27. August 2020 2 Likes

„Devs“ - Gott würfelt nicht

Alex Garland spielt in seiner Serie mit der Idee multipler Universen

Lesezeit: 2 min.

Abgesehen von Konferenzen, die sich mit den kompliziertesten Fragen der Quantenphysik beschäftigen, dürfte nirgendwo sonst so intensiv über das Für und Wider von Multiversen diskutiert werden, wie im Bereich der Populärkultur. Von der Welt der „Avengers“ bis zum Netflix-Hit „Dark“ spielen Autoren mit der Idee, dass es neben unserer auch noch schier unendliche viele Parallelwelten gibt, in denen fast das Gleiche passiert wie in unserer Welt – nur mit winzigen Unterschieden. Das ist auch der Ausgangspunkt von Alex Garlands achtteiliger Miniserie „Devs“, die sowohl Gutes wie Schlechtes der modernen Streaming-Welt vereint.

Hauptschauplatz der Serie ist ein Tech-Campus in den Wäldern außerhalb San Franciscos. Hier hat der Tech-Milliardär Forest (Nick Offerman) sich seinen Traum erfüllt, beschäftigt junge, attraktive Menschen, die in top designten Gebäuden auf Notebooks starren und an der Zukunft arbeiten. Zentrum dieser Welt ist das Labor „Devs“ in dessen Zentrum ein golden strahlender CPU die Rätsel des Universums enthüllen soll. Hierin wird auch Sergei (Karl Glusman) befördert, doch schon nach einem Tag kommt er nicht mehr nach Hause. Was seine Freundin Lily (Sonoya Mizuno) verständlicherweise beunruhigt und zu Nachforschungen animiert, die sie nach und nach ins Zentrum des Geheimnisses von Devs führt.

Um Determinismus geht es dort, um die Idee, dass alle Entscheidungen, alles Handeln, von nachvollziehbaren Momenten, Gedanken, Erlebnissen beeinflusst sind, man also, wenn man einen Rechner hätte, der all das Berechnen könnte, tief in die Vergangenheit oder die Zukunft blicken könnte. Und dann möglicherweise auch in den Lauf der Geschichte eingreifen kann, um sie den eigenen Wünschen entsprechend zu verändern und zu manipulieren.

Ist unsere Welt geprägt vom Determinismus oder doch Teil eines Multiversums, das ist die zentrale Idee von Devs, eine komplexe, faszinierende Idee, ja, aber auch eine ebensolche Serie? Betont langsam, fast schlafwandlerisch inszeniert Garland – der bei allen acht Folgen für Buch und Regie verantwortlich war – die Serie, die eher einem überlangen Film ähnelt. Etliche der Nebenhandlungen wären verzichtbar gewesen, viele Momente, in denen einzelne Figuren die theoretischen Fragen diskutieren wiederholen sich, immer wieder schleicht sich das Gefühl ein, dass für den Stoff auch zwei Stunden genügt hätten.

Was letztlich den Eindruck verfestigt, der sich schon bei Garlands Spielfilmen „Ex Machina“ und „Auslöschung“ zeigte: Dass Garland zwar ein Faible für komplexe Ansätze hat und auch als Regisseur über ein ausgeprägtes Gespür für ästhetisch ansprechende Bilder verfügt, er inhaltlich aber doch nur mit Wasser kocht. Weniger ein origineller Denker scheint Garland zu sein, als jemand, der Ideen aufnimmt und variiert, auf eigene, aber letztlich nicht neue Weise.

Devs • Regie: Alex Garland • Darsteller: Sonoya Mizuno, Karl Glusman, Nick Offerman • 8 Folgen, bei Sky/Fox

Kommentare

Zum Verfassen von Kommentaren bitte Anmelden oder Registrieren.
Sie benötigen einen Webbrowser mit aktiviertem JavaScript um alle Features dieser Seite nutzen zu können.