12. März 2026

„Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ – Von Handy-Zombies und einer bedrohlichen KI

Gore Verbinskis satirische Dystopie hat viele tolle Ideen, aber nicht ganz so tolle Struktur

Lesezeit: 3 min.

Das muss man sich auch erst einmal trauen: Seinen Film mit einem nicht enden wollenden Monolog beginnen lassen, geschlagene 15 Minuten lang. Zum Glück wird der Erzähler von Sam Rockwell gespielt, der zudem eine mehr als seltsame Figur darstellt, die anfangs wie ein verrückter Obdachloser, später wie eine (etwas) erwachsenere Version der „Time Bandits“-Reisenden wirkt, in jedem Fall aber sehr merkwürdig.

Aus dem Nichts taucht dieser namenlose Mann aus der Zukunft in einem Diner der Gegenwart auf, mit ungepflegten Haaren und Rauschebart, in ein seltsames Kostüm aus Zellophan und Schrott gekleidet und erklärt den irritierten Anwesenden, dass das Ende der Welt bevorsteht. Zumindest das Ende der Welt, wie wir sie kennen, denn bald wird eine KI die Macht übernehmen, was nur durch eine gewagte Rettungsaktion in der Vergangenheit verhindert werden kann.

116 Mal hat der Mann aus der Zukunft schon versucht, eine Gruppe zusammenzustellen, die es aus dem Diner schafft, dann durch etliche Vorgärten, um das Haus eines genialen neunjährigen zu erreichen, der bald die geniale KI entwickeln wird. Ziel ist nun, einen USB-Stick in den Rechner des Genies zu stecken, um der KI ein paar sinnvolle Verhaltensregeln mit auf den Weg zu geben.

Um dieses Ziel zu erreichen werden diesmal unter anderem die leicht lebensmüde Susan (Juno Temple), das Lehrerehepaar Mark (Michael Pena) und Janet (Zazie Beetz) und der notorisch skeptische Scott (Asim Chaudhry) ausgewählt, die zum Teil nur als Kanonenfutter dienen, zum Teil aber aus ganz bestimmten Gründen Teil der Gruppe sind.

Während die einmal mehr glorreichen Sieben versuchen, die Welt zu retten, springt die Erzählung immer wieder in die Vergangenheit, um die Vorgeschichte der Protagonisten zu erklären, eine Erzählweise, die sich in den letzten Jahren größerer Beliebtheit erfreut (man denke an „Weapons“), aber regelmäßig dafür sorgt, dass der Fluss der Handlung unterbrochen wird.

Andererseits erlebt man in der Rückblende zum Lehrerehepaar auch eine der pointiertesten Szenen des Films: In wunderbarer Übersteigerung der Realität sehen sich die Lehrer in ihrer Schule mit Teenagern konfrontiert, die kaum noch von ihrem Handy aufblicken, die jedes Bemühen um persönliche, menschliche Kommunikation brüsk zurückweisen und sich bald zu einer Art Handy-Zombie entwickeln, gegen die nur selbstgebastelte Strahlenwaffen helfen, die zumindest für einen Moment das Wlan ausschalten.

Man ahnt: Regisseur Gore Verbinski zweifelt an der Technik, die unser aller Leben immer stärker prägt. Gleich zu Beginn hält der Mann aus der Zukunft eine flammende Rede, in der er Doom-Scrolling und andere Obsessionen anprangert, die zur zunehmenden Verdummung der Menschheit geführt haben und der KI erst ermöglichte, die Macht zu ergreifen.

In bester Zeitreisefilm-Manier öffnen auch Verbinski und sein Drehbuchautor Matthew Robinson Paradoxa, die sie mehr im Raum stehen lassen, als aufzulösen versuchen. Ohnehin wirkt „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ mit seiner „Und täglich wirkt das Murmeltier“-Struktur wie ein Computerspiel, an dessen Levels, Zwischen- und Endgegnern sich der Mann aus der Zukunft schon oft versucht hat. Ob möglicherweise der ganze Film eine Simulation ist, quasi die Matrix (eine weitere deutliche Inspiration), in der manchen Menschen, oder auch nur dem Zeitreisenden vorgegaukelt wird, das er die Menschheit retten kann, dies Frage darf jeder Zuschauer für sich beantworten.

Good Luck, Have Fun, Don’t Die • USA 2025 • Regie: Gore Verbinski • Darsteller: Sam Rockwell, Haley Lu Richardson, Michael Peña, Juno Temple, Zazie Beetz • im Kino • Abb. © Constantin Filmverleih

Kommentare

Zum Verfassen von Kommentaren bitte Anmelden oder Registrieren.
Sie benötigen einen Webbrowser mit aktiviertem JavaScript um alle Features dieser Seite nutzen zu können.