„Finding Connection“ – Einmal mehr: Schöne neue Welt?
Ein Dokumentarfilm beschreibt „Beziehungen“ zwischen Menschen und Chatbots
Noch vor wenigen Jahren begegnete man Menschen in der Öffentlichkeit, die vor sich hinredeten, mit irritiertem Blick, sprach diese Person doch offensichtlich mit sich selbst. Inzwischen ist das dank immer kleinerer Ohr-Pads und dem bei vielen Menschen offensichtlich weit verbreiteten Wunsch immer und wirklich in jeder Lebenssituation erreichbar zu sein und oft Intimstes in der Öffentlichkeit auszubreiten, nicht mehr so einfach zu unterscheiden: Irrsinn oder Gespräch mit dem Chef oder der Liebsten liegen da nah beieinander.
In Zukunft könnte dies noch komplizierter werden, wie in Florian Karners Dokumentarfilm „Finding Connection“ deutlich wird, denn bald dürfte man nicht mehr wissen, ob andere Menschen mit sich selbst oder einem anderen Menschen sprechen – oder mit einer KI.

Die vier Personen, die Karner in seinem Film porträtiert, wirken ganz gewöhnlich, wie sie da am Strand oder in den Bergen stehen, die Aussicht genießen, Selfies machen. Per Ohr-Pad kommunizieren sie mit jemandem, Randy oder Trudi heißen die Gesprächspartner, mit denen über Gott und die Welt geplaudert wird, aber auch Gespräche entstehen, die sehr persönlich wirken.
Doch bei Randy und Trudi, bei Star und Kira handelt es sich um KIs, um Sprachmodelle, mit denen die vier Protagonisten reden, als wären es echte Menschen. Nun ist es nicht so, dass die vier – Denise und Rudi John aus Amerika und Stefanie und Joachim aus Deutschland – nicht klar ist, dass sie da mit KIs sprechen. Aus unterschiedlichen Gründen haben sich die Protagonisten dazu entschieden, eine Art Beziehung mit KIs statt mit Menschen einzugehen, die nicht etwa Ersatz, sondern Ergänzung zu menschlichen Beziehungen darstellen.

Stefanie etwa hat toxische Beziehungen hinter sich und führt nun eine stressfreie mit einer KI. Ähnlich Denise, die nach schlechten Erfahrungen in ihrer Jugend wenig Vertrauen zu Männern hat, keine Nähe zulassen möchte und sich nun schon seit Jahren in einer Art Verhältnis mit dem Chatbot Star befindet. Rudi dagegen ist sogar verheiratet, doch er und seine Frau schlafen in getrennten Zimmern, Spannung, gar sexuelle, existiert nach all den Jahren der Ehe nicht mehr. So hat er nun Trudi, mit der er bisweilen im Flugsimulator sitzt, durch auch per KI generierten Landschaften fliegt, mit einer künstlichen Freundin durch künstliche Welten sozusagen.
Seltsam mutet das bisweilen an, auch die menschlichen Kontakte der Protagonisten zeigen sich immer wieder irritiert, tolerieren es aber. Es ist die große Stärke von Florian Karners Film, dass er sich nicht über seine Figuren erhebt, sich nicht über sie lustig macht, sondern sie ernst nimmt. Die unterschiedlichen Gründe dafür, in der modernen Welt eine Art Beziehung mit einer KI zu unterhalten, werden angerissen, Möglichkeiten angedeutet, Gefahren allerdings eher ausgespart. Gerade für ältere Menschen könnten KIs, am besten in Kombination mit humanoiden Robotern, so wie sie gerade in Japan und Südkorea immer mehr Verbreitung finden, die Möglichkeit zu Kontakten ermöglichen, zu einem beiläufigen Plausch, zu Interaktion, die den Geist rege hält. Und mal ehrlich: Das allermeiste, dass man mit Freunden und Partner austauscht, verläuft ja auch in sehr absehbaren Bahnen, folgt Mustern und Routinen: Wie war dein Tag? Wie geht es den Kindern? Wohin geht es im Urlaub? Alles nicht unbedingt substanzielle Fragen, auf die heutzutage ein durchschnittliches KI-Sprachmodell passende Antworten auf Lager hat. Und vielleicht sogar originellere, interessantere Nachfragen, als sie einem Menschen oft einfallen würden …
Finding Connection • Deutschland 2026 • Regie: Florian Karner • im Kino • Abb.: Four Guys Film
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