20. Juli 2026

„Voidverse“ von Damien Ober

Ein SF-Roman wie ein Ghibli-Animationsfilm

Lesezeit: 3 min.

Hayao Miyazaki und das Studio Ghibli haben viele wundervolle, prägende Animationsfilm-Meisterwerke geschaffen (siehe „Anime Through the Looking Glass“; im Shop). Das neueste Ghibli-Werk, der Kurzfilm „Night in the Valley of the Witch“ von Goro Miyazaki, läuft seit 8. Juli allerdings erst einmal nur exklusiv im Ghibli’s Grand Warehouse, das sich im japanischen Ghibli Park in Nagakute befindet. Doch keine Panik! Denn gerade ist der Roman Voidverse“ von Damien Ober auf Deutsch erschienen (im Shop), und der kommt nicht nur mit einem fetten Lob von T. C. Boyle (im Shop) daher, sondern in vielen Belangen auch wie ein klassischer Ghibli-Streifen …

Damien Ober, der schon Drehbücher zu Fernsehserien wie „The OA“ und „Dominion“ beisteuerte, veröffentlichte 2014 den Alternativwelt-Steampunk-Roman „Doctor Benjamin Franklin’s Dream America“. Im selben Jahr erschien seine Kurzgeschichte „The Endless Sink“ im Small Beer Press-Almanach „Lady Churchill’s Rosebud Wristlet“ Nummer 30, herausgegeben von Kelly Link und Gavin Grant. Die Story wurde zur Grundlage von Obers zweitem Roman „Voidverse“, der in einem ungewöhnlichen Kosmos ohne Sonnen, Monde und Sterne einsetzt.

In Mr. Obers literarisch-fantastischem Weltraum existiert vor allem schwarze Leere, gesprenkelt mit ein paar flachen kleinen Felsbrocken, auf denen Menschen samt Nutztieren leben. Bereits im ersten Kapitel fordert und kitzelt der US-Autor einen beim Lesen mit der Physik seines Lowtech-Steampunk-Weltenentwurfs – und aus der Herausforderung für die Vorstellungskraft wird bei weiterer Lektüre schnell Genre-Begeisterung. Die Menschen in der Senke reisen als Sinker oder Steiger ohne größere technische Hilfsmittel von Fels zu Fels, ausgestattet oft nur mit Helm, Schwert, Bolzenpistole, etwas Medizin.

An der Seite einer abgebrühten Sinkerin müssen eine unbescholtene Mutter und später ein Fürstensohn herausfinden, dass mit ihrem praktischen wie mythologischen Bild der allgegenwärtigen Senke, der allesumfassenden Schwärze, so einiges nicht stimmen könnte. Auch, weil neben der Sinkerin das Konstrukt auf brutale Weise in ihre Leben dringt: ein um Wohneinheiten und Antriebe ergänzter Riesenfelsbrocken, der ständig steigt, um der gefürchteten Großen Ebene am Grund der Senke zu entkommen. Für Brennmaterial, Rohstoffe und Nahrung zerstört das Konstrukt Felswelt um Felswelt …

Setting, Ausstattung, Prämisse, Figuren, Konflikte, Handlung: „Voidverse“ verströmt wirklich jede Menge Ghibli-Vibes. Dazu kommen noch ein Hauch „Die Horde im Gegenwind“ und eine Prise „Dune“. Trotz dieser Anleihen und Vertrautheiten, sind das Science-Fantasy-Abenteuer und sein Sense of Wonder eigenständig genug, und sowieso höchst unterhaltsam. Und deshalb ist Damien Obers „Voidverse“ für alle Genre- und Anime-Fans der ghibli-mäßige Buch-Blockbuster des Jahres.

Damien Ober: Voidverse

Bildgewaltig und mit erzählerischer Wucht – Damian Ober schreibt die Geschichte der Science-Fiction neu.

Mit Farbschnitt in limitierter Erstauflage. Lieferung je nach Verfügbarkeit.

In einem Kosmos ohne Sonnen oder Planeten lebt die Menschheit zerstreut auf schwebenden Felsinseln. Jeder Felsen in der Leere ist eine Welt für sich, und jeder Mensch versucht, im Luftstrom zwischen den Inseln weiter hinaufzukommen, einem sagenumwobenen Zentrum entgegen. Bis eines Tages eine Frau auftaucht, die in umgekehrter Richtung unterwegs ist – eine Sinkende. Ihr Ziel: das Konstrukt, eine riesige Maschine, die ganze Felsinseln und alles darauf Lebende zerstört – und die diese Frau aufhalten will. Doch ihre Zeit wird knapp …

Damien Ober: Voidverse • Roman • Aus dem Englischen von Bernhard Kempen • Heyne, München 2026 • 432 Seiten • Erhältlich als Paperback, eBook und Hörbuch Download • Preis des Paperbacks: € 18,00 • im Shop

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Christian Endres berichtet seit 2014 als Teil des Teams von diezukunft.de über Science-Fiction. Er schreibt sie aber auch selbst – 2024 ist bei Heyne sein SF-Roman „Wolfszone“ erschienen.

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