Sun Ra & Merzbow: Strange City
Krach-Perle als erweiterte Neuauflage
Der 1993 verstorbene Sun Ra gilt als Wegbereiter einer Jazz-Spielart, mit der selbst Jazz-Fans oft ihre Probleme haben: Free Jazz. Sein Schaffen war zudem eng mit dem Science-Fiction-Genre verbunden.

Er erfand nicht nur den (etwas zugänglicheren) Cosmic Jazz, Jazz mit Weltraum-Themen (Beispiele wären die Alben „Visits Planet Earth“, „Interstellar Low Ways“, „We Travel the Space Ways“ oder „Cosmic Tones for Mental Therapy“), der hochexzentrische und hochproduktive Musiker fing in den 1950er-Jahren sogar an, sich einen eigenen Sci-Fi-Mythos auf den Leib zu schneidern. Er trug Kostüme und Kopfschmuck im ägyptischen Stil und behauptete, dass er nicht von dieser Erde, sondern vom Planeten Saturn stamme und der Überzeugung ist, dass die irdische Gesellschaft versagt habe und die Menschheit sich dem Kosmos und alternativen Dimensionen öffnen müsse, um zu überleben. Mit unzähligen Texten und Auftritten baute er diesen Ansatz aus und lies 1974 auch den Spielfilm „Space ist the Place“ folgen.

Der noch stets aktive Noise-Pionier Merzbow ist vom Auftreten nicht im Ansatz so exzentrisch, im Gegenteil, der strikte Veganer ist ruhig, zurückhaltend und kleidet sich offenbar am liebsten in Schwarz. Er macht aber ebenso Musik, die man nicht gerade als zugänglich bezeichnen würde, und hat es im Laufe der Jahrzehnten ebenso auf eine höchst umfangreiche Diskographie gebracht.
Free Jazz ist für viele genauso unhörbar wie Noise und so wird die unter dem Text verlinkte Hörprobe mal so richtig für Ohrensausen sorgen, denn 2016 kam das britische Label Cold Spring Records auf die Idee, zwei der herausforderndsten Sun-Ra-Alben („Strange Strings“ und „The Magic City“) von den Nachlassverwaltern zu lizenzieren und sie von Merzbow bearbeiten zu lassen. Das Ganze wurde dann als „Strange City“ veröffentlicht – allerdings fanden sich auf den CD- und Vinyl-Versionen unterschiedliche Stücke.
Am 26. Juni 2026 erscheint nun eine Doppel-CD, die alles Material beinhaltet und um einen weiteren Track erweitert wurde, der bisher nur einmal, 2016 im Rahmen einer BBC-Radio-6-Sendung, zu hören war. Die Edition erscheint als 8-seitiges Doppel-Digipak mit einem Essay der Cold-Spring-Haus-und-Hof-Designerin Gydja im achtseitigen Booklet. Hier kann man sich alles anhören. Wer direkt beim Label bestellt, kriegt zwei Aufkleber (einen mit Sun Ra, einen mit Merzbow). (Wer keine Hardware will, kann sich direkt eine digitale Version besorgen, die wird bereits zum Kauf angeboten.)
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