6. Februar 2016 4 Likes

Der wahre Herr des Wüstenplaneten

John Schoenherrs legendäre „Dune“-Illustrationen

Lesezeit: 3 min.

John Schoenherr ist Schuld, dass man David Lynchs „Dune“-Verfilmung (1984) überhaupt nicht ernst nehmen konnte. (Von den späteren TV-Adaptionen ganz zu schweigen.) Denn Schoenherr hatte zwischen 1964 und 1978 eine Reihe von Illustrationen angefertigt, die unser Bild vom Wüstenplaneten Arrakis so nachhaltig prägten, dass kein noch so begabter Filmemacher eine Chance hatte, diesen so simplen wie wirkungsmächtigen Visionen etwas entgegenzusetzen.


John Schoenherr

Schoenherr wurde 1935 in New York City geboren und studierte am Art Students’ League und machte in den späten 1950ern seinen Abschluss am Pratt Institute. Es gelang ihm bald, Illustrationen in verschiedenen SF-Magazinen der Zeit unterzubringen, aber seine Stunde schlug, als er regelmäßig in den Seiten des von John W. Campbell herausgegebenen, legendären Magazins Astounding (das später zu Analog wurde) auftauchte. Bis in die 1980er hinein schuf er für das Blatt Illustrationen und Titelbilder u.a. für Gordon R. Dickson, Clifford D. Simak und Anne McCaffrey. Nebenher malte er auch Cover für andere Verlage und verlegte sich am Ende seiner Karriere zunehmend auf Tierbilder und Kinderbücher. 1988 erhielt er die begehrte Caldecott Medal für Kinderbuchillustrationen für seine Arbeit an Jane Yolens „Owl Moon“. Er starb 2010 und wurde 2015 posthum in die Science Fiction and Fantasy Hall of Fame aufgenommen.


Analog 12/1963

In Analog erschien auch Frank Herberts Ur-Dune. Zwischen Dezember 1963 und Februar 1964 erschien „Dune World“ in drei Teilen, und von Januar bis Mai 1965 „Prophet of Dune“ in fünf Teilen. Schoenherr illustrierte die Storys und fertigte Cover an. Dafür wurde er mit dem Hugo Gernsback Award ausgezeichnet.

Diese beiden Werke wurden von Herbert erweitert und zu dem „Dune“-Roman, den wir heute kennen. Es ist längst Legende, wie schwer es Herbert fiel, den Roman bei einem Buchverlag unterzubringen, bevor er schließlich bei Chilton Books erschien. Mit einem Cover von Schoenherr, wie man sich denken kann.

Mitte der 1970er war „Dune“ schon auf dem besten Weg, ein kulturelles Phänomen zu werden. Herbert hatte 1969 mit „Dune Messiah“ (dt. Der Herr des Wüstenplaneten) eine Fortsetzung geschrieben. 1976 folgte dann „Children of Dune“ (dt. Die Kinder des Wüstenplaneten), der die US-Bestsellerlisten eroberte. Letzterer wurde wieder auf den Seiten von Analog vorveröffentlicht, und wieder war es Schoenherr, der meisterhafte Illustrationen beisteuerte.

1978 ereichte die „Dune“-Begeisterung einen weiteren Höhepunkt und dehnte sich auf andere Medien aus. Herbert las Auszüge aus den Romanen, die in Form von vier Langspielplatten (Sandworms of Dune, The Truths of Dune, Battles of Dune und Heretics of Dune) erschienen. Die LP-Cover wurden selbstverständlich von Schoenherr angefertigt. Im selben Jahr erschien auch ein Dune-Kalender mit farbigen Abbildungen, die schließlich auch im gesuchten Band „The Illustrated Dune“ Verwendung fanden.


Die Heyne-Ausgabe von 1978 mit Titelbildern von Schoenherr.

Nachdem bereits 1967 eine gekürzte Ausgabe des ersten Buches auf Deutsch erschienen war, zog Heyne 1978 für die erste vollständige Ausgabe dieser drei Romane Werke von Schoenherr heran. Sie zierten die Umschläge und alle Bände hatten Farbtafeln.

Daher ist es wohl kein Wunder, dass auch in der gerade erschienenen Neuausgabe wieder diese wunderbaren Gemälde auf 12 Farbtafeln zu finden sind.

Schoenherrs Bilder haben das Bewusstsein für diesen Klassiker der SF-Literatur geprägt und eine Welt sichtbar gemacht, ohne unsere Fantasie zu verletzen. Herbert selbst war begeistert von ihnen und sagte, dass sie exakt seiner Vorstellung von den Sandwürmern, Baron Harkonnen und den Sardaukar entsprächen. Er nannte Schoenherr den einzigen Künstler, der jemals Dune besucht hätte. Ein größeres Kompliment kann man wohl nicht machen.


Analog 12/1963 – Das erste farbige Bild des Wüstenplaneten.


Einige Beispiele der Schwarzweiß-Illustrationen, die Schoenherr für Dune anfertigte.


Das Titelbild der US-Erstausgabe von Dune.


Der Dune-Kalender 1978 – Abbildung mit und ohne Typografie.


Zwei LP-Cover der Lesungen, die Herbert aufgenommen hat.


Der Heilige Gral der Dune-Gemeinde.

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