Octavia E. Butler ist Popkultur
Kelelas neues Album „New Avatar“ inspiriert von „Die Parabel vom Sämann“
Die als Kelela bekannte Kelela Mizanekristosist hat die gleiche Bedeutung für R&B, die MF DOOM für den Hip-Hop hatte: Sie kann bis dato auf keine großen Charterfolge zurückblicken, und ist kein Name dem das breite Publikum geläufig ist. Ihre Musik, eine progressive Verschmelzung von intimen, samtweichen R&B-Vocals mit moderner elektronischer Musik (was von Grime über Drum and Bass bis
hin zu Ambient reicht) heimst aber regelmäßig Jubelarien der Musikpresse ein und übt einen großen Einfluss auf eine nachfolgenden Generation von Künstlerinnen aus.
Auf ihrem aktuellen Album „New Avatar“ erweitert die ungebrochen experimentierfreudige Musikerin ihr Repertoire um Psych-Rock- and Shoegaze-Elemente, was nicht von ungefähr kommt, denn während ihrer Studienzeit spielte Kelela in Indie- und Prog-Metal-Bands.
Der ausgeprägte Hang zum Eklektizismus fliegt ihr aber dennoch nicht um die Ohren, was an einem nach wie vor äußerst kontrollierten und wohlüberlegten Zusammenbau der Musik liegt, die bei allen stilistischen Schlenkern immer einen gewissen, von leichter Melancholie geprägten Grundton beibehält. Ihre prägnante Stimme und ihr nuancierter Gesang, der meist einen steilen Kontrast zur Musik bildet, machen das Gesamtpaket endgültig zu etwas Besonderem, dessen Wirkung man sich nicht so leicht entziehen kann.
„New Avatar“ hat einen stark dystopischen Zug, was sich nicht nur in der Thematisierung von gesellschaftlichem Verfall äußert, sondern auch darin, dass die Single-Auskopplung „Idee 1“ von Octavia E. Butlers erstmals 1993 erschienener Dystopie „Die Parabel vom Sämann“ (im Shop) inspiriert wurde, deren Setting mittlerweile gruselig realistisch anmutet. Butler erzählt dort nämlich, wie im Jahr 2024 dank Klimawandel, Wirtschaftskrisen und politischem Rechtsruck das Leben in den USA verändert wurde, das heißt: Stärke ist gefragt, es ist keine Zeit für ungewöhnlich sensible Naturen wie Protagonisten Lauren Olamania, die sich entschließt zu fliehen.
Octavia E. Butler: Die Parabel vom Sämann
„Octavia E. Butler erzählt von einer nahen Zukunft, die unsere Gegenwart ist.“ (Süddeutsche Zeitung).
Octavia Butlers Meisterwerk in neuer Übersetzung und mit einem Vorwort von N. K. Jemisin.
Wir schreiben das Jahr 2024. Klimawandel, Wirtschaftskrisen und ein politischer Rechtsruck haben das Leben in den USA von Grund auf verändert. Lauren Olamina lebt mit ihrer Familie in Kalifornien, relativ sicher vor Plünderern hinter hohen Mauern. Wer überleben will, muss Stärke zeigen, deswegen hütet Lauren ihr Geheimnis sorgfältig: Sie leidet an Hyperempathie – sie empfindet die Emotionen eines anderen Menschen so tief, als wären es ihre eigenen. Doch wenn sie will, dass ihre Stimme gehört wird, darf sie sich nicht länger hinter den Mauern verstecken. Also macht sich Lauren auf die Reise nach Norden, wo es noch Sicherheit und Jobs gibt. Was als Kampf ums Überleben beginnt, wird schnell zu sehr viel mehr: Der Geburt einer neuen Religion – und einer atemberaubenden Vision für die Zukunft der Menschheit.
Vieles kommt einem bekannt vor - Octavia knew.
Octavia E. Butler: Die Parabel vom Sämann • Roman • Aus dem Amerikanischen von Dietlind Falk • Heyne, München 2023 • 448 Seiten • Erhältlich als Paperback und eBook • Preis des Paperbacks: € 16,00 • im Shop
Ein beeindruckender Roman, den man sich parallel zum neuen Album zu Gemüte führen sollte – hier kann man sich das Album anhören.
Erschienen ist „New Avatar“ auf Vinyl und CD und als Digital-Variante (unter der Verlinkung, aber auch überall anders erhältlich) Nach dem Text folgen Videos zu „Idee 1“ und drei weiteren Single-Auskopplungen.

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