, ursprünglich in den Jahren 2012 bis 2022 einzeln erstveröffentlicht.

Der Ermittler Stephen Leeds ist ein Genie und eine Art moderner Universalgelehrter, doch das kommt mit einem Preis daher. Seine Talente, sein Wissen und seine Erinnerungen manifestieren sich in halluzinierten Personen wie der puritanischen Psychiaterin Ivy, dem schießwütigen Waffenexperten J. C. oder dem gediegenen Historiker Tobias, und das ist nur die Spitze des schrulligen Ensemble-Eisbergs. Stephen kann neues Wissen ungeheuer schnell aufnehmen, allerdings muss er es dazu in einen seiner vielen „Aspekte“ packen, die nur der wohlhabende Detektiv sehen kann – trotzdem hat jedes halluzinierte Helferlein ein eigenes Zimmer in Stephens großzügigem Haus. Und während sich an seiner mentalen Verfassung bereits viele Psychologen die Zähne ausgebissen haben, löst der berüchtigte Stephen als Privatermittler besonders knifflige Fälle, die seine vielfältigen Fähigkeiten und den witzigen Dialog mit all seinen Aspekten benötigen.

 

Brandon Sanderson: Legion – Die vielen Leben des Stephen Leeds

Spannend und abgründig – der Zukunftsthriller des internationalen Bestsellerautors Brandon Sanderson.

»Ich heiße Stephen Leeds, und ich erfreue mich vollkommener geistiger Gesundheit. Aber meine Halluzinationen sind allesamt ziemlich verrückt.« Auch die besten Detektive haben ihre dunklen Seiten. Stephen Leeds, unvergleichliches Genie und zurückgezogener Einzelgänger, hat gleich mehrere dieser Seiten. Neue Sprachen und Fähigkeiten kann er sich in kürzester Zeit aneignen – indem er sie als weitere Persönlichkeiten in seine Psyche integriert. Als Leeds den Auftrag erhält, eine gestohlene Kamera zu finden, die angeblich Bilder von der Vergangenheit machen kann, sind sämtliche Aspekte seiner facettenreichen Persönlichkeit gefordert, und er macht eine Entdeckung, die nicht nur die Fundamente der Wissenschaft erschüttern wird, sondern auch alles, was Stephen Leeds über sich selbst zu wissen glaubte. Der Wettlauf gegen die Zeit hat begonnen.

Ein Teil dieses Romans ist bereits unter dem Titel »Legion« in dem Sammelband »Die Seele des Königs« auf Deutsch erschienen.

Brandon Sanderson: Legion – Die vielen Leben des Stephen Leeds • Roman • Aus dem Amerikanischen von Michael Siefener • Heyne, München 2026 • 416 Seiten • Erhältlich als Paperback, eBook und Hörbuch Download • Preis des Paperbacks: € 17,00 • im Shop

 

In „Legion – Die vielen Leben des Stephen Leeds“ machen sich Sanderons Detektiv und dessen halluzinierte Sidekicks auf die Suche nach einer Zeitreise-Kamera, die z. B. die Existenz von Jesus widerlegen und das Christentum erschüttern könnte, weshalb die Jagd Stephen samt Aspekte-Anhang bis nach Jerusalem führt. Darüber hinaus bringt ein alter Bekannter Stephen dazu, die Ermittlungen zu einer verschwundenen Leiche aufzunehmen, wobei es in Wahrheit um Big-Tech, Open Source, den menschlichen Körper als digitalen Datenspeicher und einen potentiell verhängnisvollen Hightech-Virus geht. Nicht zuletzt werden Stephen und seine Aspekte mit der Rückkehr seiner verschwundenen großen Liebe Sandra und der Bedrohung der halluzinierten Charaktere durch ihre brutale Auslöschung konfrontiert. Im Endeffekt verbinden diese verknüpften Geschichten Sir Arthur Conan Doyles klassischen „Sherlock Holmes“-Kanon mit Matt Ruffs launigem Roman „Ich und die anderen“. Wenig verwunderlich daher, dass über die Jahre schon mehrere Anläufe einer Adaption für Film oder Fernsehen unternommen worden sind.

Diese Fälle von Stephen Leeds zeigen einen Brandon Sanderson abseits der großen Epen, der großen Science-Fantasy in seinem Schaffen. Die Episoden um den emotional strauchelnden Ermittler, seine dissoziative Identitätsstörung sowie seine „eingebildete“ Crew kommen als topaktuelle Weird-Fiction-Krimis, jedoch mit der Anmutung wesentlich traditionsreicherer Genre-Pulp-Stoffe daher, was eine interessante Mischung ergibt. Bei den drei kurzen, kurzweiligen Novellen handelt es sich also um eine überraschende Ergänzung von Mr. Sandersons Portfolio.

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Christian Endres berichtet seit 2014 als Teil des Teams von diezukunft.de über Science-Fiction. Er schreibt sie aber auch selbst – 2024 ist bei Heyne sein SF-Roman „Wolfszone“ erschienen.

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