31. Mai 2026

„Spider-Noir“ – Der Titel ist Programm

Nicolas Cage spielt endlich einen richtigen Superheld – ein bisschen

Lesezeit: 3 min.

Eines der großen „What Ifs?“ der jüngeren Filmgeschichte ist Tim Burtons geplanter „Superman“-Film, bei dem Nicolas Cage die Hauptrolle übernehmen sollte. Doch das Projekt kam ein bisschen zu früh, obwohl Burton schon „Batman“ gedreht hatte, und so wurde der große Comic-Fan Cage, der einmal sogar sehr viel Geld für eine Erstausgabe des ersten „Superman“-Heftes ausgab, dann doch nicht zum Superheld.

Inzwischen ist Cage mit über 60 eigentlich auch zu alt für die Rolle, in einem typischen Marvel-Film könnte man sich den Exzentriker auch kaum vorstellen, statt dessen gab es den bizarren Auftritt in den „Ghost Rider“-Streifen. Das Cage im Aninmationsfilm „Spider-Man: Into the Spiderverse“ jedoch eine der vielen Spider-Man Inkarnationen seine Stimme lieh, gab letztlich den Anstoß zu einer nun bei Amazon Prime erschienenen Miniserie, die schon im Titel verrät, was sie zu bieten hat: „Spider-Noir“.


Vamp, Femme Fatale, Scene Stealer: Cat

Schauplatz ist das New York der frühen 30er Jahre, die Depression ist in vollem Gang, Ben Reilly (Cage) versucht sich mehr schlecht als recht als Privatdetektiv durchzuschlagen. Doch die Geschäfte laufen mies, seine burschikose Sekretärin Janet (Karen Rodriguez) hat langsam genug und droht mit Kündigung, doch da bekommt Ben doch noch einen Auftrag: Er soll die Nachtclubsängerin Cat Hardy (Li Jun Li) überwachen, die angeblich ihren Mann betrügt. Verfängliche Fotos führen Ben zum natürlich korrupten Bürgermeister Alfred Morris (Michael Kostroff), der Geschäfte mit dem irischen Mobster Silvermane (Brendan Gleeson) macht. Allein dem Journalisten Robbie Robertson (Lamorne Morris) kann Ben vertrauen, denn der weiß um Bens andere Identität, die aus dem Noir eine Superheldenstory macht: Einst agierte Ben nämlich als The Spider, nutzte die üblichen Spider-Man-Fähigkeiten dazu, in New York für Recht und Ordnung zu sorgen, doch der Tod seiner geliebten Freundin veranlasste ihn vor fünf Jahren, die Superheldenidentität auf Eis zu legen.

Doch nun tauchen plötzlich Gangster auf, die seltsame Fähigkeiten besitzen, die Feuer aus ihren Händen schießen oder sich in Sand verwandeln können. Die Spur führt Ben bis in die Schützengräben des Ersten Weltkrieges zurück, wo möglicherweise Giftgas zu Mutationen geführt hat.


Farbe oder Nichtfarbe …

Zumindest in den ersten Folgen des Achtteilers wirkt „Spider-Noir“ mehr wie ein typischer Film Noir, denn wie eine Superheldengeschichte, bemüht sich Showrunner Oren Uziel um eine typische Noir-Atmosphäre, voller tiefer Schatten, verrauchter Spelunken und undurchsichtiger Damen. Stilistisch wirkt das durchaus überzeugend, verkanntete Einstellungen, Hafenanlagen, durch Lamellen erzeugte Schatten: Kaum ein Noir-Motiv wird ausgelassen, die Superheldenebene kommt dabei fast zu kurz.

Es dauert eine ganze Weile bis die Serie inhaltlich in Fahrt kommt, wobei sich für Kenner der Erzählmuster des Film-Noir die Überraschungen dann auch in Grenzen halten. Ambitionierter wirkt da die Entscheidung, die Serie in zwei Versionen zu veröffentlichen: Zum einen, klar, in schwarz-weiß, bei dem die Kontraste besonders schön zur Geltung kommen, zum anderen in Farbe, jedoch nicht einer normalen, natürlichen Farbe, sondern einer True Hue genanten, besonders grellen, an alte Technicolor-Filme angelehnten Palette.

Und dann ist da natürlich Cage, der hier zum ersten Mal die Hauptrolle in einer Fernsehserie übernimmt, sich dabei allerdings gegenüber manchen seiner exzentrischen Film-Auftritt der letzten Jahre deutlich zurückhält. So cool wie einst Bogart oder Mitchum wirkt Cage hier zwar nicht, aber als Mischung aus typischem Noir-Privatdetektiv und Superheld gelingt es Cage, die richtige Mischung zu finden. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann ein Crossover zwischen diesem sSpider-Noir und Tom Hollands „Spider-Man“, dem wir dann in ein paar Wochen im Kino wieder begegnen.

Spider-Noir • USA 2026 • Creator: Oren Uziel • Darsteller: Nicolas Cage, Lamorne Morris, Li Jun Li • acht Folgen, jetzt auf Amazon Prime

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