Shozin Fukui (1961–2026)
Der wildeste unter den Cyberpunkern
Der am 7. April verstorbene Shozin Fukui war einer der kleinen Großen. Der 1961 geborene Filmemacher konnte als prestigeträchtigste Credits immerhin Arbeiten als Regie-Assistent an „The Master of Shiatsu“ (1989) von Sôgo Ishii und als Produktionsassistent bei Shinya Tsukamotos hypereinflussreichen Meilenstein „Tetsuo“ (1989) verbuchen, erreichte aber nie auch nur annährend den Bekanntheitsgrad der beiden Cyberpunk-Päpste. Was vermutlich daran lag, dass seine Filme noch radikaler waren.
Ich kann mich jedenfalls gut an Vorführungen seiner beiden mit Abstand bekanntesten Titel „964 Pinocchio“ (1991) und „Rubber’s Lover“ (1996) erinnern, die Kumpels und ich Anfang der 2000er im Rahmen unseres damaligen Festivals organisiert hatten – das WTF? in den Köpfen der meisten Zuschauer war regelrecht zu spüren. Und ich muss einräumen, der kompromisslose Allrounder, der sogar eine Zeit lang Obdachlosigkeit in Kauf nahm, um sein Debüt „964 Pinocchio“ zu finanzieren, macht’s einem nicht leicht; seine Filme sind nicht nur unfassbar wild, es wird auch viel geschrien und gekotzt. Fukui gibt als Einfluss Ridley Scotts Überklassiker „Blade Runner“ (1982) an. Das machen viele, doch in dem Fall wurde „Blade Runner“ in einen Sack gesteckt und während eines Punk- oder gar Noise-Konzerts 10-mal mit Schmackes gegen eine Betonwand geklatscht.
Seine teils ohne Drehgenehmigung, inmitten nichts ahnender Passanten fabrizierten Low-Budget-Sci-Fi-Visionen, brennen sich fest. Fukui findet immer wieder Bilder und Momente, die – ob man will oder nicht – hängen bleiben und so wundert es nicht, dass der Mann trotz eines schmalen Œuvres (von dem ein Teil sogar leider nur schlecht bis gar nicht offiziell verfügbar ist. Der heilige Gral für die Fans ist sein erster längerer Film „Metal Days“ von 1986, den Fukui vor seinem Tod endlich veröffentlichen wollte) über die Jahre zu einer Art Underground-Ikone wurde.
Nun ist der Wildeste unter den Cyberpunkern dahin, der Krebs war’s mal wieder!
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