7. November 2018

Leider nicht memorabel

„Rememory“ – banaler Sci-Fi-Whodunit mit saudoofen Ende, aber schweineguter Besetzung!

Lesezeit: 3 min.

Der berühme Wissenschaftler Gordon Dunn (Martin Donovan) hat eine Apparatur konstruiert, die Gedanken und Erinnerungen erfasst, aufzeichnet und wiedergibt. Mit dem Gerät sollen vor allem Menschen mit psychischen Störungen geheilt werden, da man nun erkunden kann, was in der Denkzwiebel so alles vergraben ist. Doch plötzlich liegt Dunn tot in seinem Büro, die Wand hinter ihm ist perforiert mit Einschusslöchern, allerdings finden sich keine entsprechenden Wunden in seinem Körper. Was ist passiert? Die Behörden stehen vor einem Rätsel. Carolyn (Julia Ormond), die Witwe des Mannes, zieht sich daraufhin immer mehr zurück, doch plötzlich taucht Sam (Peter Dinklage) auf, ein alter Bekannter des Verblichenen, der die bahnbrechende Erfindung heimlich klaut und versucht mit deren Hilfe den Mörder zu finden. Der letzte Satz der offiziellen Inhaltsangabe lautet: Dabei findet er Unglaubliches heraus…“

Und exakt das ist auch das Problem, denn das, was er dabei rausfindet, ist alles andere als unglaublich, sondern aus zahlreichen Science-Fiction-Filmen, in denen irgendwelche Wissenschaftler der Natur ins Handwerk pfuschen, sattsam bekannt, wird im Finale aber mit trantütiger Musik und ganz wichtigen Blicken und Gesten trotzdem als Jahrhunderterkenntnis verkauft. „Rememory“ erinnert zum Ende hin ungenehm an den Totalausfall „The Circle“, der ebenfalls einen potentiell interessanten Stoff verschenkt, weil die Macher der Ansicht waren, dass man den kleinen Doofies vor der Leinwand mal die Welt erklären müsste.


Blickfang 1: Peter Dinklage (Game of Thrones)…


… Blickfang 2: Évelyne Brochu (Orphan Black) – „Rememory“

Wobei, „Rememory“ ist eigentlich gar kein Science-Fiction-Film. Er tut nur so. Er tut so, als ob er ein aufregendes Konzept hat, unterfüttert das mit interessanten philosophischen Fragen wie der, ob wir die Summe unserer Erinnerungen sind und falls ja, ob dem nicht ein Problem inhärent ist, denn Erinnerungen verändern oder verfälschen sich ja durch jedes x-beliebige jederzeit auftreten könnende Ereignis in unserem Leben. Das klingt interessant und spannend, fühlt sich auf der Leinwand aber an wie ein eine Mischung aus „Brainscan“ (1994) und „Memento“ (2000), die in eine Agatha-Christie-Gussform gegossen und etwas zu lang durchgebacken wurde. Wobei Fans klassischer Whodunits am ersten Dreiviertel durchaus gefallen finden könnten, zumal – und hier lässt „Rememory“ „The Circle“ dann doch noch knapp im Regen stehen – Mark Palenskys Film mit einer engagierten Cast aufwartet: In den Nebenrollen darf unter anderem der 2016 unter so unglücklichen Umständen verstorbene Anton Yelchin als verstörter Ex-Patient Dunns noch mal eindrücklich vor Augen führen, warum der Tod ein Idiot ist und in der (einzigen) Hauptrolle erfreut ein exzellent aufspielenden Peter Dinklage, der mit einer charismatischen, zwischen unheimlich einfühlsamen und verschlagen wechselnden Performance den dünnen Stoff schultert und die Zuschauer bei sich behält.

Irgendwie also doch halbwegs okay, wenn nur nicht das behämmerte Ende wäre! Tipp: Auf die Homevideoveröffentlichung und einen total verregneten Sonntagnachmittag warten, bis zum letzten Viertel schauen. Ausschalten. Spazierengehen.

„Rememory“ läuft ab dem 08.11.2018 im Kino. Abb.: Kinostar Filmverleih

Rememory (USA/Kanada 2017) • Regie: Mark Palansky • Darsteller: Peter Dinklage, Julia Ormond, Anton Yelchin, Henry Ian Cusick, Martin Donovan, Évelyne Brochu, Matt Eliis

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