1. Mai 2021 1 Likes

„Die Mitchells gegen die Maschinen“

Bunte Roboter-Apokalypse: Ein neuer Sony-Animationsfilm auf Netflix

Lesezeit: 3 min.

Auf Netflix steht seit dem 30. April der fast zweistündige Animationsfilm „The Mitchells vs. the Machines“ alias „Die Mitchells gegen die Maschinen“ zum Streamen bereit (ursprünglich wurde der Streifen mal als „Connected – Familie verbindet“ angekündigt). Der Evelator-Pitch des animierten Familienfilms von Michael Rianda („Willkommen in Gravity Falls“) und Jeff Rowe („Disenchantment“), den Phil Lord und Christopher Miller („Spider-Man: A New Universe“, „Lego Movie“) für Sony Pictures Animation produziert haben? Die schrillen Vier auf Achse, und zwar mitten im apokalyptischen Aufstand der Roboter, Haushalsgeräte und – festhalten – Furbies!

Die junge Filmemacherin Katie Mitchell kann es gar nicht erwarten, endlich auf die Filmhochschule in Kalifornien zu kommen, wo sie Freunde, Verständnis und kreative Förderung erwarten. Denn während sie super mit ihrem kleinen dinoverrückten Bruder Aaron klarkommt und ihre einfühlsame Mutter Linda sich alle Mühe gibt, haben Katie und ihr Vater Rick irgendwie immer mehr die Verbindung zueinander verloren. Um das zu kitten, sagt Möchtegernnaturbursche Rick den Flug seiner Tochter nach Kalifornien einfach eigenmächtig ab und verkündet, dass die ganze Sippe Katie in ihrem alten Kombi per Road-Trip an der Uni abliefern wird. Ein letzter großer Familienausflug. Das wäre angesichts der dysfunktionalen Chaostruppe auf Reisen für Katie schon schwer zu verdauen. Dummerweise kommt es noch schlimmer.

PAL-Firmenchef Mark Bowman, der die Welt mit seinen Handys und Gadgets in bester Apple-Manier prägt, stellt nämlich zeitgleich sein neuestes Hightech-Produkt vor: PAL MAX, die Evolution der persönlichen Assistentin und künstlichen Intelligenz PAL im Smartphone. Die neue KI wohnt in einem Roboterkörper und kann nun sogar kochen und putzen. Marks digitale Freundin PAL nimmt es allerdings gar nicht gut auf, mir nichts, dir nichts fallen gelassen zu werden. Sie schließt das System der neuen Roboter kurz und macht sie zu ihrer brutalen Armee, mit der sie die Menschen attackiert und einsperrt. Und ausgerechnet die Mitchells sind die einzigen, die PAL jetzt noch aufhalten können. Unterstützt werden sie nur von ihrem schielenden, ziemlich untauglichen Hund Monchi und zwei Robotern mit Dachschaden, die sich Menschengesichter aufs Display malen …

Wer „Spider-Man: A New Universe“ zurecht für einen der besten Animationsfilme der letzten Jahre hält, darf sich freuen: „Die Mitchells gegen die Maschinen“ gelingt es, im Style fast genauso innovativ zu sein wie das Netzschwinger-Spektakel. Derweil sich der Soundtrack oft passenderweise bei „TRON“ bedient, werden optisch die zu erwartenden 3D-Sequenzen mit hübschen 2D-Elementen, witzigen Live-Action-Schnipseln und allerhand schrägen Filtern kombiniert. Ein sinniger Schritt, um sich weiter von Disney/Pixar abzugrenzen. Dem gegenüber steht die fast schon geniale Einfachheit, den KI-Bösewicht des Films bloß durch ein ausdrucksstarkes Smiley-Gesicht auf einem Display zu anthropomorphisieren. Science-Fiction-Fans werden außerdem die solide, stets witzig verpackte Gesellschaftskritik zu unserem Verhältnis sowie unserem Umgang mit Technik zu schätzen wissen. Stimmt schon, vermutlich wären wir ohne Wlan alle aufgeschmissen.

Wenn man an „Die Mitchells gegen die Maschinen“ etwas bemängeln möchte, dann, dass es selbst für All-Age-Animationsfilmverhältnisse im Showdown ein bisschen zu einfach und glatt geht. Aber geschenkt. Diese fetzig animierte Familiengeschichte und Roboterapokalypse beschert der ganzen Family beim Filmabend so viele Lacher, hat so viel visuellen Schmiss und kommt mit so viel Herz daher, dass man das gerne hinnimmt.

Abb.: © 2021 Sony Pictures Animation. All Rights Reserved

Die Mitchells gegen die Maschinen • USA, 2021 • 110 Min. • Regie: Mike Rianda • Drehbuch: Mike Rianda, Jeff Rowe

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