1. März 2026

Messias“ – Der Auftrag: „Töten Sie Gott!“

Andreas Brandhorst variiert mit seinem neuen Roman den Dan Brown-Baukasten

Lesezeit: 3 min.

Ein globaler Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion? Finstere Gestalten mit mysteriösen Motiven? Eine weltumspannende Handlung? Kleinteilige Kapitel mit ständigen Cliffhangern? Das erfolgreiche Muster, mit dem Dan Brown seit einem Vierteljahrhundert Millionen Exemplare der Robert Langdon-Romane verkauft, scheint Pate für Messias“ (im Shop) gestanden zu haben, den neuen Roman des deutschen Autors Andreas Brandhorst, der vor kurzem angekündigt hat, seine Schriftsteller-Karriere zu beenden.


Andreas Brandhorst. Foto © Kristian Streich

Apropos Pate: Auch der Titelbilddesigner hat sich augenscheinlich von einem legendären Vorbild inspirieren lassen, in seinem Fall dem Cover des legendärem „Paten“, das eine Hand zeigt, von dem der Titel an Fäden hängt, eine kontrollierende Macht andeutend. Ein Bezug, der inhaltlich irgendwie passt, aber auch nicht wirklich, was wiederum ganz gut beschreibt, wie breit die Motive und Themen sind, die Brandhorst in seinem über 500 Seiten schweren Wälzer variiert.

Es beginnt in der Atacamawüste, in Chile, wo ein englischer Astronom mit Hilfe des Extremely Large Telescope die Sterne beobachtet. Eines Nachts strahlt der Himmel und ein mysteriöses Wesen namens Simon betritt die Erde. Scheinbar unbegrenzte Fähigkeiten hat dieser Simon, kann Tote zum Leben erwecken und andere Wunder bewirken und wird dementsprechend schnell verehrt und bewundert – aber auch verachtet.

So sehr weite Teile der Menschheit begeistert von diesem neuen Messias ist, so sehr fürchten die bisherigen Mächtigen um ihre Pfründe, nicht zuletzt Papst Pius XIII. Sehr besorgt ist der Oberhirte: „Um seine Schäflein oder seine Scherflein?“ heißt es da treffend, und auch die andere Religionsführer, vom Dalai Lama bis zum Ayatollah, würden Simon gerne aus der Welt schaffen.

Doch wie soll man ein scheinbar göttliches, sicherlich außerirdisches Wesen mit menschlichen Methoden töten? Den Auftrag erhält auch der Profikiller Nathan, der Anfangs in Argentinien agiert, später in Gibraltar und Algerien, in einer wilden Reise zu mehr oder weniger exotischen Orten, auf die Brandhorst sein vielfältiges Personal schickt.

In kleinteiligen, meist kaum mehr als drei, vier Seiten kurzen Kapiteln treibt er die Handlung voran, springt zwischen Chile, der Schweiz und dem Mond (!) hin und her und hält die Spannung hoch. Dass der angebliche Messias Simon vielleicht doch nicht der Heilsbringer ist, auf den viele gewartet haben, wird in den Zwischenkapiteln deutlich, in denen „Simons Weisheiten“ verbreitet werden: Zu denen zählen Banalitäten wie „Wir kommen voran“, „Ich gehöre euch nicht, aber ihr gehört mir.“, „Wer mit dem Feuer spielt, kann sich verbrennen“ oder „Achtung, ich mag es nicht, wenn man mich hintergeht.“ Nicht unbedingt Sentenzen, die man von einem neuen Messias erwarten würde, aber genau das scheint der Punkt zu sein.

Von falschen Heiligen will Brandhorst erzählen, vom Verlangen der Menschen nach spiritueller Führung, die nur allzu gern ausgenutzt wird. Nur Haarscharf schrammt „Messias“ dabei an einer Anklage einer globalen Weltverschwörung vorbei, geschwurbelt wird bisweilen aber doch arg. Doch zwei, drei Kapitel und ebenso viele Ortswechsel später ist das schnell vergessen. Nicht nur die Ortswechsel hat Brandhorst mit seinem Vorbild gemein, auch er hat einen Hang zum sehr genauen Beschreiben jeder Handlung, jedes Ortes, was für eine dichte, manchmal auch überbordende Detailfülle sorgt.

Die wissenschaftliche und philosophische Dichte von Dan Browns Romanen erreicht „Messias“ allerdings nicht, trotz etlicher Fußnoten, in denen auf die realen Bezüge der im Roman erwähnten Forschungsorganisationen oder technischer Errungenschaften wie einer biometrischen Maske verwiesen wird. Wäre Sommer würde man „Messias“ als perfekte Strandlektüre bezeichnen, aber auch für die letzten Tage des Winters ist der Schmöker geeignet, zumal es am Ende, natürlich, Licht wird.

Andreas Brandhorst: Messias • Roman • Heyne, München 2026 • 576 Seiten • Erhältlich als Hardcover, eBook und Hörbuch Download • Preis des Hardcovers: 24,00 € • im Shop

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