4. Juni 2026

„Masters of the Universe“ – He-Man will lieber reden als prügeln

Der Versuch eines heroischen Film in einem postheroischen Zeitalter

Lesezeit: 3 min.

He-Man arbeitet in der Personalabteilung eines Unternehmens, auf seinem Namensschild gibt er seine Pronomen natürlich mit HE an. Ein guter Gag, der andeutet, dass es Travis Knights Reboot der 80er Jahre Franchise „Masters of the Universe“ mit ganz viel Selbstironie versucht. Natürlich, denn ungebrochen könnte man diese vor Testosteron und Männlichkeit triefende Spielzeugfiguren auch nicht in die Gegenwart übertragen, zumindest nicht, ohne sich Vorwürfe einzuhandeln, rückständig und reaktionär zu agieren.

Da die muskelbepackten Figuren anfangs ohne Backstory auf den Markt kamen, haben die Drehbuchautoren nun auch viel Raum, um sich eine Geschichte auszudenken. Die Grundmythologie der „Masters of the Universe“ – der Kampf zwischen He-Man und seinen Anhängern gegen den finsteren Skeletor – bleibt natürlich unangetastet, doch drumherum geht es lange Zeit hübsch sebstironisch und modern zu.

Eine kurze Anfangssequenz zeigt den jungen Adam, wie er von Duncan, seinem Man-at-Arms (Idris Elba) im Schwertkampf trainiert wird, sich dabei aber zur Enttäuschung seines Vaters, König Randor (James Purefoy), wenig überzeugend anstellt. Kurz darauf dringt Skeletor (Jared Leto) in Eternia ein, zerstört die Stadt, nimmt den König und seine Gattin gefangen, doch Adam kann entkommen: Zusammen mit dem Schwert der Macht wird er auf die Erde geschickt, aus nicht wirklich nachvollziehbarem Grund unauffindbar für Skeletor und seine Schergen.

15 Jahre später ist der kleine Adam zum muskelbepackten, wenngleich noch nicht mit einem mächtigen Six-Pack ausgestatteten Mann geworden (Nicholas Galitzine), der etwas unlustig in obiger Personalabteilung arbeitet, sich also darin übt, Konflikte mit Reden zu lösen. Vor allem verbringt Adam aber viel Zeit Online, um endlich das Schwert der Macht wiederzufinden, dass ihm den Weg zurück in seine Heimat weisen soll.

Ausgerechnet in einem Spielzeugladen findet er es auch, wird kurze Zeit später von seiner Kindheitsfreundin Teela (Camila Mendes) gerettet und per Raumschiff zurück nach Eternia geholt. Dort hat sich eine deutlich an Star Wars-Erzählungen erinnernde Rebellenfraktion etabliert, mit bekannten Figuren wie Fisto oder Ram-Man, die ihren neuen Anführer zunächst mit Skepsis begegnen.

Doch bald wird aus Adam He-Man, der mit komplett enthaartem, sanft gebräuntem Körper und Lendenschurz wie, nun ja, ein strahlender, nordischer Gott wirkt. Womit dann auch die tonalen Probleme des Films beginnen, der sich lange Zeit bemüht, den immanenten Heroismus seiner Figuren zu dekonstruieren, sich ebenso über Muskelberge lustig machte wie über die pathetischen Reden eines Skeletors. Doch irgendwann muss es in einem Film wie diesem natürlich zwangsläufig zu einer Konfrontation der Kräfte von Gut und Böse kommen, was dann unweigerlich zu den typischen modernen Prügelorgien führt, von mittelmäßigem CGI geprägt und mit unvermeidlichem Ausgang.

Den Kuchen essen und ihn behalten: Das klappt hier nur bedingt. Sich einerseits über das absurde, testosteronhaltige Grundkonzept der „Masters of the Universe“-Spielzeugfiguren lustig zu machen, es andererseits aber auch zu bedienen. Zwei Drittel Selbstironie, ein Drittel Pathos, so ließe sich Travis Knights Film zusammenfassen, am Ende vielleicht keine schlechte Quote. Offenbar glauben die Macher jedenfalls an den Erfolg, eine Fortsetzung wird in der unvermeidlichen Post-Credit-Sequenz schon angedeutet.

Masters of the Universe • USA 2026 • Regie: Travis Knight, Darsteller: Nicolas Galitzine, Camila Mendes, Idris Elba • im Kino

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