7. Juni 2018 3 Likes

Planet der Dinosaurier

Zählen Dinos als bedrohte Tierart, fragt „Jurassic World: Das gefallene Königreich“

Lesezeit: 3 min.

Eine der feinen Ironien, die im Angesicht des gigantischen Erfolgs der Jurassic Park/World-Reihe gern vergessen wird ist, dass es Michael Crichton, dem Autor der 1990 erschienenen Romanvorlage, nicht zuletzt um Wissenschaftskritik ging. Immer wieder hatte der 2008 verstorbene Autor in so unterschiedlichen Werken wie „The Andromeda Strain“, „Timeline“, „Congo“ oder eben „Jurassic Park“ eine spekulative Wissenschaftsstory zwar als Basis eines rasanten Thrillers benutzt, aber kaum unverhohlen vor den Folgen ungezügelter Forschung gewarnt. Was natürlich spätestens seit „Frankenstein“ ein fester Bestandteil dieser Art von Fantasy/Science-Fiction/Thriller-Literatur war, deren Komplexität in den jeweiligen Verfilmungen allerdings meist mehr oder weniger unter den Tisch fiel.

So wie es Crichtons Kollege Dan Brown geht, dessen Romane auf dem Papier nicht nur spannende Schnitzeljagden sind, sondern vielschichtige Diskussionen über den Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft andeuten, so dominieren auch in den inzwischen fünf Jurassic Park/World-Filmen zunehmend die Schauwerte. Zwar durfte eine Figur wie der von Jeff Goldblum gespielte Wissenschaftler Ian Malcolm immer wieder kurz auf die Gefahren des menschlichen Wissensdrangs hinweisen, auf die kaum vorstellbaren Möglichkeiten der Gentechnik, die nicht nur – zumindest in der Fiktion – das Wiederauferstehen und nun auch „verbessern“ von Dinosauriern ermöglichen, sondern – und dies ganz gewiss auch in der Realität – die Möglichkeit eröffnen, dass menschliche Erbgut zu manipulieren und nach Gutdünken zu verändern.

Themen, die sich sehr lose durch J.A. Bayonas „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ ziehen, der zwar von einer Kongressanhörung eben jenes Ian Malcolm eingerahmt wird, der vor der Gentechnik warnt, dazwischen aber vor allem auf atemberaubende Schauwerte setzt. Zwischen der Isla Nublar und den Wäldern Nordkaliforniens spielt die Handlung, die Chris Pratt und Bryce Dallas Howard zusammenführt, die erneut allerlei Dinos, vor allem aber Pratts Ziehdino Blue retten sollen. Denn der Vulkan auf Isla Nublar steht kurz vor dem Ausbruch, was die Frage aufwirft, ob man die dort hausenden Dinos retten soll oder nicht. Gilt der Tierschutz auch für solche von den Menschen geschaffenen Wesen oder ist ihre drohende (zweite) Ausrottung, die erneut durch eine Naturkatastrophe erfolgen könnte, doch vielleicht ein Zeichen Gottes, der die Exzesse der Menschen auf seine Weise wieder gerade biegt?


Chris Pratt, Jeff Goldblum und Bryce Dallas Howard - Unterwegs im Auftrag der Dinos.

Die üblichen finsteren Gestalten dieser Art von sommerlichem Blockbuster-Kino sehen das natürlich ganz anders, sie sehen in den Dinos einzig und allein die Möglichkeit, sehr viel Geld zu verdienen. Mittendrin schließlich ein Kind (was wären die Jurassic-Filme schließlich ohne ein Kind?), die Enkelin des Milliardärs Benjamin Lockwoods, dem ehemaligen Partner von John Hammond.

Der Kreis schließt sich also, öffnet sich aber gleichzeitig in eine neue Richtung, deutet die Möglichkeiten des Klonens an, die nicht nur auf eigentlich ausgestorbene Dinos beschränkt bleiben muss. Wie meist beißen sich solche wissenschaftskritischen, skeptischen Momente allerdings extrem mit der zur Schau gestellten, fraglos atemberaubenden Tricktechnik. Wenn man da Horden von unterschiedlichen Dinosauriern vor einem ausbrechenden Vulkan fliehen sieht: Wer wollte da einen Einwand gegen ein Ausnutzen der Technik einlegen? Nicht nur in der filmischen Popkultur sind Dinosaurier ein Teil der Gegenwart geworden, ein naturkundliches Museum, das nicht den Anschluss verlieren möchte, kann es sich leisten, keine Dinosaurier auszustellen, am besten natürlich das Skelett eines T-Rex!

„Jurassic World: Das gefallene Königreich“ ist pures Spektakel, von gigantomanischen Actionszenen, bis hin zu fast intimen Szenen, die Spukhaus-Charakter haben, mit einem geschickten, durchs Dunkel schleichenden Dino, das es dennoch irgendwie schafft, von Tierschutz und Gentechnik zu erzählen. Nicht schlecht für einen Sommer-Blockbuster, der vor allem die Aufgabe hat, die letzten Tage vor der WM zu überbrücken.

„Jurassic World: Das gefallene Königreich“ startet am 7. Juni im Kino.

Jurassic World: Das gefallene Königreich • USA 2018 • Regie: J.A. Bayona • Darsteller: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, James Cromwell, Jeff Goldblum

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