20. April 2026

„King Sorrow“ von Joe Hill

Der erste dt. Band des Romans über mehr als einen Pakt mit einem Drachen

Lesezeit: 3 min.

Drachen sind zur Zeit mal wieder ziemlich angesagt in der Literatur, und nicht allein da. Wenn der multimedial präsente US-Bestsellerautor Joe Hill (im Shop) nach Werken wie seiner Kurzgeschichtesammlung „Black Box“, seinen Romanen um „Blind“, „Christmasland“ oder „Teufelszeug“ und seiner Comicserie „Locke & Key“ nun ebenfalls einen Drachen-Roman vorlegt, dann ist dieser aber natürlich eine finstere Mischung aus Dark Fantasy und Horror – und schon im englischsprachigen Original so seitenstark, dass die deutschsprachige Übersetzung in Form von zwei Bänden erscheint. Dieser Tage ist das erste Buch von Hills King Sorrow“ (im Shop) bei Heyne gelandet.

Alles beginnt Ende der Achtziger in Maine, Heimat von Joe Hill, und nicht mehr nur das Hoheitsgebiet von Stephen King (im Shop). Protagonist Arthur Oakes ist ein vielversprechender Student am Rackham College und auf dem besten Weg nach England und ferner Oxford, um dort weiterzustudieren. Doch seine Mutter, eigentlich Priesterin und Pazifistin, sitzt aufgrund einer unglücklichen Verkettung von Umständen mehrere Jahre im Gefängnis ab. Weitere noch viel unglücklichere Verkettungen und Umstände sorgen dafür, dass Arthur plötzlich von einer ruchlosen Drogendealerin bedroht wird und für sie wertvolle Erstausgaben aus der Uni-Bibliothek stehlen muss, um so seine Mom hinter Gittern zu beschützen.

Schließlich beschwören Arthur und seine Clique mittels eines in Menschenhaut gebundenen okkulten Buches den Drachen King Sorrow, der in der Dunkelheit jenseits des Käfigs dieser Welt haust und wartet (kurz mag man sich an die Drachen auf der Scheibenwelt von Terry Pratchett (im Shop) erinnert fühlen). Arthur und Co. schließen einen Faust’schen Pakt mit dem Drachenwesen, das sich von Angst, Panik und Schmerz ernährt. King Sarrow macht für die Freunde Jagd auf die Drogendealerin, die Arthurs Leben geißelt und dafür jetzt die Quittung erhält. Aber auch Arthur und die Gang kriegen noch eine Rechnung von ihrem Drachenherren: Denn fortan schulden sie King Sorrows jedes Jahr ein Menschenleben, und sollten sie ihm keinen passenden Kandidaten liefern, holt der Drache sich einen von ihnen …


Joe Hill. Foto © Chad Luibl

Das ergibt schon im ersten Teil des Romans eine schöne „Drachen-Variation“, die gut zu Joe Hills Œuvre passt – vor allem, da er seinen Drachen-Horror mit Okkultismus sowie Fragen nach Schuld und Moral auflädt, ganz nebenbei auch noch über das Klassendenken innerhalb der amerikanischen Gesellschaft schreibt. Aber nicht bloß in Hinsicht von Thema, Sound, Vibe, Schwung und Figurenkonstellation kommt Genre-Kronprinz Joe Hill seinem Dad Stephen King in seinem neuen Buch näher denn je. Während Hill bei der stimmungsvollen Erstbeschwörung des Drachen in die Trickkiste seiner eigenen „Locke & Key“-Comics greift, zitiert er sich bei mehr als einer Gelegenheit durchs väterliche Schaffen: Etwa wenn der 1972 geborene Hill sich einfach mal die berühmten Eröffnungszeilen von „Der dunkle Turm“ über den Mann in Schwarz aneignet.

Das alles macht „King Sorrow“ trotz einiger Ausschweifungsfreude und schriftstellerischer Abgeklärtheit sicher zu einem der ungewöhnlicheren, insofern interessanteren Drachen-Titel, die im Moment da draußen herumfliegen. Unnötig fast, noch mal darauf hinzuweisen, dass gerade Fans der Fantastik-Dynastie aus Maine mit Arthur, seinen Freunden und dem werten King Sorrow viel Freude haben werden, zwischen den Häusern von Hill und King.

Band zwei (im Shop) der deutschsprachigen Übersetzung mit dem Finale der Geschichte wird im Juli erscheinen. Dann dürften Drachen sicher immer noch hot genug sein – auch abseits von Romance und Romantasy.

Joe Hill: King Sorrow I • Roman • Aus dem Amerikanischen von Kristof Kurz, Stefanie Adam • Heyne, München 2026 • 592 Seiten • Erhältlich als Hardcover, eBook und Hörbuch Download • Preis des Hardcovers: € 24,00 • im Shop

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Christian Endres berichtet seit 2014 als Teil des Teams von diezukunft.de über Science-Fiction. Er schreibt sie aber auch selbst – 2024 ist bei Heyne sein SF-Roman „Wolfszone“ erschienen.

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